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Schutzhundeausbildung
#51
fragt sich ob der Kampf um eine Beute, der Frust davor nicht extrem genug sind an Emotion...

vielleicht antwortet mal einer der Profis? freuen
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#52
Habe gestern noch mal ein intensives Gespräch mit meinem Helfer geführt. Habe ihm noch mal erklärt, wie ich das ganze Thema angehen möchte. Kennt Ihr diese kleinen Männchen, die man an 2 Schnüren, die oben verbunden sind, durch einmal links und einmal rechts zuppeln nach oben steigen lassen kann? Klettermaxe heißen die, es ist ein Kinderspielzeug. So wünsche ich mir die Arbeit im Schutzdienst mit meinem Hund. Ich möchte, dass wir diese Arbeit gemeinsam machen, und möglichst immer in Verbindung stehen.

Was den Frust angeht, so haben wir gestern mit Coffie das Spiel mit dem Ärmel und dem Helfer noch einmal analysiert. Schön fand ich die Erklärung und das Beobachten (ich führte den Hund nicht, sondern schaute zu), wie und dass Coffie zu denken hat. Und zwar nicht zu knapp. Das erfordert Höchstleistung und viel Feingefühl und Wissen des Helfers. Hast Du einen Grobmotoriker, kann es nichts werden.

Es lief so ab, dass Coffie Dinge anbieten sollte, die erwünscht sind. Ging es in die richtige Richtung, kam der Ärmel näher und machte Action. Ging es in die falsche Richtung, ging der Ärmel wieder außer Reichweiter und wurde passiv. War eine Aktion von Coffie super, durfte die Beute gemacht werden. Hielt er gut und richtig, blieb sie in seinem Fang. Ließ er ab, verschwand die Beute wieder aus seiner Reichweite, und er durfte erneut das anbieten, was dazu führt, dass er sie bekommt. Ich konnte das kleine schwarze Köpfchen rauchen sehen, und ich konnte den Stolz sehen, wenn er sich den Ärmel erarbeitet hatte.

Sinnlosen Frust aufzubauen, der den Hund in ein Stadium bringt, in dem er nicht mehr denkt, halte ich für nicht gut. Den Hund in eine Motivationslage zu bringen, dass er noch denken und lernen kann, halte ich nicht für verwerflich.

Wenn ich clickere und z.B. Futter in Aussicht stelle, schaffe ich ja eine ähnliche Situation. Auch da gibt es Hunde, die nicht mehr denken können, weil sie so auf das Futter fixiert sind, dass die emotionale Situation völlig übersteuert ist. Ebenso betrachte ich die Unterordnung, die auf vielen Gebrauchshundeplätzen rein über die Gier nach dem Spielzeug aufgebaut wird. Da sehe ich viele Hunde, die unter so einer enormen Spannung stehen, dass sie aus meiner Sicht nicht mehr denken können. An dieser Stelle wird dann über Schmerzreize gegengeregelt, um den Hund überhaupt noch ansprechen zu können. Das sind die Fälle, die ich für mich völlig ablehne.

Daher mein Beispiel mit dem Klettermännchen. Wir arbeiten uns langsam und gleichmäßig von unten nach oben. Ansprechbarkeit und Denkfähigkeit als oberstes Gesetz. Ich WILL nicht einwirken müssen, ich WILL keine Grenzen überschreiten, die dies nötig machen würden. Vorher würde ich aufhören damit.

Ich habe die Zusage des Helfers, mich auf meinem Weg begleiten zu wollen, auch wenn ich weiß, dass er Zweifel daran hat, dass wir so zum Erfolg kommen. Mit Erfolg meint er "schönen Schutzdienst". Auch das habe ich hinterfragt. Die Richter wollen "triebige" Hunde sehen. Aus meiner Sicht Hunde, deren Dampfventil ständig kurz vor dem Wegfliegen ist. DAS ist für mich nicht schön, und das strebe ich auch nicht an. Da pfeife ich auf Prüfung und Punkte, was ich generell tue, aber insgeheim hege ich den Wunsch, es eben genau auf meine Weise doch zu schaffen, zu zeigen, dass es so eben doch geht. Und war auch "schön"!

Die ganze Kritik und die Bedenken, die ich hier lese, helfen mir sehr, noch genauer hinzusehen, noch mehr auf meinen Bauch zu hören, noch mehr Fragen zu stellen, noch vorsichtiger zu sein. Ich danke Euch dafür.

Gestern schien uns jedenfalls die Sonne aus dem Allerwertesten, als wir den Platz verließen. Tolle Gespräche, tolle Demonstrationen, tolle Ergebnisse. Toller Helfer! Und ich fürchte, dieser Mensch hat einen großen Seltenheitswert in der Szene...

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#53
(30.09.2013, 09:22)Anja schrieb: Es lief so ab, dass Coffie Dinge anbieten sollte, die erwünscht sind. Ging es in die richtige Richtung, kam der Ärmel näher und machte Action. Ging es in die falsche Richtung, ging der Ärmel wieder außer Reichweiter und wurde passiv. War eine Aktion von Coffie super, durfte die Beute gemacht werden. Hielt er gut und richtig, blieb sie in seinem Fang. Ließ er ab, verschwand die Beute wieder aus seiner Reichweite, und er durfte erneut das anbieten, was dazu führt, dass er sie bekommt. Ich konnte das kleine schwarze Köpfchen rauchen sehen, und ich konnte den Stolz sehen, wenn er sich den Ärmel erarbeitet hatte.

Davon haette ich gerne ein Video gesehen oder bei der Erklaerung bei gewohnt.
Kathi, Lu und Pai
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#54
Moin Anja,
hm, egal wie schonend diese Sportart betrieben wird, kann ich mir nicht vorstellen, diese zu betreiben, auch nicht mit dem "passenden Hund". Du schreibst selbst viel von "Altlasten" in diesem Sport & auch das viel schief gehen kann, wenn man keinen kompetenten Helfer hat.
Aber weiß man das nicht erst hinterher im "Ernstfall", ob das training wirklich gut war?

Was ist mit dem was Birte geschrieben hatte? Mit den entstehenden "Autobahnen im Gehrin"? Kann es dienlich sein, diese zu fördern? In den Ärmel wird ja immer gebissen... Auch wenn man meint, die "Fäden in der Hand" zu behalten?

kopfkratz
Gruß
Norbert zwinkern
Jap, ich lebe meist in meiner eigenen Welt, es ist ok, die kennen mich da!
...wer die Musik nicht hört, hält den Tanzenden für wahnsinnig.
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#55
Ich habe kein Problem damit, wenn mein Hund in einen Jute-Ärmel beißt. Wer damit ein Problem hat, weil er immer den Menschen sieht, in den der Hund "reinbeißt", der darf einen solchen Sport nicht machen.

Aus meiner Sicht ist es wie mit vielem, das man missbrauchen kann, um zu schaden. Es nützt nix, es zu verbieten, es nützt was, aufzuklären.

Die Peta-Veröffentlichung führt z.B. im Moment in der Hundeszene dazu, dass sich alle Welt mal wieder intensiver mit dem Thema Teleimpulsgerät auseinander setzt. Auch ich habe dadurch eine Menge gelernt, was ich zuvor nicht wusste. Ich hatte eine völlig falsche Vorstellung von diesen Geräten und ihrer Wirkung. Für mich war das immer nur Strom, aua, Punkt. Dass dies falsch ist, habe ich erst durch intensive Diskussionen heraus bekommen.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#56
Hi Anja,
hoffe du hast mich richtig verstanden. Mein Problem mit dem Schutzdienst ist nicht, das der Ärmel am Menschen ist.

LG, Fliege
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#57
Moin Anja,
glaub du hast nicht verstanden was ich meinte... und ich weiß auch nicht wie ichs anders formulieren kann... mit Ernstfall meine ich eben nicht den Juteärmel, sondern der allgemeine Beißvorgang - wenn man das so nennen kann. kopfkratz
Gruß
Norbert zwinkern
Jap, ich lebe meist in meiner eigenen Welt, es ist ok, die kennen mich da!
...wer die Musik nicht hört, hält den Tanzenden für wahnsinnig.
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#58
(02.10.2013, 14:55)Anja schrieb: Die Peta-Veröffentlichung führt z.B. im Moment in der Hundeszene dazu, dass sich alle Welt mal wieder intensiver mit dem Thema Teleimpulsgerät auseinander setzt. Auch ich habe dadurch eine Menge gelernt, was ich zuvor nicht wusste. Ich hatte eine völlig falsche Vorstellung von diesen Geräten und ihrer Wirkung. Für mich war das immer nur Strom, aua, Punkt. Dass dies falsch ist, habe ich erst durch intensive Diskussionen heraus bekommen.

LG Anja


Ich habe da mal zwei Fragen zu:

Was ist jetzt neu für Dich?

Und was ist jetzt richtig?
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#59
Norbert hatte ich immer so verstanden, dass es allgemein ums Beißen in Bezug auf einen Menschen geht. Denn beißen tut Dein Hund im Spiel ja auch. Ins Bällchen, ins Stöckchen...

Fliege hatte ich so verstanden, dass sie Bedenken hat, dass die emotionale Lage des Hundes eine breite Schneise ins Gehirn fräst, die falsch angelegt oder abgelegt sein könnte, und dadurch auch im Alltag versehentlich abrufbar wird.

@ Omi: Neu ist für mich, dass man mit Leinengereiße weitaus mehr Tierquälerei betreiben KANN als mit einem gut angewendeten TIG. Richtig ist, dass das, was beim Hund in niedrigster Stufe ankommen kann, weit weniger ist, als wenn ich ihn mit der Hand anticke.

Für mich gab es bisher immer nur den Gedanken, dass damit eingewirkt wird, um quasi Todesangst zu erzeugen, damit das in dem augenblick gezeigte Verhalten nicht mehr gezeigt wird, wie z.B. Jagdverhalten, oder um einen super hoch im "Trieb" stehenden Sporthund wieder ansprechbar zu machen.

Dass man das Ding wie eine Art Clicker einsetzen kann, war mir nicht bewusst. Hab mich nie damit beschäftigt. Verurteilt und fertig.

Bevor jetzt jemand falsche Schlüsse zieht, ich ziehe nicht in Erwägung, damit zu arbeiten, ich habe mich nur anhand der Peta-Geschichte mit Menschen ausgetauscht, die mehr darüber wissen als ich.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#60
(02.10.2013, 23:08)Anja schrieb: @ Omi: Neu ist für mich, dass man mit Leinengereiße weitaus mehr Tierquälerei betreiben KANN als mit einem gut angewendeten TIG. Richtig ist, dass das, was beim Hund in niedrigster Stufe ankommen kann, weit weniger ist, als wenn ich ihn mit der Hand anticke.

LG Anja


Von Natur aus bin ich ein sehr neugieriger, aber auch gleichzeitig sehr kritischer Mensch und habe mir, nach dem mir auch ähnliche Erklärungen versucht wurden unterzujubeln, das Teil am Handgelenk befestigt.

Mein Mann sollte dann, ohne Vorankündigung per Fernbedienung, mir auf niedrigster Stufe beginnend, diese "harmlosen" elektro Stöße zufügen.

Wir sind nicht über die kleinste Stufe hinaus gekommen. Smilie_girl_243


Ich gebe Dir insoweit recht, dass man niemals etwas vorverurteilen sollte.


Weiterhin gebe ich zu bedenken, dass der Hund, jeglicher Chance beraubt wird, selbst zu lernen.

Man bedenke das Gewicht des Sensors am Hals und die Fähigkeit des Hundes zu unterscheiden.
Antworten




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