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Schutzhundeausbildung
#11
Eigentlich wollte ich hierzu nichts schreiben, da ich inzwischen der festen Überzeugung bin, dass dieses Thema so stark polarisiert, dass man mit sachlichen Argumenten nicht gehört wird. Mir geht es nicht darum, irgendjemanden hier zum Schutzhundesportfan zu bekehren. Wer dieses Thema nicht mag, der muss es nicht mögen. Ich mag auch nicht alle Hundebeschäftigungsarten.

Der Fernsehbeitrag gefällt mir nicht. Und ich finde ihn nicht sachlich. Nur weil ein großer Name zitiert wird, wird er nicht objektiver.

Was mich stört, ist der Umstand, dass eine sogenannte zivile Ausbildung für Diensthunde mit der sportlichen Arbeit gleichgesetzt wird und als "Scharfmachen" bezeichnet wird.

Kritikpunkte sehe ich jedoch am klassichen Vereinsschutzdienst mindestens genauso viele, wie Ihr bzw. der Bericht sie zeigt. Das liegt aber nicht an der Schutzdienstarbeit schlechthin, sondern an denen, die mit falschen Motivationen in diese Arbeit gehen.

Viele Jahre Beobachtung und Studium der Szene, viele Gespräche mit vielen verschiedenen Schutzdienstmenschen brachten mich zu folgendem Ergebnis:

Ja, es gibt ihn, den "guten Schutzdienst", der aber z.B. von Hans Georg an anderer Stelle als bescheuertes Pillepalle abgetan wurde. Dabei wird der Hund ausschließlich auf den Jute-Ärmel konditioniert, und wenn dieser fehlt, wird auch nicht gebissen. Der Aufbau erfolgt langsam und spielerisch. Dieser Schutzdienst wird von Menschen betrieben, die für ihre Hunde auch noch andere Beschäftigungsmöglichkeiten sehen, die nichts mit einer IPO zu tun haben, und die nicht an Pokalen interessiert sind.

Und dann gibt es all jene, für die Hundesport und Auslastung ausschließlich Unterordnung, Schutzdienst und Fährte bedeuten. Hunde, die völlig anders gehalten werden, Hunde, die von klein auf wenig bis gar keine Sozialkontakte haben, Hunde, die nur ihre Zwingeranlage und den Hundeplatz kennen. Und das sind sehr oft eben Hunde, die zur Zucht verwendet werden sollen.

Hunde aus so genannter Leistungszucht verkaufen sich besser. Im Gebrauchshundebereich bedeutet das, dass die Elterntiere eines Wurfes beide die IPO1 haben müssen, also die erste Schutzdienstprüfung. Und hier setzt dann das Problem an. In vielen Gebrauchshundekreisen wird auf Erziehung keinen Wert gelegt, die Hunde sollen Prüfungstauglich werden. So wachsen sie oft bis zu einem Jahr einfach heran, und dann wird innerhalb von wenigen Monaten das in sie herein geprügelt, was sie in einer Prüfung in Perfektion zu zeigen haben. "Trieb", Drill, Unterordnung.

Viele dieser Hunde haben nur diese Schutzdienstwelt. Sie kennen keine Wälder, kein Familienleben, keine Schmuseeinheiten, kein soziales Miteinander. Sie sollen Pokale bringen und vor allem eins: Geld.

Würde man mit diesen Hunden von klein auf sinnig arbeiten, würde man sie so aufbauen, dass sie zwar ihre Arbeit machen, aber immer ansprechbar bleiben, würde man relativ lange brauchen, um ans Ziel zu kommen, und man hätte nicht das Bild, was die Richter sehen wollen. Einen "triebigen" Hund.

Um "oben" mitzulaufen braucht es diesen Trieb, es braucht die Schmerzreize, um den Hund noch zu erreichen, und bei vielen Hunden braucht es leider auch die Schmerzreize, um sie überhaupt zum Beißen zu bringen. Da schafft sich ein Mensch einen vielversprechenden Welpen an, will mit dem züchten, und dann merkt er mit der Zeit, dass der gar keinen Bock auf Schutzdienst hat. Tja, dann wird er eben zu seinem "Glück" gezwungen, irgendwann beißt vermutlich fast jeder Hund, wenn man ihm lange genug zusetzt.

Nur zwischen den verschiedenen Herangehensweisen, die ich hier nun beschrieben habe, liegen Welten. Und diese Welten wurden seitens des TV-Beitrages noch nicht mal im Ansatz heraus gearbeitet. Hier hat jemand noch nicht mal 3% recherchiert, aber mal einen bekannten Namen als Gegendarstellung und Pseudofaktenschaffer aufgeführt. Das ist für mich wie die norddeutsche Unsitte, nach einer eigenen Aussage noch "isso" hinter den Satz zu hängen, als würde es dadurch wahrer.

Mich würde interessieren, wie viel Prozent in Deutschland auf den Gebrauchshundeplätzen "guter" Schutzdienst gemacht wird, und wieviel tier- und menschenschutzrelevant ist. Es pauschal zu verbieten wird nichts bringen. Es muss Aufklärung her, die Generationen müssen wechseln, neue, gut ausgebildete Trainer und Helfer müssen nachrücken.

Dieser Prozess hat in den Gebrauchshundevereinen schon begonnen, wird aber genauso lange brauchen, wie alles, was eine lange Tradition hat.

Ich frage mich auch, wie viele Hunde prozentual Menschen verletzen, weil sie schlicht nicht erzogen sind, aber noch nie im Schutzdienst geführt wurden, und wie viele "ausgebildete" Schutzhunde es wirklich sind, die wie im Film beschrieben zupacken.

Leider fragen viele, die diesen "Sport" machen wollen, nicht danach, ob ihr Hund sich dazu eignet. Sie hinterfragen nicht die Methoden, sie mache einfach, was ein sogenannter Ausbilder ihnen sagt.

Aber mir habt Ihr diesen Stempel ja auch schon aufgedrückt. Ich bin ja in Euren Augen auch nicht in der Lage, zu sehen, was ich tue, geschweige denn die Folgen für meinen Hund abschätzen zu können...
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#12
Moin Anja,
wie gut rechachiert wurde, kann ich nicht beurteilen, nur wurde ziemlich deutlich rübergebracht, wie extrem gering die Kommunikationsbereitschaft der Schutzhunde"sportler" war.
Wenn ich in einem Sport voll aufgehe, hätte ich keine Probleme den nach außen hin zu vertreten. Bzw. hätte interesse daran, den in's rechte Licht zu rücken, wenn meiner Meinung nach viele falsche Argumente im Umlauf sind. Quasi genau das, was du jetzt machst. zwinkern
Nur nachvollziehen kann ichs leider immer noch nicht. Vermutlich ist das in Textform auch unmöglich.
Gruß
Norbert zwinkern
Jap, ich lebe meist in meiner eigenen Welt, es ist ok, die kennen mich da!
...wer die Musik nicht hört, hält den Tanzenden für wahnsinnig.
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#13
sorry fürs editieren:
Habe mal meinen Text entfernt, da er sicher nicht so verstanden worden wäre, wie es gemeint war und ich möchte kein Öl ins Feuer gießen.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#14
Vielleicht schaffst Du es ja, Thomas, Deine Gedanken neu zu formulieren und auf der persönlichen Ebene neutral zu halten.

Wenn Dein editierter Text ein weiteres Mal dazu angetreten war, mich als ahnungslosen Deppen hin zu stellen, dann bin ich jedoch froh, dass Du editiert hast. Dass Hans Georg ausschließlich mit dieser Motivation gegen mich antritt, bin ich ja gewöhnt, nur von Deiner Seite kenne ich aus der Vergangenheit eine fairere Kommunikation.

Diese ständigen Andeutungen, permanent gackern ohne zu legen... ich weiß so langsam nicht mehr, was ich davon halten soll.
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#15
(30.06.2013, 00:30)kamalii schrieb: ...Warum ist es gut das ein Hund so hochgefahren wird,...

Das Video konnte ich leider nicht sehen. Die einzige Antwort zu deiner kompletten Frage, die mir einfällt, wäre, um das Verhalten unter Kontrolle zu bringen, da der Hund dies von alleine zeigt. Oder weil man es mag.

Ansonsten beginnt bei mir das grosse Fragezeichen schon im Anfangsteil deiner Frage freuen
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#16
Habe ja schon durchblicken lassen, dass ich Baumann-Fan bin seit meinem Seminar. Möchte Euch gerne mal einen Artikel von ihm zum Thema Schutzdienst verlinken, der im Grunde exakt das ausdrückt, was ich denke.

Artikel

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#17
oh der artikel ist gut Daumen hoch
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#18
Ich kann mich da eigentlich nur Udo Gansloßer anschließen.

Was aber wohl nicht überrascht, da mittlerweile klar sein sollte, dass ich Schutzarbeit im privaten Bereich in jedweder Form ablehne.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#19
Ich lehne das da ab.

Bis heute weiß ich nicht, was in einer Prüfungsordnung für die BH oder die IPO 1 genau drin steht. Weil es mich einfach nicht interessiert. Ich habe Spaß an dem Weg zu einzelnen Sequenzen der Schutzdienstarbeit. Ob und wann ich je eine Prüfung gehen werde... keine Ahnung.

Der menschliche Ehrgeiz ist es, der mich abstößt, und das einzige Argument, das mich verstehen lässt, warum eine grundsätzliche Ablehnung dieses Sports ausgesprochen wird. Davon nehme ich mich aus, da ich keinen sportlichen Ehrgeiz kenne. Somit schutzeln wir weiter fröhlich vor uns hin, das Bö und ich. freuen

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#20
(22.09.2013, 00:23)Anja schrieb: Ich lehne das da ab.

das trifft ja dann das anja...

Zitat:dass das Skalpell in der Hand eines Chirurgen unbedenklich und effektiv, in der Hand eines Schimpansen aber gefährlich sei.

und es sind ja die schimpansen die in jedem hundesport den es gibt auffallen und ihn durch ihr handeln einen hundesport in ein negatives licht rücken...

dieses zitat kann man auch auf die hundezucht ausweiten, auch da passt er bestens. den hier fängt ja der ganze grundstein der geschichte ja schon an kopfkratz


also für mich bedeutet das man muss nicht gegen einen hundesport, wie hier den schutzhundesport stehen, sondern man muss und hier denke ich ist die gesamte hundehalterscharr gefragt, man muss gegen die schimpansen im hundesport stehen...
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