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Kupieren ist verboten - Ein Roman über das gezielte seelische Verkrüppeln von Hunden?
#1
Wenn man mit Menschen arbeitet, die mit Hunden leben, begegnet man immer wieder einem Phänomen, welches ich hier einmal ansprechen möchte.

Hunde werden aus den unterschiedlichsten Motivationen heraus angeschafft und gehalen, darunter findet man sportliche, soziale, medizinische, egoistische, selbstlose, undefinierbare...

Hervorheben möche ich hier einmal jene Hundehalter, die die Ängste und Verhaltensstörungen ihrer Tiere unbewusst selbst verursachen und dann aber gezielt zum Lebensinhalt machen und als Profilgeber benutzen.

Der normale Gang meiner Arbeit mit Teams ist, dass ich mir das Gespann im Alltag ansehe und Ursachenforschung betreibe. Dazu gehört auch, dass ich mir ein umfassendes Bild der Lebensumstände der Menschen mache und auch Fragen zu Bereichen stelle, die augenscheinlich gar nichts mit der Hundehaltung zu tun haben.

Sehr häufig haben meine Kunden schon eine fertige Diagnose für mich, warum der Hund dieses oder jenes Fehlverhalten zeigt. In den allerseltensten Fällen liegt der Kunde dabei auch nur ansatzweise richtig. Seine Diagnosen beinhalten in aller Regel wildeste Interpretationen, die auf Beobachtungen basieren, welche mit einem "aber er liebt mich doch so" Filter gemacht wurden. Die selbst gewonnenen Erkenntnisse führen somit sehr häufig zu einem Punkt, der sie glauben lässt, der Hund sei ohne sie völlig aufgeschmissen, da er so massive Ängste in sich trägt. Das ist sehr häufig Wunschdenken.

Was ich dann oft zu sehen bekomme, ist ein perfekt dressierter Mensch, dessen Hund schlicht und ergreifend gelernt hat, bestimmte Situationen mit bestimmten Verhaltensweisen zu verknüpfen, die ihm Zuwendung und Aufmerksamkeit zusichern. Oft sehe ich einen wahren Aufmerksamkeitsjunkie vor mir. Meist finde ich unpopuläre Mittel und Wege, das Verhaltensmuster aufzubrechen und dem Kunden zu beweisen, was ursächlich für das Verhalten sein wird und welchen Anteil an menschlichem Fehlverhalten zu dem führte, was man vom Hund präsentiert bekommt.

Und dann gibt es zwei Typen von Hundehaltern.
Die einen schlagen sich mit der Hand vor den Kopf und fragen sich, wie sie nur so blind sein konnten, um selbst nicht zu merken, dass sie das Verhalten dem Hund genau so beigebracht haben, wie er dies nun zeigt. Diese Kunden saugen jeden Tipp erleichtert auf, wollen ihrem Tier am besten noch vorgestern aus dem Stress helfen, den sie ihm verursacht haben und haben nach 3 Stunden keinen Bedarf mehr an meinen Diensten, weil sie nur einen Schubs brauchten und nun mehr oder weniger schnell selbst aus ihren gewohnten Verhaltensmustern ausbrechen können.

Aber leider gibt es auch noch den zweiten Typen. Dieser Kunde möchte weder meine echten Erkenntnisse, noch Diagnosen, noch Tipps zur Veränderung des eigenen Verhaltens, welches zur Veränderung des Hundeverhaltens führen würde, hören. Dieser Kunde fände es wahrhaft schrecklich, wenn sein Hund keine Abhängigkeitssymptome mehr zeigen würde. Er hätte auch leider kaum noch Themen, über die er sich profilieren könnte, wenn der Hund mit ihm in einer Komfortzone namens Lebensqualität leben würde. Er WILL, dass sein Hund ängstlich/unsiher/aggressiv (oder sonstwas) ist, dass er wegen jedem Hühnerfurz eine Sonderbehandlung braucht. Er braucht die Latte an Hundetrainern, die er schon verschlissen hat, weil sein Hund ja so etwas Besonderes ist, dass ihm keiner helfen kann.

Sehr häufig sind das Kunden, die ohnehin schon bis Oberkante Unterlippe voller Probleme stecken, wo man eigentlich meinen müsste, dass es eine erhebliche Erleichterung wäre, wenn wenigstens der Hund problemlos liefe. Das ist alles ein Teufelskreis. Man kann die Folgeerkankungen dieser Tiere voraussehen, da ein Leben im hausgemachten Dauerstress nicht gesund sein KANN. Aber auch über die Krankheiten kann man dann wieder an Profil gewinnen, und so geht der Kreislauf weiter und die Spirale wird immer enger.

Tierschützer kämpfen dafür, dass Hunde nicht körperlich verkrüppelt werden dürfen, aber niemand hat eine Handhabe gegen die sicherlich unbewusste, aber dennoch gezielte seelische Verkrüppelung unserer Herzallerliebsten, und deshalb finde ich immer wieder zu einer alten Signatur einer sehr umstrittenen Person zurück, die da lautete "Tierliebe kann grausam sein".

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#2
*Rechtgeb*

Mal zu mir, ich habe auch Fehler gemacht, habe aber gelernt und unsern Hunden geht es dadurch gut.
Ich habe immer gedacht, es würde an den Beiden liegen, was ja Nicht sein konnte...

Aber jetzt zu meiner Frage....Warum wollen die Leute Hilfe von Dir, wenn sie sie dann doch Nicht annehmen?
Wenn ich meine, ich mache Alles Richtig, dann brauche ich keinen Hundetrainer.

Ich Selbst bin immer Dankbar für Hilfe und zwar Eindeutig, wenn einer sagt...Du musst es so machen, wie du es machst, ist es Falsch, oder willst du, das der Schuss nach Hinten losgeht?
Damit komme ich Besser klar, als wenn einer meint....Oooooch, du machst das schon....grmpf
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#3
labijack schrieb:Aber jetzt zu meiner Frage....Warum wollen die Leute Hilfe von Dir, wenn sie sie dann doch Nicht annehmen?
Wenn ich meine, ich mache Alles Richtig, dann brauche ich keinen Hundetrainer.

Sie meinen ja auch, dass sie alles richtig machen, der Hund macht ja die Fehler.

Sie kommen und wollen Hilfe für eine unerwünschte Begleiterscheinung der Grundproblematik. Sie wollen dieses eine Symptom bitteschön abstellen, welches lästig ist, was nervt, was einen anecken lässt, aber sie wollen nicht die Ursache abstellen; und was sie am allerwenigsten wollen, ist in den Spiegel zu blicken, der ihnen von ihrem Hund vorgehalten wird und der von mir dann verbalisiert wird.

Sobald es darum geht, an sich selbst zu arbeiten, wird es ja unbequem und man bemerkt vielleicht, dass man Fehler, Defizite oder sogar selbst Probleme hat, die man möglicherweise auch nur mit professioneller psychologisher Hilfe gelöst bekommt. Ein einziges Hunde-Symptom zu bekämpfen, wie z.B. das störende Bellen mit einem Spray-Halsband zu behandeln, ist doch viel einfacher...

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#4
lachen
Du hast ja vielleicht nen miesen Job....

Rein interessehalber: Wie ist die prozentuale Verteilung von Typ 1 zu Typ 2.
Und du nimmst doch hoffentlich von Typ 2 Schmerzensgeld.

Ich würd die mit der Dachlatte vermöbeln, fürchte ich.
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#5
pudlich schrieb:lachen
Du hast ja vielleicht nen miesen Job....

Aber echt...und das, obwohl ich tatsächlich mal was ganz anständiges studiert hab zwinkern

pudlich schrieb:Rein interessehalber: Wie ist die prozentuale Verteilung von Typ 1 zu Typ 2.
Das kann ich Dir ganz schlecht sagen, weil Typ 2 bei mir oft schon im Vorfeld gar nicht so lange "überlebt", dass ich die "Typ-2-Erkenntnis" bekomme. Denen bin ich oft schon im Ansatz zu unbequem, da ich bereits beim ersten unverbindlichen Termin über den Kopf des Menschen arbeite. Ich fürchte jedoch, dass es unter den Nichtmehrwiedergesehenen eine recht hohe Dunkelziffer gibt. Von dem, was ich so aus Forenbeiträgen herauslese, von dem, was ich an Leuten der Typ 2 Variante vor einer konkreten Zusammenarbeit verschlissen habe, würde ich sagen um die 30% vielleicht.

pudlich schrieb:Und du nimmst doch hoffentlich von Typ 2 Schmerzensgeld.
Hmm. Ich gehöre eher zu den Leuten, die von diesen Menschen bei Erkennen gar kein Geld nimmt, weil ich an ihrem Problem oft erst mal gar nicht arbeiten kann, da sie schlicht den falschen Fachmann aufgesucht haben. Da ginge nur Schadensbegrenzung und das ist Augenwischerei.


pudlich schrieb:Ich würd die mit der Dachlatte vermöbeln, fürchte ich.
Das Stadium hatte ich früher auch, bis ich merkte, dass meine Wut sich letztlich gegen die Tatsache richtet, dass ich mich hilflos fühlte, und ich mit der verbalen Dachlatte genau gar nichts erreichte. Es erfordert eine perfekte Tagesform meinerseits und eine super hohe Toleranz, den Menschen hinter dem Problem zu sehen und ihn für SEIN Problem bei der Pflicht/Ehre dem Hund gegenüber zu packen. Der Grat ist superschmal.

Ganz selten gelingt mir das zu einem Zeitpunkt, so lange der Leidensdruck mit den Symptomen des Hundes noch relativ gering ist. Meist muss es erst richtig dicke kommen. Zu Lasten beider Seiten. Hund und Mensch. Das sind dann meine schlaflosen Nächte, aber wenn ich ein paar erreiche, dann freue ich mich schon darüber. Den Hunden zuliebe.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#6
Anja, ich würde sagen du hast den Typ 3 vergessen.

Die verschärfte Form des Types 2, die Dir den Hund in die Hand drücken möchten:

Gewöhnen sie ihm mal dies oder das ab und lehren sie ihm jenes.
Ich hole ich dann später wieder ab zwinkern lachen

Das ist in meinen Augen die Krönung mit Augen rollen
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#7
Susa, Typ 3 ist jemand, der einfach nur einen funktionierenden Hund will. Das finde ich weniger verwerflich, als den Hund ängstlich und gestört haben zu WOLLEN.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#8
Ist ja interessant was ihr hier so für Typen rausfindet. Ich bin alle drei in einem...
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#9
Ich finde den Roman einbisschen zu allgemein. Ich treffe viele Menschen und ihre Hunde, mit allen moeglichen Problemen oder auch ohne. Noch nie hab ich jemand getroffen der sich seinen Hund unbewusst falsch erzogen haette und den Hund dann bewusst abhaengig haelt.

Die Menschen die ich kenne arbeiten an ihren Problemen. Ob nun jeder mit jedem Trainer arbeiten kann und etwas erreicht, ist eine andere Frage.
Kathi, Lu und Pai
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#10
Anja schrieb:Susa, Typ 3 ist jemand, der einfach nur einen funktionierenden Hund will. Das finde ich weniger verwerflich, als den Hund ängstlich und gestört haben zu WOLLEN.

LG Anja

Das eine schliesst das andere ja nicht aus. Oder meinst Du mit Typ 2 nur
Halter, die sich an den Neurosen ihres Hundes ergötzen und diese bewusst weiterfördern, dann habe ich Dich missverstanden.

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