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Thomas und Ina Baumann - mein erstes Seminar
#1
Auf vielfältigen Wunsch schreibe ich einen kleinen Abriss meines ersten Seminars bei Baumanns. Habe 2 Bücher von Thomas Baumann, lasen sich nicht schlecht, aber ich stolperte immer über den "Leinenruck".

Seit Jahren bin ich erklärter Gegner von Leinenrucken, weil ich sie bisher immer als Hilflosigkeit (auch bei mir selbst) empfunden habe.

Das Seminar war ein Trainerseminar und handelte nur vom Thema Leine.

Es begann auf einen Samstagabend mit einem Abendvortrag, den man auch abseits des Seminars besuchen konnte. Darin wurde zunächst pro und contra in Bezug auf Halsbänder und Geschirre diskutiert, die Hintergründe waren mit Physiotherapeuten abgestimmt, und es waren auch im Auditorium einige anwesend. Fazit: Es kommt immer auf den Hund und dessen Verhalten an, was in welcher Situation Sinn macht.

Sonntag wurden dann einige Trainerhunde als praktische Anschauungs"objekte" zunächst in der Theorie, dann aber auch in der Praxis vorgestellt.

Die Aufgabe des Hundeführers war, einmal in der Halle an langer Leine auf und ab zu schlendern. Danach sollte der Hund leinenführig mit dem Menschen durch einen ziemlich engen Slalom (kleine Hütchen auf dem Boden) gehen, und danach drei Achten um 2 Hütchen gehen.

Im Anschluss sollte der Slalom noch einmal gegangen werden, nur dass Thomas mit reizvollen Gegenständen wie Bällen, getrockneten Kauartikeln, rascheligen Futtertüten etc. um sich warf.

Es wurde alles gefilmt und dann im Anschluss im Seminarraum detailliert besprochen. Dazu kamen zunächst die Seminarteilnehmer zu Wort, um zu sagen, was ihnen aufgefallen war. Das lief sehr sachlich und gut ab.

Danach wurden die Filme analysiert, und im Anschluss kam es dann dazu, dass in der Praxis gezeigt wurde, wie man es besser bzw. richtig machen könnte.

Auch hier wurde jeder einzelne Hund individuell betrachtet, es wurde der Unterschied zwischen Leinenruck und Leinensignal gezeigt, jeder durfte einmal am Arm von Thomas trocken die Unterschiede heraus zuppeln, und dann sah man riesige Fortschritte bei den einzelnen Hunden.

Sehr interessant fand ich die Varianten des dualen Führens. Also Halsband/Halti, Gesschirr/Halti, Geschirr/Halsband, Halsband/Halsband, und auch eine gewisse Ritualisierung bei der Verwendung der Hilfsmittel. Das war etwas, das ich bisher unbewusst gemacht hatte, und wofür ich auch ein großes Lob bekam. Ich führe das Bö wenn Schlendern und Schleppleine angesagt ist, am Geschirr, und wenn ich möchte, dass er leinenführig neben mir geht, klicke ich ans Halsband.

Wobei ich nicht dual führe im Sinne von eine Leine am Geschirr und eine am Halsband. Ich mache eher dieses ritualisierte Ding.

Interessant war, wie wenig wir Trainer (mich eingeschlossen) in der Praxis mit dem eigenen Hund von dem Wissen, was letztlich vorhanden ist, umsetzen und nutzen.
Interessant war auch, wie gut die unterschiedlichsten Hunde auf die klare Kommunikation (schwarz/weiß) und auf die Langsamkeit und Ruhe reagierten, die in den Übungen dann gefordert wurde.

In der grundsätzlichen Kommunikation (Menge und Art des Feedbacks für den Hund und sein aktuelles Verhalten) fühlte ich mich extrem bestätigt. In der generellen Sichtweise in Bezug auf Kommunikation/Konditionierung aber auch Art und angepasster Intensität der Korrekturen, konnte ich mich sehr gut wieder finden.

Nicht jeder Hund wurde über einen Kamm ge"ruckt", sondern die Signale waren von sehr fein bis auch mal einem Rempler exakt angepasst. Ebenso die Art des Lobes. Eine Hündin wurde auch mit Futter verstärkt, was bei den anderen nicht passend gewesen wäre. Ein Hund wurde nicht mit zusätzlichen Reizen konfrontiert, weil schon die Basis ohne Reize nicht stimmig war.

Ausnahmslos ALLE Fragen wurden sehr kompetent und äußerst befriedigend beantwortet. Bewunderndswert fand ich die Feinheit der Kameraführung von Ina, die genau festhielt, worauf es ankam. Vielfach Dinge, die wir Trainer gar nicht gesehen hatten oder hätten.

Das Seminar fand großen Anklang, war das erste dieses Themas, die Location "Dog City Bremen" gefiel mir extrem gut, und das Miteinander der Trainer und auch der Seminarleiter war menschlich absolut einwandfrei.

Jederzeit wieder. Ich liebäugele auch mit einem 5-Tages Praktikum vor Ort in Baumanns Hundezentrum in Berlin.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#2
Danke Anja, dass du dir noch die Zeit genommen hast.

Leider schreibst du nichts über die Entschleunigung. traurig

Wenn ich geduldig warte, dann vielleicht nach deinem Aufenthalt am Meer? 191
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#3
@Anja: danke für die Zusammenfassung! freuen
Gruß
Norbert zwinkern
Jap, ich lebe meist in meiner eigenen Welt, es ist ok, die kennen mich da!
...wer die Musik nicht hört, hält den Tanzenden für wahnsinnig.
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#4
Sorry. Stehe unter Zeugs gegen Rücken, das wattiert ein Wenig die Hirnzellen...

Das Entschleunigungsthema war hauptsächlich in der praktischen Übung deutlich geworden, aber auch in einigen Aussagen im Vorfeld bei der Theorie.

In der Theorie wurde gesagt, dass die meisten Problemfälle, die ins Hundezentrum kommen, nicht wegen Unterforderung dort sind, sondern wegen Überbeschäftigung und Überaufmerksamkeit. Für die meisten nervösen Hunde wäre es am besten, wenn sie täglich 5-8 Stunden in Boxen oder angebunden bei ihrem Bettchen zur Ruhe gezwungen werden würden, um dann langsam und ruhig in Einheiten dazwischen geführt und beschäftigt zu werden. Nicht immer Power, Power, Power.

Bei der Übung war es so, dass alles unter totaler Entspannung, also erschlaffter Körperspannung und langsamer Gangart machen sollte. Gleichmäßiger Schritt, keine großen Emotionen, ruhige Kommunikation, weniger ist mehr.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#5
Danke und gute Besserung.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#6
So, dann bohre ich mal vorsichtig vor, um zu verstehen, wie diese Doppelführung gemeint ist.
Davon habe ich nämlich nicht die geringste Vorstellung. Also mit Halti schon, aber Geschirr/Halsband....
Wie wird das in der Praxis durchgeführt und welchen Zweck erfüllt das?
Abwechsend, so wie du es von dir in unterschiedlichen Bereichen beschreibst,
kann ich es nachvollziehen. Aber wie sieht die andere Variante aus?

Was du von der klaren Schwarz/Weiß Kommunikation schreibst, ist wohl das Gleiche, wie ich es von Fichtlmeiers Binärsystem kenne.
Jedenfalls liest es sich so.
Auch gibt es bei Fichtlmeier - gerade in der Leinenführigkeit - diese Ruheübungen. Er beschreibt es unter der "Schlagzeile":
An erster Stelle: Ruhe Das Ziel: Nachgiebigkeit fördern.

Oft scheitert das einfach an der Unsicherheit des Hundeführers.

Tja, und was die Ruhephasen für den Hund anbelangt, bin ich gerade selbst auf einem schweren Weg des Umdenkens.
Denn hier bin auch ich selbst das größte Problem. Smilie_girl_243
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#7
Das doppelte Führen bedeutet einfach, dass die Impulse nur an etwas gegeben werden, was der Hund noch wahrnimmt. Das andere dient zum Sichern und Leiten. Vorholen z.B. An dem zweiten Halsband wird nur genervt. Die Impulse sind dazu da, den Hund zu nerven.

Wir haben das im Unterricht mit Leinen an Handgelenken gemacht. Erst habe ich es falsch und richtig bei den Kunden gemacht, und dann sollten sie es bei mir tun. So bekam jeder einfach mal ein praktische Gefühl für das, was man dem Hund damit "antut". Es NERVTE einfach. Bei manchen Hunden z.B. ist der Hals vom Tierheim bereits völlig abgestumft. Denen kannste einen Autoreifen ans Halsband hängen, sie würden trotzdem ziehen. Wenn so einHund nun z.B. ein Kettenhalsband und ein normales Halsband umbekommt, dann kann man an einem sichern, und am anderen Signale geben, sobald unerwünschtes Verhalten auftritt.

Die Unsicherheit des Hundeführers sehen wir auch, und genau deshalb muss der Hundeführer Routine bekommen. Das versuchen wir momentan über gestellte Situationen auf dem Hundeplatz zu erreichen, um dann alsbald mit den Gruppen in die Stadt zu gehen, wo das dann vertieft und in Echtzeit angewandt werden kann. Da wird jeder sehen, wo er steht.

Ich war im Urlaub mit dem Bö froh an dieser Führmethode. Sie hat sich bewährt. Und jeden Tag im Alltag aufs Neue.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#8
also...ich nutze ja keine doppelführung aber das prinzip des "zuppelns" was ja nur ein signal ist nutze ich nun schon seit 17 jahren. was ist jetzt das neue daran ? kopfkratz

hab ich damals schon von meinem hundetrainer gelernt. hunde stumpfen ja bzw. werden durch ihre halter regelrecht abgestumpft so das sie nicht mal mehr einen stachelwürger mit stacheln nach innen wahrnehmen. sie sind dann regelrecht signaltot am halsband. eine weile am geschirr geführt und dann neu angesetzt und die signalisierung funzt wieder.

hier mal ein video, nach 15 min. training...
vorher hätte dieser hund dir den arm ausgerissen und das ist keine übertreibung zwinkern

es ist ja nicht mein hund nur wenn ich mit einem hund spazieren gehe möchte ich nicht danach einen termin beim meinem arzt machen müssen um den arm wieder einrenken zu lassen. ergo muss man die leinenführigkeit herstellen wenn sie nicht vorhanden ist denn sonst möchte man einen solchen hund nach 30 min. nur noch erschiessen...
da dies ja keine option ist muss man andere optionen ziehen.

leider kennen und können zu wenige diese option lachen



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#9
Ich habe nicht gesagt, dass das Prinzip neu ist, ICH habe nur in all den Jahren zuvor noch niemanden gefunden, der MIR den Sinn an mir selbst (Handgelenk) gezeigt hat, und sein eigenes Handgelenk zur Verfügung stellte, um es richtig zu trainieren. Ich sah immer nur hilfloses Gerucke, und dass das nix bringt, da sind wir uns ja wohl einig.

Ist doch großartig, wenn Du schon vor so langer Zeit jemanden fandest, der Dir damit den Weg wies!

Schade, dass man auf dem Video nur das Ergebnis, aber nicht das Training selbst sieht. Das bringt mir jetzt relativ wenig.

Interessant ist, wie sich meine Gruppen seit einigen Wochen durch die Trainingsmodifikationen verändert haben. Das ist der Knaller. Man lernt einfach nie aus.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#10
In der Sendung gestern Abend hat auch Martin Rütter die Doppelführung angewendet. Er machte das mit Geschirr und Halsband
bei einem gehörlosen Hund,
der durch jahrelangen, falschen Haltieinsatz "versaut" war.

Anja, übst du das mit deinen Kunden schon bei Welpen und Junghunden oder nur bei Hunden, die schon diese Abstumpfung zeigen?
Und was verstehst du unter einem Kettenhalsband?
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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