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Zwangshandlungen beim Hund
#11
Wie ist das mit den anderen Trainern hier? Seht ihr das wirklich so selten oder überweist ihr die Leute ale zum Tierarzt? ICh überweise sie selten zum Tierarzt,1. weil es hier weniger von gibt, die da helfen können und 2. weil leider die wenigsten Besitzer das Problem als Problem wahrnehmen.
Dabei sieht das, was der kleine Border auf dem Video macht ja noch harmlos aus andere abnormal-pepetitive Verhalten können weniger nach "Spass" für den Hund aussehen. Rute jagen, Kreis drehen, Pfoten wund lecken, Lichtrelflexe jagen, Anstarren von SChatten, Ziggarettenrauch, Flusen etc, Flanken saugen ...
Der schlimmste Fall, den ich kenne war Momo, ein 7 Monate alte BC-Hündin, taub und bis dato nur einem VErschlag gehalten. Mit Stroh. Momo nahm die Welt ausserhalb der VErschlaghöhe nicht wahr und versuchte ALLES, um nur einen Strohhalm in das Maul zu bekommen, mit dem sie sich dann stundenlang drehen konnte. Gab es keinen Halm o.ä. rannte sie stundenlang immer mal wieder eine Piruette einbauend durch die Gegend. Es war sehr schwer, dazwischen zu kommen :-(.
Es gab Hunde, die tatsächlich körperlich krank waren und angefangen hatten wegen Juckreiz, Schmerzen usw auffällig zu sein. Ganz häufig sehe ich es bei Hunde aus suboptimalen Haltungsbedingungen und sehr gestressten, bzw frustrierten Hunden. Häufig scheint es mit einem Konflikt und einer Übersprungshandlung anzufangen und sich dan ganz schnell zu verselbständigen. Fühlt sich für den Hund dann gut an und wird weiter ausgeführt. letztendlich auch ohne den einstigen Auslöser.

Ich fand es bei jedem einzelnen Pflegling schwierig, mir da einen Plan zu machen und Ursache rauszufiltern. Manchmal habe ich es nie geschafft. 2000 haben wir einen Hütehund aus IRland übernommen, der bisher an der KEtte gelebt hatte. Roy sucht bei klarem Himmel sobald er raus kam, den Himmel ab, Geräusche reichten auch und "Jagte" die Kondenzstreifen bis zum Umkippen. Roy habe ich letztendlich eingeschläfert. Ein anderer Hund, Ben, war auf dem Land aufgewachsen, hatte dort schon Angst vor Autos gezeigt. Er musste dann knapp 1 jährig in die Stadt umziehen und wohnte direkt an einer Kreuzung. Seine Beschäftigung war 10 sTunden tagsüber aus dem Fesnter auf die Strassen zu gucken und die Autos zu "jagen". Er lebt jetzt glücklich in der Prignitz - autoarm.

ICh find schlimm, wenn Hundesitzer das Leid im Hund dabei nicht erkennen traurig, auch wenn meine eigenen Hunde teilweise auch Ansätze haben. Jack guckt sehr intensiv auch leere Tierkäfige an, Luke nuckelt abends an seiner Decke und meiner alter Glen war der Künstler im Stressglotzen. OBwohl ich alles tat, um sie gut zu halten.
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#12
Habe mal einen Bordercollie gesehen, der (vermutlich stundenlang) zwischen 2 ca. 5 m auseinanderliegenden Stalltüren hin und her rannte. An jeder Türe hielt er kurz inne, dann weiter zur anderen, innehalten, und wieder zurück. Bei ihm war es vermutlich so, dass er mehrmals täglich Erfolg mit dieser Handlung hatte, und die Landwirte froh waren, dass der Hund zwischen den Treibeinsätzen beschäftigt und aufgeräumt war. Er tat mir unglaublich leid.

Und dann sind da noch die vielen Balljunkies, die gibt es natürlich auch unter Terriern, Schäfern und anderen Rassen, aber auch hier überwiegen in meinem internen Speicher die Borders. Völlige Fixierung auf den Menschen, der den Ball in der Tasche, Hand oder sonstwo hat. Gruselig.

Kunden von mir hatten zwischenzeitig eine kleine Border-Mix-Hündin, die sie aber (leider) wieder abgegeben haben, da sie sich mit ihr überfordert fühlten. Die lag über Stunden in der Küche und starrte auf einen Punkt oberhalb der Hängeschränke in der Küche. Da war NICHTS. Was immer sie dort fixierte, niemand ist dahinter gekommen.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#13
(19.01.2013, 08:43)Fliege schrieb: Wie ist das mit den anderen Trainern hier? Seht ihr das wirklich so selten oder überweist ihr die Leute ale zum Tierarzt?

Mal abgesehen vom Video, was leider viel zu wenig von dem zeigt, was nötig wäre, um sich ein Bild davon machen zu können, würde ich verhaltensgestörte Hunde nicht zum Tierarzt überweisen, sondern eher mit einem Tierarzt zusammenarbeiten.

Leider sagen die Symptome nur ein Bruchteil aus und leider beschäftigen sich die meisten auch nur mit den Symptomen, bzw. damit, wie man sie abstellen kann.
Sehr wichtig ist es heraus zu finden, welche Funktionen uneingeschränkt normal und unbeeinflusst ablaufen.
Und anderseits gilt es heraus zu finden, welche Verhaltensweisen im Zusammenhang mit der Zwangshandlung stehen könnten.
Woraus motiviert sich die Handlung und wie ist sie zunächst veränderbar.

Basiert das Verhalten auf den Hirnstoffwechsel, entsteht es durch andere Krankheiten, wie bspw. Depression, oder spielt hier tatsächlich die Konditionierung eine Rolle?

Neben diesen nur wenigen Informationen, erfordert es je nach Verhaltensmuster eine Untersuchung und erst dann könnte man in einer Richtung gehen, wo man grob beschreiben kann, was im Gehirn des Hundes vorgehen könnte.

Zwangsstörungen endeten bei mir nur dann mit einer Euthanasie, wenn Kosten die finanziellen Möglichkeiten der Halter überschreiten.

Heute weiß man zu viel, bzw. hat man heute die Möglichkeiten, solchen Hunden helfen zu können.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#14
(19.01.2013, 23:17)Thomas schrieb: ....
Zwangsstörungen endeten bei mir nur dann mit einer Euthanasie, wenn Kosten die finanziellen Möglichkeiten der Halter überschreiten.
...

Wenn es denn immer die finanziellen Möglichkeiten wären ....
traurig.
Bei besagtem Roy war es tatsächlich trotz intensiver tierärztlicher und Verhaltenstherapeutischer Betreuung nicht möglich, ihm ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Möglich war maximal ein Leben in geschlossenen Räumen ohne Fenster mit sehr guter Schallabdichtung. Wir haben es drei Jahre lang versucht und hatten so gut wie keine Verbesserung der Lebensqualtität . Auch Momo ist nie "gut" geworden, bei ihr gingen die Spezialisten allerdings von einer tatsächlichen Schädigung bestimmter Hirnbereiche aus. Sie war allerdings nicht eingeschränkt in ihrer Lebenqualität, es war nur sehr schwierig sie zu halten.

Was seht ihr denn so am häufigsten an Zwangsstörung?
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#15
Das tut mir leid Fliege, wenn Du Dich davon angesprochen gefühlt hast, aber es waren, bzw. sind meine Ergahrungen aus vielen Jahren Arbeit mit solchen Hunden.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#16
alles gut... Mir hängt Roy nur noch immer nach. Es ist immer wieder schrecklich, wenn man einfach gar nichts tun kann.
Und egal wie gut man es vor sich rechtfertigen kann oder wie gut die Argumente sind, das schlechte Gewissen bleibt. Und sei es die Möglichkeit einfach nicht gut genug gewesen zu sein.
Ich konnte Roy gut leiden.
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#17
(19.01.2013, 23:17)Thomas schrieb: würde ich verhaltensgestörte Hunde nicht zum Tierarzt überweisen, sondern eher mit einem Tierarzt zusammenarbeiten.

(...)

Heute weiß man zu viel, bzw. hat man heute die Möglichkeiten, solchen Hunden helfen zu können.

Hmm. In Deinem Fall mag das auch der optimale Weg sein. Hier ist das fast nicht möglich, da der nächste auf Verhaltenstherapie spezialisierte Tierarzt, so weit ich weiß, in HH sitzt, also 2 Stunden weg.

MAN weiß viel darüber? Ich habe den Eindruck, dass dieses "MAN" nur ein ganz kleiner Teil von Trainern ist, zu denen ich mich nicht zähle. Ich würde mich in einem fortgeschrittenen Stadium dieser Zwangshandlungen nicht an eine Therapie heran trauen. Gäbe es einen praktischen Trainingsansatz, der von dem entsprechenden Tierarzt gefordert werden würde, könnte ich dieses natürlich begleiten und auch sicher creativ umsetzen und weiter führen. Aber zutrauen, von Anfang an die richtigen Schritte einzuleiten, würde ich mir nicht.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#18
(20.01.2013, 18:01)Anja schrieb: Hier ist das fast nicht möglich, da der nächste auf Verhaltenstherapie spezialisierte Tierarzt, so weit ich weiß, in HH sitzt, also 2 Stunden weg.

Hallo Anja,
es muss nicht zwangsläufig der Tierarzt sein, der sich auf Verhaltenstherapie spezialisiert hat. So kann es auch anders herum funktionieren, wenn bspw. der Hundetrainer dem Tierarzt etwas über den Hirnstoffwechsel erzählen kann, dann teilen sich die Kompetenzen schnell von alleine auf.
Es sollte eben nur jeder wissen, wovon er redet, dann findet man sich auch schnell zusammen.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#19
Ja. Du weißt, wovon Du sprichst, ich in diesem Fall nicht.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#20
(19.01.2013, 23:17)Thomas schrieb: Heute weiß man zu viel, bzw. hat man heute die Möglichkeiten, solchen Hunden helfen zu können.

Thomas mein Eindruck ist auch, das man Hilfe nicht so leicht finden kann. Ausser dir kenne ich niemanden, weder in Deutschland, noch in England, der sowas weiss.

Fliege Danke fuer deine Anteilnahme an diesem Thema. Deine Erfahrungen sind traurig. Solche schlimmen Dinge hab ich noch nie sehen muessen.
Mir reicht es auch wenn mein eigener Huetehund verbissen den Schaeferhund huetet oder beim Agility die laufenden Hunde anglotzen will. Frueher fand er auch Wasser gruselig faszinierend, aber da ist er rausgewachsen.
Meine Erfahrungen sind, das Huetehunde und Jagdhunde sehr anfaellig sind. Huetehunde werde immer Teil meines Lebens sein und so habe ich das Thema eroeffnet und moechte mehr darueber lernen. Wo finde ich Lesematerial?
Ab wann spricht man von Zwangshandlung? Wann ist es eine Verhaltensstoerung?

Fliege ich hoffe das du fuer jedes traurige Erlebnis, viele positive Momente hattest und bekommst. Und ich wuerde gerne mehr darueber hoeren, die Guten und die schlechten Dinge.
Kathi, Lu und Pai
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