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Was man über Wild wissen sollte
#1
Geht man zu normalen Tageszeiten spazieren, begegnet man verschiedenem Wild, das sehr unterschiedlich auf diese Begegnungen reagiert. Die zum Schalenwild gehörenden Rehe, Damwild, Rotwild, Muffelwild und Schwarzwild reagieren meist deutlich sensibler als zum Beispiel Hase oder Fasan.

Diese Sensibilität macht Jägern und Förstern häufig ziemliche Probleme.

Unser Schalenwild hat einen hochspezialisierten Biorythmus, der zwischen Sommer und Winter unterscheidet. Mit abnehmender Sonneneinstrahlung wird der Kreislauf auf rund 50 % der Sommerleistung heruntergefahren, die Nahrungsaufnahme wird reduziert. Die zu dieser Zeit tragenden weiblichen Tiere führen einen erheblichen Teil ihrer Energie der Ernährung des Fötus zu.
Wird Schalenwild gestört und zur Flucht gezwungen, schaltet der Körper mit gewaltigem Energieaufwand auf Sommerbetrieb um, die Energiebilanz verschlechtert sich, der Fötus in den tragenden Tieren wird vorübergehend unterversorgt. Kommen die Tiere nach der Flucht zur Ruhe, dauert die Umstellung auf Winterbetrieb mehrere Tage; werden sie in dieser Zeit wieder gestört, verschiebt sich diese Umstellung natürlich wieder.
Das hat zur Folge, dass zahlreiche Tiere während der Wintermonate nicht mehr zum Winterbetrieb kommen, die Folge sind eine hohe Sterblichkeitsrate der Nachzucht sowie ein hoher Verbißdruck auf das ohnehin eingeschränkte Nahrungsangebot, da wesentlich mehr Energie benötigt wird als das normalerweise der Fall wäre.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass insbesondere Rehe einen streng geregelten Tagesablauf haben. Einer ca. einstündigen Nahrungsaufnahme folgen ca. 2,5 Stunden Ruhe und Wiederkäuen sowie etwa eine halbe Stunde tiefer Schlaf. Während Störungen bei der Nahrungsaufnahme diesbezüglich rel. unproblematisch sind, sieht das bei ruhendem, wiederkäuendem Rehwild ganz anders aus, da die in diesem Fall sehr schnelle und weite Flucht häufig zu Verdauungsproblemen führt. Hinzu kommt wiederum in diesem Fall ein erhöhter Nahrungsbedarf.

So haben Untersuchungen diverser wildbiologischer Institute herausgefunden, dass in dicht besiedelten Gebieten mit hohem Erholungsbedarf in Feld und Wald der Verbißdruck bei gleicher Wilddichte erheblich höher ist als in dünn besiedelten Gebieten. Die Folgen daraus sind fatal: Gestörte Waldentwicklung, hohe Kosten für Auf - und Abbau von Zäunen zum Schutz von Kulturen, Verlust von wertvollen seltenen Baum - und Straucharten.


Was kann man als Spaziergänger also tun?

Vermeiden von bekanntlich gerne von Wild aufgesuchten Flächen
Verbleib auf den Wegen
Hund rel. kurz halten
Keine Spaziergänge in der Zeit zwischen einer Stunde vor Sonnenuntergang bis ca. eine Stunde nach Sonnenaufgang in Wald und freier Landschaft
Verbleib auf stark frequentierten Wegen, keine Nutzung einsamer Wege
Bei Wildkontakt laut sprechend weitergehen, keinsfalls stehen bleiben.

Edit Jasmin: Ich habe dieses sicherlich spannende Thema in ein anderes Forum verschoben! freuen
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#2
ein heya dir Pudlich,

ein sehr informativer Beitrag für uns Spaziergänger im Wald, und wunderbar durch die Augen des Wilds beschrieben.
.... Um die Natur erkennen, muss Mensch ihre Geschöpfe verstehen.
Um ein Geschöpf verstehen, sollte Mensch in ihm den Bruder sehen.....
[Bild: helgaslotussmiley.gif]
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#3
Danke für diesen äußerst interessanten Beitrag.

Ich würde mir wünschen mehr Menschen würden sich an diese doch so einfachen Regeln halten.
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#4
Ein sehr interessanter Bericht! Vielleicht kannst du mir auch erklären, warum sich das Wild so gut wie gar nicht durch Reiter gestört fühlt, wenn man im Schritt oder ruhigen Trab durch die Gegend reitet, selbst dann nicht wenn Hunde mit sind. Ich erlebe das eigentlich ständig, das Wild ist auf dem Feld und frisst, wenn wir kommen, schaut es kurz auf und frisst weiter. Und dann find ich es auch irgendwie witzig, das man zur Jagdzeit kaum Wild sieht.
Ich weiss nicht ob die Tiere das wissen können, oder ob es nur Zufall ist!

Wenn man allerdings zu Fuß unterwegs ist, mit oder ohne Hund, dann flüchtet das Wild!
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#5
Ich kenne mich zwar nicht aus, sage aber mal
einfach das ein Reh kein Pferd fürchtet und
deshalb auch nicht flüchtet.
Das Wild hat sich darann ja auch gewöhnt,
das andere Tiere im Wald unterwegs sind,
u.a. eben Reiter mit Ihren Pferden.
[Bild: 5178377.jpg]

Liebe Grüße,
Jasmin und die spanische Bande!

Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht!
Heinz Rühmann




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#6
Wild gehört zu den Bewegungssehern, es ordnet Anblick bestimmten Bewegungs - und Umrissmustern zu. Schnelle Bewegungen lösen früheren und größeren Alarm aus als langsame.

Ein Berittener hat 2 Vorteile:
- Die Konturen von Reiter und Pferd verschmelzen zu einer, die nicht an den Umriss eines Menschen erinnert.
- Der Pferdegeruch vermischt sich mit dem menschlichen Geruch und überdeckt ihn.

Dshalb werden Reiter kaum als Menschen identifiziert.
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#7
Ein sehr interessanter Beitrag auch für jemanden wie mich, der in einer Gegend in Süditalien lebt, wo es weder Rehe noch Wildschweine gibt lachen ... aber ich werde an ihn denken, wenn ich nochmals mit meinen Hunden in Deutschland (oder anderen "wildreichen" Gebieten) bin.

Vielen Dank!
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#8
pudlich schrieb:Bei Wildkontakt laut sprechend weitergehen, keinsfalls stehen bleiben.

wieso das? was bewirkt das denn?
Viele liebe Grüße von Anika mit Juri[Bild: 3000163.gif]

Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen,
müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken !!!


[Bild: 4174076.jpg] [Bild: 4174007.jpg] [Bild: 4262402.jpg] [Bild: 4174008.jpg] [Bild: 4174078.jpg] [Bild: 4174082.jpg]

"Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier genauso geahndet wird, wie das Verbrechen am Menschen."
Leonardo da Vinci


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#9
ruhig werden, stehenbleiben, denke ich bedeutet fürs Wild, das etwas sie entdeckt hat, Fährte aufnimmt.
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#10
ich denke eher, das das "laute" und schnelle Weitergehen dem Tier vermittelt schnell innen Wald flüchten......vielleicht soll es genau das auch tun. freuen

.... Um die Natur erkennen, muss Mensch ihre Geschöpfe verstehen.
Um ein Geschöpf verstehen, sollte Mensch in ihm den Bruder sehen.....
[Bild: helgaslotussmiley.gif]
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