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Auf wen soll Euer Hund "hören"?
#1
Basierend auf Gertis Bericht aus dem Seniorenheim, eröffne ich hier mal ein Thema, worin es darum gehen soll, welche Einstellung Ihr dazu habt, in welcher Form Euer Hund mit anderen Menschen in Interaktion treten soll, kann, muss.

Denke, das sollte man etwas spezifizieren, und nicht pauschal behandeln.

Schreibe mal von mir und meiner Einstellung, was Coffie angeht.

1) Ich möchte, dass mein Hund mit jedem x-beliebigen Menschen mit geht, dem ich seine Leine in die Hand drücke.

2) Ich möchte, dass mein Hund in Standardsituationen mit jedem x-beliebigen Menschen unsere Grundregeln einhält.

3) In Konfliktsituationen weiß und respektiere ich, dass mein Hund nur Menschen gehorcht und respektiert, denen er Respekt zollt, und den muss man sich bei ihm erarbeiten.

Das bedeutet:

1) Jeder kann mit Coffie los gehen, spazieren gehen, ihn mit zu sich nehmen, ihn beherbergen etc.

2) Jeder kann Coffie ein Kommando geben, und er führt es aus.

3) Konfliktsituationen, bei denen ich erlebte, dass mein Hund anderen Menschen (und dazu gehört auch mein Mann) gegenüber sehr deutliche Widerworte hatte, sind z.B. läufige Hündinnen, der Futtersack im Hauswirtschaftsraum meiner Freundin, oder zu enge Hundebegegnungen mit Hunden, mit denen er sich messen wollte. Das bedeutet, Coffie lässt sich nur von Menschen in Konfliktsituationen "etwas sagen", die er respektiert, weil sie seine Wiederworte zu nehmen wissen. Eine Sekunde Unsicherheit ist fatal und lässt ihn jeglichen Respekt verlieren.

Es gibt regelmäßig Unterrichtsstunden, in denen ich Coffie jemandem an die Hand gebe, der mit ihm die Stunde arbeiten darf. In der Regel sind das alles Themen, die Coffie KANN. Hoch spannend finde ich die ersten Minuten. Er geht neben diesem Menschen her und scheint ihn von oben bis unten abzuscannen. Man kann ihn richtig denken und bewerten sehen. Manche halten 15 Minuten durch, bis er sie deutlich in Frage stellt, andere länger.

Coffie arbeitet gerne. Somit kooperiert er. Aber sobald man ihm Freiräume gibt, die Möglichkeit, mal abzuschwirren, gut riechende Mädels abzuchecken (bei uns sind läufige Hündinnen im Training zugelassen), oder mit dem Spielzeug angeberisch über den Platz zu zauseln, Futter zu mopsen, whatever, zeigt sich, wie viel die Person an Klarheit an den Tag legt, um sich ihm gegenüber durchzusetzen.

Es ist aus meiner Sicht a) eine Lernerfahrungsfrage, ob ein Hund es kennt, mit beziehungsfremden Menschen zu arbeiten und b) im nächsten Schritt eine Frage der Persönlichkeit des jeweiligen Menschen, ob er für die Persönlichkeit des Hundes die passende Durchsetzungsfähigkeit mitbringt, um auch abseits des reinen "Konditionierungsmodusses" noch zu kooperieren.

Vermutlich ruft diese Aussage wieder Hans Georg auf den Plan... aber egal... zwinkern Konditionierungen sind klar. Aber jeder Hund kann in der Regel denken, bevor er ein konditioniertes Signal ausführt. Und deshalb "hört" ein Hund aus meiner Sicht eben in den unterschiedlichsten Situationen auch ganz unterschiedlich auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Und das hat etwas mit Beziehung und mit Respekt zu tun.

So und nun seid Ihr erst mal dran.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#2
Mir hat sich die Notwendigkeit schlicht und einfach nie gestellt, dass meine Hunde auch auf fremde Leute hören sollen.
Also habe ich das auch nie geübt bzw. verlangt.

Wir sind eine große Familie, und innerhalb dieser erwarte ich natürlich schon dass das klappt.
Also dass bei Bedarf jeder mal mit den Hunden raus gehen kann etc. ...

Dass die Hunde natürlich unterscheiden wen sie wie ernst nehmen, ist logisch. zwinkern
So kann z.B. nicht jeder meiner Familie die Hunde auf der Hundewiese in unserer Nähe ableinen.
(was mich aber nicht stört - jeder hat halt eine andere Autorität bei unseren Fellnasen ...)
LG,
Ulrike.

[Bild: a010.gif] [Bild: a010.gif]
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#3
Ich würde es absolut nicht wollen, wenn mein Hund mit Hinz und Kunz mitgehen würde.
Im Gegenteil. Es gibt einen begrenzten Kreis von Menschen, mit denen Trudel läuft, bei Olga ging gar nix.
Es gibt mir persönlich u.a. ein Stück Sicherheit, da meine Hunde auch oftmals ohne Aufsicht im Garten sind/waren
und ich darauf wetten kann, dass kein Fremder sie da mitnehmen kann.

Weiterhin habe ich zu viele Situationen erlebt, in denen irgendwelche Deppen Hunden anderer sinn- und
endlos Kommandos gaben, um somit wohl ihre eigenen Komplexe zu kompensieren.
Dies wird mit meinem Hund niemandem gelingen. Und das ist gut so.

Allerdings macht Trudel  einen großen Unterschied, ob ich anwesend bin oder nicht.
Ich habe sie auch schon bei Leuten geparkt, bei denen Trudel in meinem Dabeisein zu 100%
die Mittelkralle gezeigt hat.
War ich jedoch weg, hat alles wunderbar geklappt und ich bekomme die Rückmeldung,
dass Trudel ganz unproblematisch ist und jederzeit wiederkommen darf.

Aber Anja, nach deiner Erläuterung verstehe ich die Frage, warum Trudel im Seniorenheim nicht auf die Menschen hört,
nicht wirklich.
Du schreibst, dass Durchsetzung, Respekt und Persönlichkeit eine Voraussetzung dafür ist, dass Coffie mit anderen
kooperiert.
Dass diese demezkranken Senioren diesen Ansprüchen nicht genügen können, liegt doch auf der Hand.
Warum also sollte Trudel dann deren "Kommandos" gehorchen?
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#4
@ Ulrike: Klar, wenn man nie auf Fremde angewiesen ist, dann mag sich das Thema auch nicht stellen. Aber Du bist ja auch in einem Trainingsumfeld. Ist es da nicht mal vorgekommen, dass man mal einen anderen Hund führt? Bei mir ist das regelmäßiger Bestandteil im Training.

@ Gerti: Ich meinte beim Kooperieren mehr die Erziehungsseite. Nicht unbedingt Ausbildung. Kommandos im Altenheim ist für mich Abrufen konditionierter Kommados in typisch sinnbefreiter Situation. Das würde mein Hund 100% mitspielen. Sich von den Oldies etwas "Wichtiges" verbieten lassen, das würde er nicht. Verstehst Du, was ich meine? Aber ich verstehe natürlich auch, wenn die Senioren nicht verständlich kommunizieren, dass Trudel es dann einfach nicht verstehen KANN.

Für mich ist es irgendwie in Sachen Bindung und Beziehung wichtig, mal ganz abseits von meiner Arbeit oder meinen Familiären Microverhältnissen, dass ich für meinen Hund letztlich austauschbar bin. Ich möchte eine normale Bindung von Coffie an mich haben, keine zu starke.

Klauen würde das Bö niemand. Und wenn doch, dann täte derjenige mir es spätestens nach 2 Tagen zurück bringen... Davon bin ich überzeugt. Aus dem Garten klauen... eher nicht. Der macht so einen Radau, da käme keiner freiwillig rein. Neulich traute sich noch nicht mal einer am Zaun vorbei, der nur Hovi Street View sehen konnte. Also eine schwarze Schnuppe unter dem Zaun durch. zwinkern

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#5
Hey
 
Nun, dann trete ich mal auf den Plan, wenn nach mir gerufen wird.
 
Charakter (Persönlichkeit) ist zunächst mal nichts angeborenes/vererbtes, sondern schlicht und ergreifend, mehr oder weniger erworben auf genetischen Grundlagen basierend, bei Mensch und/oder Hund.
 
Dabei spielen konstante aber auch, ich nenne sie mal flexible Merkmale in einem bestimmten Kontext, eine wesentliche Rolle.
 
Gute Beobachter stellen sehr schnell fest, dass Menschen z. B. je nach Umfeld, ihre Persönlichkeit, bewusst oder unbewusst, anpassen, dass liegt in der Natur der Sache, siehe oben Stichwort Kontext.
 
Erstes Zwischen Fazit, Charakter (Persönlichkeit) hat jeder Menschen, aber auch jeder Hund.
 
Oder anders, wenn wir Charakter (Persönlichkeit) haben, stellt sich die simple Frage wie viele?
 
Nun, da Charakter (Persönlichkeit) erworben/gelernt wird, auf genetisch Grundlagen basierend und konstante und flexible Anteile aufweist, liegt es offensichtlich, mal mehr oder mal weniger, in der Hand des Hundehalters, den Charakter (die Persönlichkeit) seines Hundes zu beeinflussen.
 
Eine Frage der Einstellung also, siehe Gerti und Trudel, oder Anja und das Bö, in welche Richtung die Hundehalter/innen im Umgang mit ihrem Hund tendieren, ist Geschmackssache und über Geschmack lässt sich nicht streiten.
 
Aber es lassen sich Gründe finden, die gute Argumente für das eine oder andere hervorbringen, ob es Sinnmacht, dass Hunde sich von Fremden führen lassen.
 
Z. B. der Hund, der vor einem Geschäft von einem Fremden ab geleint und entführt wird, da er ausnahmslos  mit jedem mitgeht usw.
Da ist es ein Segen, wenn der Hund eben nicht mit jedem mitgeht.
 
Nur mal eine Anmerkung zur Charakter- (Persönlichkeits-Frage) allgemeiner Natur, die sehr komplex ist.
 
Vor vielen Jahren, sind zwei befreundete Familien mit ihren Hunden gemeinsam spazieren gegangen, man kannte sich und die Hunde sehr gut.
 
Bei einem Besuch, war nur der heimische Hund (eine Dogge) anwesend und einer der befreundeten Familie, wollte alleine mit dem heimischen Hund mal um die Vierecken gehen, aber nach wenigen Minuten stand er wieder mit dem Hund vor der Tür. Was war geschähen?
 
Trotzdem er den Hund gut kannte und mit Hunden sehr gut umgehen konnte, er hatte Persönlichkeit, kam er nicht weit, die Dogge verweigerte sich und ging nach wenigen Metern keinen Schritt mehr weiter.
 
Lange Rede kurzer Sinn, das mit der Persönlichkeit ist ein schöner Gedanke, aber leider viel zu einfach gedacht, denn der Kontext ist mehr als die Summe seiner Teile.
 
Oder anders, Persönlichkeit kann positiv aber auch negativ besetzt sein, ebenso wie Respekt.
Worte wie Persönlichkeit, Respekt usw., sind Worte, erst im Kontext ergeben sie den Sinn und ihre entsprechende Bedeutung.
 
Worüber reden wir also?
lg hansgeorg
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#6
Ich würde gerne mal testen, ob z.B. Trudel mit mir mitgehen würde bzw. ob ich sie dazu bringen könnte.

Müritzhausen Einkaufsstraße, sie angebunden, ich gehe hin, binde sie los, nehme die Leine und gehe.

Und dann gleiche Situation mit dem Bö und Gerti.

Wäre doch mal hoch spannend, oder?

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#7
Das wäre schon spannend. Also ich würde nicht wollen, dass sich mein Hund von jedem x-beliebigen Menschen mitnehmen lässt.
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#8
Die Herrchen
Antworten
#9
Böte mir zu viel Gefahr, wenn der Hund mit jeder Person mitgeht, lieber an die Menschen, die er regelmäßig sieht und mit denen er geht gewöhnen und dafür sorgen, dass es einen begrenzten Personenkreis gibt, zu dem der Hund so engen Kontakt hat.
Dass er aber allen gegenüber die Grundregeln einhält, halte ich für sehr verständlich und auch problemlos machbar.
Antworten


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