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Wir müssen langsam los lassen...
#1
Es fällt mir sehr schwer, darüber zu schreiben, aber ich fürchte, dass unser lieber alter Sherlock in absehbarer Zeit erlöst werden muss.

Seit Anfang Dezember kämpfen wir mit allen Mitteln um seine Fitness bzw. eigentlich nur noch um seine Lebensqualität, was durch den inzwischen fast vollständigen Abbau seiner Muskulatur ein Kampf gegen Windmühlenflügel ist.

Mit einigen Ups and Downs mussten wir umgehen lernen, inzwischen trägt er im Haus an allen Pfoten Socken und an den hinteren richtige Schuhe mit Gummisohlen.

Wir haben einige Flushing-Effekte über die Ernährung ausgenutzt, mein Tierarzt ist da sehr kreativ. Er bekommt alle möglichen Zusatzpräparate, Cortison-Spritzen, und wir nehmen sehr viel Rücksicht.

Zu den Unterrichtsstunden am Nachmittag nehme ich ich schon länger nicht mehr mit, da dieses Liegen im Kalten trotz Mantel der ganzen Sache nicht förderlich ist.

Einzelstundentermine habe ich reduzieren müssen, um Zeit für eine ihm entsprechende Auslastung zu haben. Oft fahre ich viele Kilometer doppelt, weil ich ihn heim bringen, abholen, oder zurück bringen muss.

Seit heute schafft er es nicht mehr, ins Auto einzusteigen. Wir lösten das schon seit Monaten so, dass er seine Vorderpfötchen selbst auf die Kante stellte, und ich den Rest von ihm dann rein hievte. Komplett von unten hoch bekomme ich ihn nicht. Von oben runter geht. Heute Morgen brach er mir dann beim Anheben der Vorderpfoten zusammen. Danach wollte und konnte er nicht mehr.

Er bricht vor dem Fressnapf hinten ein, beim Ausziehen der vorderen Socken, beim sich lösen...

Und dann gibt es wieder diese Tage, die einfach nur gut sind. Und... vor allem ist da immer noch Lebensfreude. Dieser Hund ist noch nicht fertig mit der Welt. Ich bin mir sicher, dass er mir das signalisieren würde.

Bisher hatte ich noch immer sehr viel Hoffnung, weil ich immer sah, wie gut die Präparate anschlugen, wenn er wieder eine Spritze bekam. Aber vor etwas über 2 Wochen ist ein großer Bockmist passiert. Da war mein Mann mit Freunden zum Spazierengehen verabredet. 1,5-2 Stunden war bis dato nie das Problem. Wenn er erst mal stand war laufen toll. Aber dann hat man sich in Unkenntnis der Wegstrecke total verschätzt, und es wurden 3 Stunden Gewaltsmarsch draus.

Abends, als ich zu der Gesellschaft dazu stieß, merkte ich schon, dass es dem Bären schlecht ging. Das blieb leider, und es wurde eher schlechter.

Heute ist der erste Tag, an dem meine Zuversicht wirklich weg ist und ich die Zukunft mehr als schwarz sehe.

Die Pläne für die nächsten Tage sehen so aus, dass JoJo den Bären mit ins Büro nehmen wird, denn wenn ich ihn nicht mehr transportieren kann, ist er einfach zu viel alleine. Das hat er nicht verdient.

Jegliche weiter führenden Pläne kann ich im Moment nicht machen. Ich kann ihn auch niemandem mehr anvertrauen abseits von meinem Mann, da die Verantwortung einfach zu groß ist, die dies mit sich bringen würde.

Leute... mir geht es kreuzbeschissen... um es mal auf den Punkt zu bringen.

Danke fürs bis hierher Lesen und fürs Seele entleeren dürfen.
LG Anja

Ich liebe ihn so sehr...

[Bild: 13150031zu.jpg]
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#2
hallo anja, tut mir leid für deinen schnuffel zwinkern

nun überlege ich ob ich dir meine gedanken dazu mitteilen soll oder nicht kopfkratz

wenn du sie hören magst sag bescheid, ich kenne ähnliches und weiss wie schwer die gedanken einem dazu fallen 11144612890
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#3
Anja ich kann deine Gedanken und Gefühle sehr gut nachvollziehen.

Mir geht es mit Joschi so ähnlich. Er knickt auch hinten beim fressen ein, ist mittlerweile nicht mehr stubenrein. Es gibt Tage da klappt es gut und an anderen Tage steht er auf und lässt es einfach laufen. An manchen Tagen will er toben und rennen und an anderen hat er gar keine Lust sich zu bewegen.

Ich drück dich mal ganz lieb und hoffe das dir noch ein bisschen Zeit mit deinem Bären bleibt.
Es Grüßen Nicole
mit

[Bild: 9932221ukt.jpg]
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#4
Eine schwere Entscheidung, Anja. Ich kann das gut nachvollziehen. Es gibt ja glücklicherweise keinen "richtigen Zeitpunkt", den man treffen muss, sondern eher einen Zeitraum. Irgendwo habe ich mal ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer gelesen, das ich tröstend fand: " weine nicht, weil es vorbei ist, sondern freue dich, weil es so schön war". Anfangs mag das nicht gehen, aber mit der Zeit...
mitfühlend, Birte
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#5
Danke für Eure Worte. Und klar, happy, darfst Du mir Deine Gedanken mitteilen.

@ Birte: In der Vergangenheit habe ich mehrfach erlebt, dass es schon einen "richtigen Zeitpunkt" geben kann. Es gab 2 Hunde in meinem Leben, die mir sehr deutlich mitteilten, als der Tag X gekommen war. Der eine war mein erster Hund, den ich erst im Alter übernommen hatte, und der zweite gehörte einer Bekannten von mir, die mich an einem Tag zu sich bat, als sie schon einen Termin beim Tierarzt zum Einschläfern gemacht hatte. Da spürte ich GANZ DEUTLICH, dass dieser Hund noch nicht bereit war, und ich bat sie, den Termin abzusagen. Es war dann ca. 5 Wochen später so weit, und da wusste sie es auch ganz klar und deutlich und brauchte mich nicht mehr einzubestellen.

Mental versuche ich, mich so einzustellen, dass ich die Summe der Stimmungen und Blicke meines Hundes sehe, und das bewerte. Dass ein alter Hund nicht immer gut drauf ist, dass er schlechte Tage hat, das ist für mich okay. Nur unter dem Strich muss Lebensqualität übrig bleiben, es sollte noch Highlights für ihn geben.

Vorhin habe ich ihn unter Tränen bürofertig gemacht. Er ist mit meinem Mann völlig selbstverständlich mit gegangen, hat sich ins Auto heben lassen, und ich hoffe, dass er die Qualität des Büroschlafes und die neue Mittagsrunde in einem neuen Revier attraktiv finden wird.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#6
(27.02.2013, 08:39)Fliege schrieb: " weine nicht, weil es vorbei ist, sondern freue dich, weil es so schön war".

anja,
hmmm...meine gedanken sind einfach aber es ist schwer es in die richtigen worte zu fassen, darum auch als erstes das zitat...
darin steckt eigentlich sehr viel wahrheit.

ich finde man sollte sich immer an die schönen momente im leben mit dem hund erinnern, an seine power,seine kraft, den spaß...all die wirklich tollen momente die man zusammen im leben gehabt hat.

viel kraft in den abschied sollte man nicht investieren, der abschied sollte auch nicht zu lange sein.
ich habe mich seinerzeit 14 tage zu spät entschieden oder anders gesagt 14 tage es hinausgezögert bzw. es 14 tage hinausgeschoben wegen meiner partnerin. sie hat gehofft. ich habe es aber schon gewusst. das gefühl hat es mir gesagt so könnte man sagen. ich brauchte nur meinen hund ansehen und er sagte mir was er will.
oh man fallen mir die worte schwer...



hab gerade wieder deinen beitrag gelesen und merke wie sehr du an dem hund hängst, wir hängen alle an unseren hunden und wollen sie nie gehen lassen. für mich ist aber ein großer trost das wir hundehalter eine größere freiheit haben einen geliebten freund gehen zu lassen, wir müssen nicht zusehen wie er leidet, ganz anders als es bei uns menschen der fall ist.
wir hundehalter unterliegen starken emotionen wenn es um unsere hunde geht aber wir sollten wenn der abschied gekommen ist uns nicht zu stark auf die emotionen konzentrieren sondern stark sein und für unseren vierbeinigen freund der uns ein leben lang begleitet hat stärke zeigen wie wir es immer getan haben und für ihn die richtige entscheidung fällen. triff die richtige entscheidung für deinen wuffel wenn es an der zeit ist...


(ein scheiß thema, ich rede nicht gerne drüber traurig )
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#7
(27.02.2013, 09:30)happy schrieb: ,...

(ein scheiß thema, ich rede nicht gerne drüber traurig )

Recht hast du trotzdem.
Fliege
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#8
Liebe Anja

Nachdem ich gestern Abend deinen Beitrag gelesen hatte, konnte ich nichts mehr dazu schreiben.
Zu sehr hat es mich berührt und zu viele Erinnerungen kamen in mir hoch.
Jeder, der schon einmal einen Hund bis ans Ende begleitet hat, kennt den Schmerz und das Bangen, was du nun erleben musst.
Da helfen keine tröstenden Worte oder Ratschläge, man muss das durchstehen.

(27.02.2013, 09:30)happy schrieb: das wir hundehalter eine größere freiheit haben einen geliebten freund gehen zu lassen, wir müssen nicht zusehen wie er leidet, ganz anders als es bei uns menschen der fall ist.

Es ist keine Freiheit, sondern eine verdammt schwere Verantwortung.
Und diese müssen wir übernehmen, ohne dabei unseren
Egoismus in den Vordergrund zu stellen. Nicht unser eigener Schmerz steht in diesem Moment an erster Stelle, sondern einzig und allein der geliebte Hund.
Festhalten wollen ist Egoismus. Gehenlassen ist Verantwortung.

Ich wünsche dir alle Kraft und vor allen Dingen den rechten Blick für den Zeitpunkt, den niemand auf der Welt braucht.

Ich drücke dich ganz fest und bin in Gedanken bei dir.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#9
uff... ich wünsch euch die erforderliche Klarheit, das du den richtigen Zeitraum findest & genug kraft um ihn beizustehen. Anja, vertrau dir!
Gruß
Norbert zwinkern
Jap, ich lebe meist in meiner eigenen Welt, es ist ok, die kennen mich da!
...wer die Musik nicht hört, hält den Tanzenden für wahnsinnig.
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#10
Hallo Anja,
meine Worte werden Dir nicht gefallen, aber dennoch sind sie wichtig.
Wenn ich Deinen Beitrag lese, dann frage ich mich, wer mehr Trost braucht? Du, oder doch der Bär?

Nun mag jeder schreiben, wie schlimm die Entscheidung sei, einen geliebten Hund, oder aber auch Menschen zu verlieren doch das, was ich von Sterbenden gelernt habe ist, dass nicht der bevorstehende Tod das Schlimmste ist, sondern eher das Leid, was im Umfeld herrscht.
Glaubst Du ernsthaft, dass Du Deinem Bären etwas Gutes tust, wenn Du ihn weinend bürofertig machst?

Wie schlimm muss es für einen Hund sein, nicht zu wissen, warum seine Menschen so leiden.
Und wenn sie es wissen, wie müssen sie sich dann erst fühlen?

Mobilisiere all Deine Kräfte, aber spiele nicht und sei für Deinen Hund da, nur so kann er auch den Tag finden, oder sich wieder aufrappeln.

Dass das nicht leicht wird, steht außer Frage.

Ich wünsche Dir dafür die nötige Kraft und hoffe dass Du Dich danach fallen lassen kannst. Doch erst dann werde ich nach tröstenden Worten suchen.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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