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Wir müssen langsam los lassen...
Nun ist unser Bärchen schon über 2 Wochen tot.

Mehr und mehr finden wir in einen neuen, veränderten Alltag zurück. Immer öfter wird mir bewusst, dass es nie mehr so sein wird, wie es einmal war. Es wird anders, sein. Nicht schlechter oder besser... anders.

Der Bär, so merke ich jetzt erst, war für mich ein Ruhepol, ein Fels in der Brandung. Er hat irgendwie sehr viel Stabilität in mein Dasein gebracht. Die fehlt gerade ganz gewaltig. Und er hat sehr viel gegeben.

Heute vor einer Woche bekamen wir die "Urne" von der Einäscherung zugeschickt. Das war noch mal richtig herb. Nun trage ich eine kleine, ganz schlichte Mini-"Urne" um meinen Hals. Da mag man drüber denken, wie man will, ich habe das dort spontan entschieden und fühle mich damit irgendwie "gut", seit ich sie habe.

Es gibt hier im Haus 2 feste und eine mobile "Bärengedenkstätte". Die eine besteht schon sehr lange, es ist diese risengroße Fotocollage, die liebe Freunde für uns gemacht haben, dazu kam noch ein sehr schönes Gedicht mit seiner Biografie, eine Schneekugel von einer lieben Forumsfreundin, und ein Stoff-Bär, der schon länger da steht, aber inzwischen die Laminierte Zeitungsanzeige hält.

Die zweite Stelle ist der Griff unserer alten Truhe, davor ist der Teppich, auf dem Sherlock viel lag, und den auch Coffie gerne nutzt. Dort hängt das Halsband und das Be. Coffie geht manchmal hin, schnüffelt und leckt, und dann legt er sich hin. Keine Ahnung, ob er das braucht, aber ich brauche das.

Das mobile Objekt ist das "Bärenlicht", das auch die liebe Forumsfreundin für uns gemacht hat, da ist mein Lieblingsbild aus seinen letzten Monaten drauf, was wunderschön leuchtet, wenn die Kerze darin angezündet wird. Das Licht ist immer dort, wo wir sind. Hätte nie geglaubt, dass soetwas mal so tröstlich für mich sein würde.

Samstagabend war hier Goldiebesuch. Sonntag taperte ich total verschlafen mit meinem ersten Kaffee barfuß und im Schlafanzug Richtung Terrasse. Der Boden war übersät mit blonden Hundehaaren. Ich war schlagartig wach und dachte, ich drehe durch... bis mir wieder einfiel... es sind keine Bärenhaare... ein Goldie war hier. Puh, das war... komisch irgendwie.

Auch komisch ist es, wenn man Fleece-Sachen anzieht, die inzwischen schon mehrmals gewaschen worden sind, aber man findet noch immer ganz viele Bärenhaare.

Seufz. Er fehlt mir.
LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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Moin Anja,
ich hoffe, das du das folgende so verstehst, wie ich es meine...

Trauer ist wie dichter Nebel, er hüllt das Umfeld ein, man kann es nur erahnen - wenn überhaupt.
Man möchte diesen Nebel weckschieben, doch die Hand greift ins leere.
Auf "eurem" Daich trägt der Wind den Nebel fort, wenn du es zulässt.
Die Sonne wird dich/euch wärmen, kraft schenken.
Ich bin mir sicher, das du den Ruhepol weiter in deinem Herzen trägst/hast.
Die Schwierigkeit ist, das du dich jetzt daran erinnern musst, und nicht mehr erinnert wirst.
Da ist er, erinnere dich an das Gefühl, atme es, spüre es, lebe es, liebe es und es ist da, wann immer DU es möchtest. Heart

Fühl dich lieb gedrückt!
Gruß
Norbert zwinkern
Jap, ich lebe meist in meiner eigenen Welt, es ist ok, die kennen mich da!
...wer die Musik nicht hört, hält den Tanzenden für wahnsinnig.
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Inzwischen ist wieder etwas Zeit vergangen. Über 5 Wochen ist der Bär jetzt schon nicht mehr auf dieser Welt. Mir kommt es vor wie eine Ewigkeit. Die seelischen und körperlichen Strapazen der letzten Wochen seines Lebens sind in den Hintergrund getreten, nun kommt mit Macht die Trauer hoch, und auch die Tränenblockade ist wieder weg. Diese ereilen mich inzwischen teilweise mit heftiger Macht.

Ablenken oder abtötenwollen der Gefühle durch Arbeit und Konsumverhalten funktioniert nicht mehr.

Es hat mich voll erwischt, wovon ich immer hoffte, dass ich es diesmal nicht so heftig erleben würde, wie damals bei Moritz. Ich glaubte, ich könnte "vortrauern" und durch langsames loslassen und gemeinsam mit Coffie wieder durchstarten. Aber es ist nicht an dem.

Das Absurde ist, dass eine Hypnosebehandlung bei meiner Zahnärztin letzte Woche diese Trauer nach oben gespült zu haben scheint. Die Behandlung wurde vor 2 Jahren nach einem wundervollen Urlaub auf Föhr mit der dort gehörten Musik so gestaltet, dass ich während der Behandlung mittels Hypnose und Musik mental an diesen Ort gelange und die Dinge, die im Hier und Jetzt mit mir geschehen zwar wahrnehme, aber sie sind mir einfach egal. Ich spüre Schmerzen, aber sie machen mir nichts aus.

Was ich nicht bedacht hatte, dass der Bär in diesem Urlaub unser Mittelpunkt war. Dass er viel dazu beigetragen hat, dass dieser Urlaub so schön war, wie er eben war. Während der Behandlung letzte Woche hatte ich ihn permanent vor Augen, wie er in seinem Anhängerchen saß, wir mit ihm über die Insel radelten, wie er bei kurzen Stops, um einen Geocache zu suchen, heimlich aus dem Anhänger diffundierte, um uns suchen zu helfen, oder einfach bei uns zu sein. Der Wind in seinen wehenden Haaren, die Öhrchen, die sich vom Fahrtwind aufstellten...

Als ich wieder zu mir kam, fragte mich meine Ärztin, wie es mir geht, und mir liefen die Tränen herunter. Auch jetzt, während ich das schreibe, muss ich weinen. Ich war unsagbar traurig, und das ist irgendwie geblieben. Freitags, wenn sein Todestag eine weitere Woche her ist, ist es derzeit immer am Schlimmsten. Beim Arbeiten kann ich es ausblenden, aber nur da.

Es ist... echt heftig.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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Hey, trauern ist normal, wenn man sie verdrängt, dann wartet sie geduldig bis sie an der reihe ist. Ich wünsch dir genug Mut um der trauer zuzuhören und sie anzunehmen. küssen
Gruß
Norbert zwinkern
Jap, ich lebe meist in meiner eigenen Welt, es ist ok, die kennen mich da!
...wer die Musik nicht hört, hält den Tanzenden für wahnsinnig.
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Möchte der Trauer gerne zuhören, aber nicht parallel ins Bodenlose stürzen. Das hätte der Bär sicher auch nicht gewollt.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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Als Olga gegangen war, hat mir ein lieber Mensch folgendes gesagt:

Trauer ist wie ein hoher Berg, über den man hinüber muss. An einem Tag klettert man erfolgreich ein ganzes Stück,
am nächsten rutscht man vielleicht wieder ein Stück in die Tiefe.
Am 3. Tag ist man eventuell so kraftlos, dass man gar nicht erst beginnt, aber irgendwann steigt man weiter und irgendwann ist man am anderen Fuß des Berges angekommen.
Ich weiß nicht, wann man dort ist.

Wenn ich am Grab stehe, rede ich noch immer mit ihr und noch immer fange ich bei gewissen Erinnerungen an zu weinen.
Aber es tut nicht mehr so weh.

Kletter weiter, Anja, und rutsch ab. Das ist wichtig.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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traurig
Kathi, Lu und Pai
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Es ist eine der Grausamkeiten dieser Welt, dass die Lebensdauer des Hundes um so vieles kürzer ist als die des Menschen...
(Konrad Lorenz)

Ich denke dieses Zitat trifft es ganz gut...traurigtraurig
Mit einem kurzen Schweifwedeln kann ein Hund mehr Gefühl ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.

Louis Armstrong
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