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Schutzhundeausbildung
#31
(23.09.2013, 17:45)Gerti schrieb: ...

Hat ein Hund bei der Schutzarbeit positiven oder negativen Stress?

Oder ist das gar von Hund zu Hund verschieden? Hängt es wirklich mit der Ausbildungsmethode zusammen?
Und dann schließt sich meine 2., ebenso naive Frage an:
Kann es auf Dauer oder bei häufigem Vorkommen gesund sein, einen lang anhaltend, hohen Kortisolpegel zu haben?

Wie unterscheidet sich der Stress eines Hundes im Schutzdienst von dem eines anderen, der bspw. einen Agility Parcour läuft?

Sorry, alles Dinge, die mir nicht ganz klar sind.


Es gibt Untersuchung hierzu, sowohl am Menschen als auch am Tier, wobei sich die Ergebnisse nicht grossartig unterscheiden

Beim Menschen wird es als selbstverständlich angesehen, das dauerhafter Stress krank machen kann. Positiver und negativer. Rein stoffwechselmässig ist das nämlich fast egal.
Bei Kampfjetpiloten gab es sehr lange Studien, auch nachdem diese aus dem Dienst ausgeschieden sind. Der Begriff "Adrenalinjunkie" dürfte jedem bekannt sein. Die Langzeitfolgen sind unglaublich.
Okay. Nicht jeder der ein aufregendes Leben hat, ist ein Adrenalinjunkie. Aber jeder, der süchtig nach Stress ist, gefährdet sein Gesundheit. Einmal ganz direkt und einmal, weil er im Stress bereit ist über Grenzen zu gehen. Grenzen, die biologisch Sinn machen.

Die Hundezucht im Bereich der Gebrauchshunde finde ich da teilweise grenzwertig. Nur ein Beispiel aus dem echten Leben: mein Rüde Glen sprang bei der täglichen Arbeit an der Herde über einen Zaun. Erst 3 Stunden später - er arbeitete einfach weiter- fiel mir das Blut zwischen seinen Beinen auf. Er hatte sich einen Hoden abgerissen und einfach weitergemacht. Warum er das nicht gefühlt hat? Das erklärt Hansgeorg weiter oben. Meinen Hund Luke musste ich in jungen Jahren bei der Arbeit ständig genau beobachten. Weil er so unter Stress stand, das er es nicht merkte, das er nicht mehr konnte. Und einfach kollabierte.

Ich bin dagegen Tiere/ Hunde oder andere Lebewesen so unter Stress zu stellen, das biologisch sinnvolle Grenzen überschritten werden.

Bei Hütehunden / Jagdhunden/ Rettungshunden - Hund, die für einen echte Zweck gebraucht werden, macht es ja wenigstens noch für den Menschen in gewissermassen Sinn. Ist schon schön, wenn der Hund obwohl er gerade nicht mehr kann, trotzdem noch die Herde von den Bahngleisen holt. oder so. Aber im Hobbybereich? Aus Spaß für mich?

Jetzt bin ich ein wenig abgeschwiffen - sorry traurig....

Persönlich kenne ich nur sehr sehr wenig Schutzhunde, denen ich im Alltag oder als Tierarzt gerne begegnet bin. Ohne Maulkorb. Generell kenne ich auch wenig Hunde, die speziell hierfür gezüchtet wurden, denen ich im Alltag ohne Sicherung gerne begegne.

Na ja, vielleicht bin ich nicht wirklich objektiv....
Fliege
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#32
Vielen Dank Fliege für deine verständlichen Ausführungen.


(23.09.2013, 19:41)Fliege schrieb: Ich bin dagegen Tiere/ Hunde oder andere Lebewesen so unter Stress zu stellen, das biologisch sinnvolle Grenzen überschritten werden.

Nur, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen:
Bezieht sich diese Aussage auch auf den Schutzdienst?
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#33
Ich bin kein Schutzdienstspezialist. Habe mich vor 15 Jahren in der Szene ein wenig umgeschaut, ausprobiert, zugeguckt und festgestellt, das ich da nicht mitgehen will. Aus meinem Blickwinkel bezieht sich das auch auf einen Teil der Schutzdienstes. Sicherlich nicht bei allen.
Da Hunde sich nicht von alleine dem Stress einer Ausbildung aussetzen, muss ich als Mensch die Verantwortung tragen, was ich jedem Hund zumuten kann und darf. Das kann bei dem einen mehr sein oder was anderes als bei dem anderen, denke ich. Wenn ich mir anschaue, was der "Schimpansenschutzdienst" bei der Mehrzahl der mir bekannten so ausgebildeten Hunde anrichtet, wie deren Leben daraufhinausgerichtet wird ...finde ich das tierschutzrelevant und nicht artgerecht.
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#34
Auch von mir vielen Dank an Fliege.

Bei den "Kampfhunden" wird das Gameness genannt und war/ist teilweise Zuchtziel. Die kämpfen auch noch weiter, wenn ihnen ein Bein fehlt. Oder zwei. Mich erinnert das an "Ritter der Kokosnuss", und ich finde es abartig.

Auch finde ich das extreme Hochfahren und das Junkietum (nach der Ball- oder Ärmelbestätigung) beim Schutzhundeaufbau unschön. ICH würde so etwas mit meinem Hund nicht machen wollen. Nicht auf diesem Level.

Die Tierärzte der Hovis aus meinem Umfeld, die Schutzdienst machen, müssten sich eher vor Sabber beim Schmusen schützen, als vor den Zähnen zwinkern . Aber ich habe durchaus auch schon Schutzhunde getroffen, denen ich nicht von 12 bis Mittag traue.

Was ich ganz schade finde, was aber sehr weit verbreitet ist, die Sporthunde einfach nicht zu erziehen, sondern nur auzubilden. Sie dürfen im Alltag irgendwie alles, aber auf dem Platz müssen sie funktionieren wie eine Maschine. DAS ist alles nicht meine Welt.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#35
Nenn es Gameness, triebstark, keen oder wie auch immer.

Das, was wir da den Hunden angezüchtet haben, ist nicht gut. Der Mensch ist und bleibt kein guter Selektionsfaktor.

Ich mag die Hunde, die zuverlässig arbeiten ohne in Triebbereich "gedreht" zu werden, in dem Vernunft nicht mehr existiert. Solche Hunde stürzen als Hütehund die Klippen in Schottland herab, lassen sich vom Helfer bewusstlos prügeln oder beissen sich tot.

Meine kleine Aussiehündin Fly war vor 16 Jahre mit mir bei einer Ankörung der Hovawarte dabei. Damals wurde der "Wehrtrieb", der angeborene zwinkern getestet. Dafür wurde der Hund auf den Platz gebracht, von einem gepolsterten Helfer bedroht und geguckt ob er dann schön beisst. Weil sie ein wenig Mitleid mit meinem kleinen Hund hatten, riefen sich mich zum Abschluss auch auf den Platz. ICh war noch jünger zwinkern zwinkern und habe mich überreden lassen. Sie bedrohten Klein-Fly- Fly sagte: "Idiot" und ging. Das machte den Helfer schadensfroh und er lachte sie und mich aus. Fing an mir echt auf die Nerven zu gehen und wurde dann auch körperlich. tja....Fly und ich hatten danach Platzverbot. Sie ist mit ihren 12 kg dem MAnn von hinten in den Nacken gesprungen. Blind in einen stärkeren Gegner zu springen, entbehrt für mich jeglicher Vernunft.

Sich um einen doofes Stück Ärmelstoff mit einem Fremden zu streiten und sei es nur zum Schein Schläge dafür zu erhalten, ebenso.

Mal davon abgesehen, das ich Verhaltensmuster übe, die ich Alltag nie und nimmer haben möchte. Menschen ankläffen. Sei es nur um ihn "zum Spielen" aufzufordern oder es "ernst zu meinen". Dürfen meine Hunde nicht. Etwas hetzten. Dürfen meine nicht. Sich in etwas verbeissen und ordentlich festzuhalten. Dürfen meine nicht....

Durch ständiges Wiederholen werden bestimmte nervale Verknüpfungen zu Autobahnen umgebaut. Ich habe diese lieber als kleine Schleichpfade wenn überhaupt. Und schon gar nicht habe ich diese so gut ausgebaut, das der Hund alleine auf sie abbiegt, weil sie sich so bequem und ohne zu denken laufen...
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#36
Sie haben die Körungsstatuten GsD verändert. Und das ist auch gut so!

Bis auf den letzten Satz bin ich ganz bei Dir, Fliege! Mein Hund streitet sich auch mit mir um ein blödes Bällchen, um ein Stöckchen, oder um eine kaputte Luftmatratze. Und wir haben einen riesen Spaß dabei.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#37
Woran siehst du denn , das er Spaß hat? Und was ist das? Was passiert dabei mit ihm? Ich merke, das ich da häufig anders empfinde als andere und viele Aktionen, die andere als Spaß empfinden anders wahrnehme.
Bin ja gar nicht dagegen mit seinem Hund zu spielen. Aber auch Spiel hat ja biologisch gesehen selten nur Spass haben als Sinn...

war das ein Satz? Oh je, ...Bettchen zwinkern
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#38
(23.09.2013, 20:48)Anja schrieb: Sie haben die Körungsstatuten GsD verändert. Und das ist auch gut so!

Seit wann wird bei der Hauptkörung der Wehrtrieb nicht mehr geprüft? Das wäre mir jetzt echt neu.

Ich kann mich Fliege ausnahmslos anschließen. Der letzte Satz war zwar etwas verquer, aber durchaus verständlich. lachen

Noch mal gewisse Punkte zu wiederholen, weil sie exakt meine Meinung treffen, erspare ich mir und allen anderen.

Nur so viel: Ich habe in der Vergangenheit alles getan, um Trudel auch diese Schleichwege zu verbauen,
weil sie mir zu riskant erschienen. Ich bleibe dabei, ich will meinem Hund nicht antrainieren,
wie er gezielt beißt und im Zweifelsfalle auch beschädigt. Das, was er im Ernstfall von selbst auspacken könnte, würde voll und ganz genügen.

Wozu also der Rest? Ich werd`s wohl nie verstehen.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#39
Habe hier noch einen Artikel.

Finde es einfach selbst interessant, die unterschiedlichsten Ansichten zu lesen.

Ja, das Spaß haben bei Hunden ist immer relativ. Letztlich sind sie meist in Funktionskreisen, die aus ernsten Themen kommen.

Ich nehme das alles vermutlich eher locker, weil ich nicht davon ausgehe, mir einen Problemhund heran zu ziehen.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#40
Den Artikel finde ich ehrlich gesagt so gar nicht aussagekräftig. Da wird nicht genauer hinterleuchtet, sondern nur Aussagen ohne Fundament oder Begründung in den Raum gestellt. Als Fakt.
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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