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Schutzhundeausbildung
#41
Ich denke auch, diesen Artikel hätte fast jeder schreiben können. Überzeugungsarbeit wird damit nicht geleistet.

Einen Satz aber fand ich höchst interessant und geeignet, ins Grübeln zu kommen. (falls man bislang noch nicht im Grübelmodus war):


Im Schutzhundesport lernt der Vierbeiner, seine Triebe hervorragend zu beherrschen.

Triebe, die man aber vorher erst so richtig schön geschürt und ausgebildet hat?
Triebe, die ich, wenn sie beim Welpen oder Junghund im Ansatz gezeigt werden, mit oft geringen Mitteln
in gewünschte Bahnen lenken kann?

Und bitte, wer entscheidet, ob ein Hund geeignet ist? Ob er ein Nervenbündel ist?

Ein Bekannter von mir (Hovawartbesitzer und Schutzdienstler, der von sich behauptet, auch auf neuen Pfaden zu wandeln),
fing vor Jahren mit Trudel mal ein Zerrspiel an. Er schaffte es sie aber so richtig hoch zu puschen und wie sie es von mir schon als Welpe gelernt hatte,
ließ sie auf Signal aus, um dann auf Signal gleich wieder loszulegen.
Er war begeistert und meinte, sie sei wunderbar "griffig" und ideal für diese Arbeit.
Tja, was Trudel aber in Wirklichkeit ist, weiß hier im Forum mittlerweile jeder.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#42
Ich sehe Schwierigkeiten bei "alten Hasen", die auf "neue Pfade" gehen. Was bei den alten Hasen oft fehlt, ist ganz viel Wissen. Und was sie geprägt hat, sind Gewohnheiten, die tief verwurzelt sind. Oftmals fallen sie von einem Extrem ins Andere. Oder sie benutzen einen Clicker beim Schutzdienst und finden sich dadurch supermodern, aber die Grundarbeit bleibt gleich. Das ist dann einfach Augenwischerei.

Denke, da muss man sehr genau hin sehen, was sich wirklich gewandelt hat. Nur der Anstrich, oder auch das Innere. Junge Einsteiger, die von Anfang an anders lernen, die von Anfang an ihren eigenen Kopf und somit ihr Wissen einsetzen, haben vermutlich mehr zu vermitteln als die mit 30 Jahren Erfahrung, denn von dieser Erfahrung kann 95% Schrott sein.

Bisher habe ich bei keiner Ausbilderauswahl so genau hin gesehen wie bei dieser Disziplin.

Wenn ich hier Texte einstelle, dann heißt das übrigens nicht, dass das 100% meine Meinung spiegelt, ich finde nur die Sammlung von Aussagen, Texten und Beiträgen in einem Thema wie diesem einfach interessant.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#43
Hey

(25.09.2013, 14:05)Anja schrieb: Ich sehe Schwierigkeiten bei "alten Hasen", die auf "neue Pfade" gehen. Was bei den alten Hasen oft fehlt, ist ganz viel Wissen. Und was sie geprägt hat, sind Gewohnheiten, die tief verwurzelt sind. Oftmals fallen sie von einem Extrem ins Andere. Oder sie benutzen einen Clicker beim Schutzdienst und finden sich dadurch supermodern, aber die Grundarbeit bleibt gleich. Das ist dann einfach Augenwischerei.


LG Anja

Es ist einfach nur eine Lachnummer, die sogenannten alten Hasen, stehen den modernen Hasen in nichts nach, beide wissen nicht wirklich, was sie da tatsächlich tun.

Eines stimmt allerdings, auf Augenwischerei verstehen sich beide Gruppen, alte sowie moderne Hasen.


Aber Unwissenheit erzeugt viel häufiger Sicherheit, als es das Wissen tut (C. Darwin).
lg hansgeorg
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#44
Magst Du denn mal konkret und verständlich beschreiben, WAS die Hasen wirklich tun und wo die Problematik ist?

Und an welcher Stelle ist es Augenwischerei?

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#45
Hallo Hansgeorg

(25.09.2013, 14:49)hansgeorg schrieb: ........beide wissen nicht wirklich, was sie da tatsächlich tun.

Jetzt tu doch bitte mal Butter bei die Fische und erkläre, was sie aus deiner Sicht machen?
Ich würde es gern mal fundierter erfahren, als nur aus meinem Bauch heraus und mehr, als ich bislang selber argumentiert habe.
Und ich bin mir sicher, dass du auch noch viel anderes zu sagen hast, als das, was Fliege schon geäußert hat.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#46
(25.09.2013, 15:17)Gerti schrieb: ...
Und ich bin mir sicher, dass du auch noch viel anderes zu sagen hast, als das, was Fliege schon geäußert hat.

ganz sicher. Vermutlich kennt sich HansGeorg im Gegensatz zu mir mit Schutzdienst wirklich aus und hat ihn nicht nur angeschaut.

Was mich halt so wirklich wundert, ist das nicht verstanden wird, was da eigentlich im Kopf des Hundes passiert.

Diese "Anspielen", frustieren und sich dann abreagieren dürfen an der Beute ist es ja nicht.
Es sind neurologische Vorgänge, die erlernt werden und dann fest sitzen. Um es ganz verständlich auszudrücken: Es werden Transmitter von Nervenzelle zu Nervenzelle ausgeschüttet. Je öfter diese Ausschüttung stattfindet, desto mehr wird ausgeschüttet. Die Nervenzellen und deren Funktionen ändern. oder anders ausgedrückt, es wird ein Weg im Gehirn plattgelatscht. Je platter der Weg, desto eher wird er genommen (desto eher benimmt der Hund sich auf bestimmte Art und Weise, wenn bestimmte Reize vorhanden sind). Das ist also physiologisch begründet. 
....
Und es ist so schwer solche plattgelastschte Wege wieder zu verlassen und neue, verlässliche einzuführen. Diese Wege zu beschreiten, verselbständigt sich so schnell, so schnell merken die Besitzer es meist gar nicht.

Die einzige Chance, um den Weg zuwachsen zu lassen ist also einen neuen Weg plattzutreten. Das heisst, immer wenn der Hund platten Weg laufen will, ein ganz bestimmtes anderes Verhalten abzufragen und dadurch zu ritualisieren.
Dieses Verhalten MUSS aber auffangen, was das vorher antrainierte ausgelöst hat. Also es muss auch helfen, den Stress etc. abzubauen.


Das einfach unter Kommando zu stellen, löst weder das Problem noch fühlt es sich für den Hund gut an. Dass der Hund lernt, sich selbst abzuregen und mit der Situation zurechtzukommen - das sehe ich auf Hundeplätzen egal in welchem Bereich selten.

Birte
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#47
Hallo Fliege

Das hast du prima und verständlich erklärt.

Jetzt aber mal eine Frage aus der Praxis:

Heute morgen war ich im Wald mit Trudel und Rad unterwegs. Wir fuhren einen unserer bekannten Wege,
wo wir z.Zt. aber öfters mal Pilzsammlern begegnen. Alles kein Problem.

Heute jedoch kam direkt vor uns ein Mann aus einem dichten Tannenwald auf den Weg gesprungen.
Er musste springen, da zwischen Wald und Weg ein kleiner Graben lag.
Wir erschraken uns beide, Trudel und ich. Trudel reagierte aber so, dass sie erstmal kläffend in seine Richtung stürmte.
Schön war, dass sie bei meinem "Alles okay" sofort in den Schwänzel- und DU-Darfst-Mich-Streichelnmodus umschaltete.

Könnte es nun passieren, hätte Trudel die entsprechend platt gelatschten Pfade und der Herr hätte sich womöglich noch ungeschickt bewegt,
dass sie -ohne mein Signal- diesen Weg eingeschlagen würde, weil eben alle Reize zusammenpassen?
Oder eher unwahrscheinlich?
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#48
da weisst du wohl besser als ich. Ich kenne Trudel ja gar nicht weiter!

oder willst du wissen, ob ein "Schutzhund" da so reagiert hätte? Kommt auch da wohl drauf an, wie und was er trainiert wurde, wie er geführt wird und so weiter.

Ob Schimpansenhunde schneller packen, weiss ich nicht. Ich weiss nur, das sie Mehrzahl anders und fester packt und schlechter los lässt
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#49
Nein, ich hatte Trudel nur als Beispiel für einen Hund ohne diese Autobahnen im Gehirn angeführt.
Wissen wollte ich eigentlich, ob deiner Meinung nach ein Hund mit in solchen "Risikosituationen" eher geneigt ist,
sich selbst für ein anderes Verhalten zu "entscheiden".
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#50
@ Fliege: Korrigiere mich bitte, wenn ich falsch liege.

Ich habe gelernt, dass vor allem Erfahrungen, die dem Gehirn signalisieren, dass die Fitness (das Leben) in Gefahr ist, wie eine breite Schneise ins Gehirn gefräst werden.
Erfahrungen, die ohne so extreme Emotionen ablaufen und gelernt werden, werden anders abgespeichert, die Wege müssen sorgfältiger und regelmäßiger begangen werden, um eine gründliche Spur im Gehirn zu hinterlassen, und lassen dem Hund auch nach dem Erlernen immer mehr Handlungsspielraum als in Variante 1, zu Deutsch, er kann noch denken, bevor er handelt.

Das impliziert für mich, dass Hunde, die über Schmerzreize zum Beißen gebracht werden, die nicht über die reine Ärmelmotivation ausgebildet wurden, in diesem Zusammenhang völlig anders konditioniert wurden bzw. die Erfahrungen, die zum Beißen führen, völlig andere sind.

Insofern denke ich, dass man hier differenzieren muss, wie und unter welchen emotionalen Zuständen ein Schutzhund ausgebildet wird/wurde.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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