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Über Kognition lernen
#21
Ich glaube, ich werde immer blonder.
Bisher, als ich noch dachte ich wäre maximal gesträhnt, war ich davon ausgegangen, das Hunde auch durch "Verstehen" lernen. Wie wir. Eigene Lösungen finden, aus Misserfolgen und Erfolgen lernen usw. Das, das nicht immer via Aktion-Reaktion erfolgt, ist ja irgendwie logisch.
Als das Thema Kognition angefangen wurde, dacht eich also, damit würdet ihr Sachen wie z.B. sowas meinen:
Hund wird Schafe vom Hügel holen geschickt. Bekommt nur die Richtung gesagt, weiss aber von Malen davor, wo ungefähr die Schafe stehen. Läuft los, bekommt einen "geh mal weiter raus-Pfiff", ignoriert diesen, weil er weiss ja selber, wo sie sind. Kommt dort an, wo er meint sie seien und findet sich am falschen Platz wieder. Falsch wie auch immer ( zu nah, zu weit, in mitten der verstreuten Herde, keine Schafe da). Auf jeden Fall habe ich noch keinen Hund kennen gelernt, der beim zweiten Mal schicken, seinen "geh mal weiter raus-Pfiff" nicht nimmt. So hatte ich das verstanden. GEht natürlich auch ohne Pfiff und mit merkst selber. Wie Hund wird auch ohne Hilfe anfangen immer einen sehr weiten Suchlauf zu machen, viel weiter als es auf den ersten Blick Sinn macht.
Das ist nicht kognitives Lernen?

Fliege
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
Antworten
#22
(13.01.2013, 11:24)Olivier schrieb: Kurze Verständnisfrage:
Ich weiß, dass Ergebnis von 6 x 6 ist 36 (ohne zu rechnen) => Ergenis wurde über Konditionierung erreicht
Das Ergebnis von 123 x 456 ist 56088. Dies musste ich ausrechnen => Ergebnis wurde über Kognition erreicht

Hallo Olivier,
so einfach funktioniert Lernen leider (oder besser zum Glück) nicht, denn nicht das Ergebnis entscheidet, mit welcher Lernmethode gelernt wurde, sondern der Weg.
Wenn Du bspw. 36 Äpfel als Kind gepflückt hast, ohne dass Du schon rechnen gelernt hast, und diese unter 6 Geschwister aufteilen musst, dann hast Du das Ergebnis über Kognition erreicht.
Würde Dein Vater Dich täglich fragen, wie viel 6 x 6 ist, und Du würdest zunächst antworten 10, Dein Vater schüttelt den Kopf, dann sagst Du 20, Dein Vater schüttelt wieder den Kopf, bis Du die 36 erreicht hast, und Dein Vater das Ergebnis bestätigt und täglich wiederholt, dann wäre es Konditionierung.
Es ließe sich hier nun unzählige Beispiele hervorbringen, wie man auf das Ergebnis kommt, bzw. wie man es behält.




(14.01.2013, 10:41)Fliege schrieb: Will man seinem unter mittels Kognition (hört sich seltsam an, sagt man das so?) etwas beibringen, schafft man Situationen, in denen der Hund aus seinen Erfahrungen das richtige lernt?

Hallo Fliege,
Kognition bedeutet nicht nur aus Erfahrungen zu lernen, sondern, und das eher besonders, aus Versuch und Irrtum, Einsicht, unbesusst usw.




(14.01.2013, 11:06)Anja schrieb: Freitag war Mr. Junghund wieder mal der Ansicht, abseits des Weges Vögel stöbern und scheuchen zu müssen. Er reagierte NICHT. Ich holte ihn im Gestrüpp am Ort des Geschehens ab, leinte ihn an, und eigentlich waren wir auf dem Weg in eine Sandkuhle, wo er mit seinem Kumpel toben, buddeln, Sandhänge hoch rennen dürfen sollte.

Das fiel dann aus und sah so aus, dass er konsequent neben mir an der Leine gehen musste und in der Kuhle an eine Birke gebunden wurde, von wo aus er zusehen konnte, wie viel Spaß der Bär beim Buddeln und sein Kumpel beim Apportieren und herumrennen hatte. Auch mit uns Menschen hatten die beiden freien Hunde Spaß. Ebenfalls der Rückweg war für den Junghund spaßfrei, da angeleint neben mir zu gehen war. Auto einsteigen fertig.

Am nächsten Tag ergab sich wieder eine Vogelsituation, ich rief einmal, Mr. Junghund machte auf dem hinteren Ballen Kehrt und farzte zu mir.

Gelernt? Zufall? War die Konsequenz des Vortages überhaupt richtig im Sinne von kognitivem Lernen?

Hallo Anja,
es spricht schon Vieles dafür dass hier eine Verkettung von Konsequenzen, wie es auch Sinn macht, bei besonders schweren Fehlentscheidungen, zum gewünschten Ergebnis führt.

In diesem Fall gab es nicht nur Konditionierung, sondern auch im Selben Zusammenhang Kognition.
Das Anleinen als unmittelbare Konsequenz, die mit der Fehlentscheidung im Zusammenhang gebracht werden kann und eben die folgenden Konsequenzen, die keinen Zusammenhang zum Fehlverhalten haben und somit auch unbewusste registriert wurde.




(14.01.2013, 12:15)Gerti schrieb: M.E. muss kognitives Lernen nicht unbedingt aus bereits gemachten Erfahrungen resultieren.

Hallo Gerti,
nein, kognitives Lernen bedeutet eben nicht nur lernen aus Erfahrungen, sondern auch aus, siehe oben.


(14.01.2013, 12:15)Gerti schrieb: Ein Beispiel: Der Ball des Hundes fliegt über eine Mauer, der Hund erkennt, dass er auf dem direkten Wege nicht an das Teil heran kommt.
Nun kommt das Denken ins Spiel und er rennt um die Mauer herum.

Hier vermischt Du die Lösung wieder mit dem Weg.
Um das zu verdeutlichen verkompliziere ich Dein Beispiel:
Man wirft einen Ball über einen Zaun, durch dem der Hund hin durch schauen kann und der Zaun gute 50 Meter lang ist.
Der Hund möchte den Ball, und nun die Möglichkeiten:
Er sucht von sich aus den Weg und findet den Ball -> Kognition
Der Hund kommt in einer Woche wieder und steht vor gleichem Problem, folgt aber seinem Gefühl -> Kognition
Ich wiederhole das Ganze, bis der Hund nicht mehr den Weg suchen muss -> Konditionierung
Der Hund bietet eine Richtung an, man klickert jeden richtigen Schritt -> Konditionierung

(14.01.2013, 12:15)Gerti schrieb: Aber irgendwie sind das für mich immer noch 2 verschiedene Paar Schuhe.
Die zeitverzögerte Konsequenz und dieses eigenständige Suchen nach Lösungen.

Naja, es sind Untergliederungen der Kognition:
Konditionierung untergliedert sich auch in klassische Konditionierung und operante/instrumentelle Konditionierung.
Diese Untergliedern sich dann weiter.
So ist es auch bei der Kognition:
Sie untergliedert sich in implizites Lernen und explizites Lernen, was durch bewusst und unbewusst unterscheidet.
Auch hier gibt es viele weitere Untergliederungen, wie bspw. das Einsichtslernen oder das Kovariationslernen, was unbewusste Zusammenhänge registriert und diese dann verarbeitet.

(14.01.2013, 12:15)Gerti schrieb: Wäre denn nicht auch das Lernen per Clicker ein eigenständiges Lernen?
Fließen hier nicht die Grenzen zwischen "Versuch und Irrtum" und Kognition ganz wild durcheinander?

Nein, denn Klickern ist ein von Dir vorgegebener Weg, den der Hund sich erarbeiten muss, und Du diesen Weg bestätigst, wenn er nach Deinem Interesse abläuft.
Kognition sind Prozesse, die intern ablaufen, ohne jeglichen Einfluss.
Hans Georg hat es mit dem Werkzeug der Schimpansen sehr gut beschrieben.
Das ist auch einer meiner Hauptgründe, warum ich es grundsätzlich ablehne mit einem Klicker zu arbeiten.
Versuch und Irrtum gibt es in der Konditionierung wie auch in der Kognition, dennoch unterscheidet es sich.

(14.01.2013, 16:49)Gerti schrieb: Was ich mich bei diesen Beispielen aber auch frage:
Wenn der Hund sich hinlegen soll, damit ich entweder positiv oder negativ darauf (zeitverzögert) reagieren kann,
muss der Hund dieses Signal ja schon kennen. Und wie kriege ich das hin, ohne die klassische Konditionierung? Ohne direkt zu belohnen?

Hieße das, jedes Mal, wenn der Hund sich mal eben so hinlegt, das zeitverzögerte Prozedere zu starten oder wie kann ich mir das vorstellen?

Ohne es böse zu meinen, aber die Konditionierung steht Dir da bei vielen Lernmethoden im Weg.
Auch wenn es mit dem Platz nur ein Beispiel war und auch ich tatsächlich vorziehen würde das Signal für Platz zu konditionieren, gäbe es die Möglichkeit durch Körpersprache zu kommunizieren und durch impliziertes Lernen zu festigen.

Dennoch passiert es auch, dass konditionierte Signale wie das Platz ignoriert werden, weil Konditionierung ein Fluss von Reizen mit bringt und in die Bewertung der Entscheidung einfließt.
Wendet man dann die zeit verzögerte Konsequenz an, dann lässt sich das Konditionierte intensivieren.

Doch auch hier sollten nicht nur negative Konsequenzen folgen, sondern auch Positive, doch müsste man darüber weniger schreiben/sprechen, weil diese meist auch bewusst/unbewusst gegeben werden.




(14.01.2013, 20:27)Fliege schrieb: Als das Thema Kognition angefangen wurde, dacht eich also, damit würdet ihr Sachen wie z.B. sowas meinen:
Hund wird Schafe vom Hügel holen geschickt. Bekommt nur die Richtung gesagt, weiss aber von Malen davor, wo ungefähr die Schafe stehen. Läuft los, bekommt einen "geh mal weiter raus-Pfiff", ignoriert diesen, weil er weiss ja selber, wo sie sind. Kommt dort an, wo er meint sie seien und findet sich am falschen Platz wieder. Falsch wie auch immer ( zu nah, zu weit, in mitten der verstreuten Herde, keine Schafe da). Auf jeden Fall habe ich noch keinen Hund kennen gelernt, der beim zweiten Mal schicken, seinen "geh mal weiter raus-Pfiff" nicht nimmt. So hatte ich das verstanden. GEht natürlich auch ohne Pfiff und mit merkst selber. Wie Hund wird auch ohne Hilfe anfangen immer einen sehr weiten Suchlauf zu machen, viel weiter als es auf den ersten Blick Sinn macht.
Das ist nicht kognitives Lernen?

Doch, genau das ist es, jedoch eine Form, die auch beinhaltet, dass der Hund intelligenten Ungehorsam ausüben darf.
Wie oben schon geschrieben, Kognition ist nicht eins!!!
Hier fließen sogar viele Formen des Lernen zusammen. Einsicht, Versuch Irrtum, Kovariation, bei den Kleinen auch Imitation, Assoziation, usw. aber alles ist Kognition.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
Antworten
#23
(14.01.2013, 23:33)Thomas schrieb:
(14.01.2013, 12:15)Gerti schrieb: M.E. muss kognitives Lernen nicht unbedingt aus bereits gemachten Erfahrungen resultieren.

Hallo Gerti,
nein, kognitives Lernen bedeutet eben nicht nur lernen aus Erfahrungen, sondern auch aus, siehe oben.

Ich würde mal sagen, dass ich genau das unmissverständlich auch so geschrieben habe.

Über den Rest muss ich noch sinnieren.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
Antworten
#24
Hoch spannend. Vielen Dank allen Beteiligten. Wir hatten lange nicht so ein faszinierendes Thema. Zumindest aus meiner aktuellen Sicht.

Danke Thomas, dass Du es aus meinen Coffie-Erlebnissen heraus isoliert hast, und Dir hier die Zeit nimmst, es weiter zu pflegen.

Würde es sehr begrüßen, wenn wir weiter möglichst viele Beispiele zusammen kriegen würden, damit man mehr und mehr verstehen und unterscheiden kann.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
Antworten
#25
Hey

(14.01.2013, 18:47)Anja schrieb: @ Hans Georg: Für mich ist Verstärkung, ob nun positiv oder negativ auch eine Konsequenz.

Hunde lernen aus den Konsequenzen ihres Tuns. Beim Elektrozaun ist es ja auch eine unmittelbare Verstärkung.

Wie ist das z.B. mit Schnee fressen. Hund frisst Schnee, kommt ins Haus, nach 10 Minuten geht es ihm schlecht und er spuckt. Wenn sich das einige Male wiederholt, müsste er doch daraus lernen, Schnee fressen ist aua, das lasse ich lieber.

LG Anja

Das ist richtig, es ist eine unmittelbare Konsequenz durch einen „aversiven Reiz“, nur der einzige Unterschied ist, es ist die direkte Konsequenz aus seinem eigen handeln heraus.

Was wir allerdings nicht wissen, ist, was hat er tatsächlich gelernt?

(a) Bringt er es mit dem Zaun in Zusammenhang?

(b) Ist es der Ort des Geschehens, den er in Zukunft meidet, weiträumig umgeht usw.?

(c ) Sind es die Pferde oder Rinder, die er damit verbindet usw.?

Das sind alles Konsequenzen, die aus solch einer Erfahrung hervorgehen könnten.

Im Unterschied dazu ist mit Konsequenz das Eingreifen des Hundehalters gemeint, der für richtig „verstärkt“ und für nicht richtig nicht „verstärkt“.
Der Hundehalter ist somit die Konsequenz - Instanz und das macht er ganz gezielt.

Oder anders ausgedrückt, der Hund hat hier eine etwas anders gelagerte (extrinsische?) Motivation, durch die menschliche Konsequenz-Instanz.

Während beim E-Zaun die Konsequenz aus dem Hund selbst erfolgt, siehe oben, was hat er tatsächlich gelernt (a), (b) oder © usw. Das erfordert eine etwas anders Geartete nämlich (intrinsische?) Motivation von ihm.


Bevor wir mit dem Schneefressen weiter machen ein kurze Anmerkung:

Was mir immer wieder in Diskussionen auffiel, ist, das wir meist verallgemeinern und so schon oftmals ein Problem mit einbeziehen, das wir in Zukunft vermeiden könnten und sollten.

Dazu müssten wir die Übereinkunft treffen, wenn wir von Hunden reden, dass wir es nicht gleich auf ein Individuum einschränken, z. B. es auf unseren Hund beziehen, sondern allgemein von den Hunden sprechen.

Meinen wir aber ausschließlich unseren eigenen Hund oder Hunde, dann müssten wir es darauf beziehen oder mit einschließen.

Das ist nur ein Vorschlag, warum ich ihn mache und für sinnvoll halte, folgt nun.

Das Schneefressen:

Mit dem Schneefressen ist das so eine Sache, denn damit kann Wasser aufgenommen, oder sich abgekühlt werden usw., wahrscheinlich hat die (Ko) - Evolution nicht die notwendige genetische Grundlage dafür hervorgebracht.

Aber es ist nicht auszuschließen, das es Hunde gibt (Verallgemeinerung), die dazu in der Lage sind, aus solchen Erfahrungen zu lernen, aber Einschränkung, nicht jeder Hund wird es tun.

D. h., nichts anderes als, dass eine Individuum lernt daraus und das andere Individuum nicht.




Der wahre Egoist kooperiert.
lg hansgeorg
Antworten
#26
Das Schneefressen kann ein biologisches Bedürfnis sein, so wie Hans Georg schon schrieb, um bsw. Durst zu befriedigen und hier gibt es sinnvolle Mechanismen, die dafür sorgen, dass hier nur eingeschränkt, oder auch garnicht gelernt wird.
Ähnlich wie es bei der Fortpflanzungs-Motivation ist.
Unfälle beim Deckakt hindern den Rüden, oder die Hündin nicht daran, sich erneut zu verpaaren.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
Antworten
#27
(14.01.2013, 23:33)Thomas schrieb: ....
Kognition bedeutet nicht nur aus Erfahrungen zu lernen, sondern, und das eher besonders, aus Versuch und Irrtum, Einsicht, unbesusst usw....


Hier fließen sogar viele Formen des Lernen zusammen. Einsicht, Versuch Irrtum, Kovariation, bei den Kleinen auch Imitation, Assoziation, usw. aber alles ist Kognition.

Okay, nun bin ich erleuchtet freuen. Ich mu wohl einfach mein Verständnis von "Erfahrungen machen" und "aus Erfahrungen lernen" einschränken.

Da gute Hütehundetraining beruht übrigens zum Grosteil eben aus dieser Art des "Training", nämlich das bewusste Herbeiführen von Situationen, aus denen der Hunde selber die richtigen/ gewünschten Lehren zieht. Nur so hat man später einen intelligent gehorchenden Hund, der trotz allen Gehorsams seinen eigenen Kopf nicht ausschalten und Entscheidungen treffen kann.

Danke Euch, Fliege
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
Antworten
#28
Hallo Anja,
Du wirst mich hassen aber;

(04.02.2013, 21:48)Anja schrieb: Es ist nicht immer ganz einfach, die Situationen zu erkennen, in denen man vielleicht besser nicht konditioniert, sondern in denen man sich eine kreative Alternativlösung für kognitives Lernen einfallen lässt. Teilweise habe ich fast schon Reflexe, die dann eben wieder auf Konditionierung hinaus laufen, aber ich bin ja lernfähig.

Ein Fleischwurstjackpot ist nicht grade ein Reflex, denn sowas muss man vorbereiten lachen

Aber Spaß bei Seite;



(04.02.2013, 21:48)Anja schrieb: Heute konnte ich ihn im Durchstarten in Richtung Nachbarskatze stoppen und abrufen. Geschickterweise hatte ich einen Fleischwurstjackpot in der Tasche.

Kognition wendet man nicht nur bei Fehlverhalten an, sondern, und das sollte überwiegen, eher bei bei erwünschtem Verhalten.
Wenn Du also nur ein Fehlverhalten versuchst durch Kognition zu beeinflussen, dann läuft das ins Leere.
Solange Du mit Deinem Fleischwurstjackpot konditionierst, wird Dein Hund weiterhin bewerten können.
Was ist wichtiger, der Fleischwurstjackpot, oder das Jagen?
Jedoch gibt es den Fleischwurstjackpot wenn ich mich ein anderes Mal nach Deiner Nase orientiere!

Würde ich bspw. einen Hund von der Jagd abhalten können, dann würde ich mindestens eine halbe Stunde weiter laufen und dann alles geben, was ich geben kann.


(04.02.2013, 21:48)Anja schrieb: 10 Minuten später hatte er dann dafür einen Durchstarter ohne für mich sichtbaren Reiz direkt am Hundeplatz in Richtung Wisentgehege. Da farzte er einige Sekunden am Zaun entlang, ließ sich dann aber abrufen. Trotzdem großer Mist. Also angeleint, auf den Hundeplatz gegangen, man musste erst mal am Pflock warten. Longierkreis repariert, Bären longiert, und erst dann durfte das Bö mitmachen.

Ein sehr schönes Beispiel für Fehlverknüpfungen und menschliches Denken!
Da haben wir ein Fehlverhalten, das wird versucht durch emotionale und menschliche Vorstellungskraft zu konditionieren. Doch hier bietet die Konsequenz wieder die Möglichkeit abzuwägen, was sich lohnt.
Angepfloggt zu warten, ist kaum eine Strafe, da das Warten eine Alltagssituation darstellt.
Doch dann, und damit rechnen die wenigsten, kommt die Kognition, denn unbewusst wird registriert, dass es sich gelohnt hat und der zusätzliche Spaß erfolgt.
Nimmt man es genau, hast Du hier dafür gesorgt, dass Dein Hund schnell wieder durchstarten wird. Er wird nicht wissen warum, aber sein Unterbewusstsein, wird ihm sagen, dass es sich lohnt.



(04.02.2013, 21:48)Anja schrieb: Und dann ging ich ganz bewusst nochmal an dieselbe Stelle, wo er bei der Ankunft und 10 Minuten zuvor durchgestartet war, und siehe da, wieder ein Startimpuls. DIESMAL konnte ich ihn jedoch abbrechen, abrufen und Fleischwurst war GsD auch noch übrig.

Wo für diese Fleischwurst?
Glaubst Du ernsthaft, dass ein Hund mit Jagdmotivation, das Zeug bevorzugen wird?
Du lehrst Deinem Hund Schritt für Schritt, was er zu erwarten hat.
Deine Denkweise blockiert Dich absolut und Du wirst wieder in ein paar Jahren an meine Worte denken.

Das Du dann auch noch ein unerwünschtes Verhalten und einen Abbruch belohnst, will ich erst gar nicht so hoch holen.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
Antworten
#29
(10.02.2013, 02:59)Thomas schrieb:
(04.02.2013, 21:48)Anja schrieb: Und dann ging ich ganz bewusst nochmal an dieselbe Stelle, wo er bei der Ankunft und 10 Minuten zuvor durchgestartet war, und siehe da, wieder ein Startimpuls. DIESMAL konnte ich ihn jedoch abbrechen, abrufen und Fleischwurst war GsD auch noch übrig.

Wo für diese Fleischwurst?
Glaubst Du ernsthaft, dass ein Hund mit Jagdmotivation, das Zeug bevorzugen wird?
Du lehrst Deinem Hund Schritt für Schritt, was er zu erwarten hat.
Deine Denkweise blockiert Dich absolut und Du wirst wieder in ein paar Jahren an meine Worte denken.

Das Du dann auch noch ein unerwünschtes Verhalten und einen Abbruch belohnst, will ich erst gar nicht so hoch holen.

Das sehe ich in der Situation anders:
Belohnt wurde das letzte Verhalten: der Abbruch und das Zurückkommen.
Der erste Schritt in die richtige Richtung. Natürlich darf man an dieser Handlungsstelle nicht stehen bleiben, sonst lernt der Hund "Durchstarten und dann zurückkommen wird belohnt" und man bekommt einen Hund, der "Scheinattacken" ausführt, nur um an die Belohnung zu kommen.

Viel mehr muss man den Hund beim nächsten Mal schon bei den ersten Anstalten (Körpersignalen) zum Durchstarten zurückhalten und dafür belohnen. Verpasst man den Augenblick und der Hund startet durch, sollte der Hund beim erfolgreichen Abbruch und Zurückkommen wieder belohnt werden.

Und was die Frage betrifft: "Glaubst Du ernsthaft, dass ein Hund mit Jagdmotivation, das Zeug bevorzugen wird?"

Ich bin der Meinung: Ja.
Jagd diente in der Natur der Nahrungsversorgung. Bei unseren Haustieren ist Jagd vielleicht eher Spiel. Nach der Bedürfnis-Pyramide kommt zuerst "Grundbedürfnis" (wie z.B. Nahrung) und an vierter Stelle "Interaktion" (z.B. Spiel).

Fleischwurst ist Nahrung, für die man sich noch nicht mal anstrengen muss. Müsste also einen höheren Stellenwert haben, als Nahrung zu jagen.
Sieht man die Jagd als Spiel. müsste nach der Bedürfnis-Pyramide die Fleischwurst auch einen höheren Stellenwert haben.

Keine Ahnung, ob der Gedankenweg so richtig ist. Aber bei unserem Rüden hat es genauso funktioniert. Er kann nun bei der Ansicht von rennenden Hasen und Rehen bei uns sitzen/liegen ohne durchzustarten. Sein Körper ist zwar gespannt (für mich ein Zeichen der Erregung und des Zwiespalts) aber er startet nicht durch. Bei der Hündin geht das zwar auch, aber sie ist nocht nicht so zuverlässig in der speziellen Situation.
Gruß
Olivier
___________________________________
Ich will nicht kopieren. Ich will verstehen.
Antworten
#30
Hallo Thomas

Eigentlich hatte ich ja geglaubt, deine Vorgehensweise verstanden zu haben, auch wenn ihre Funktionsweise mir noch nicht ganz einleuchtet.
Deshalb hatte ich auch das leichte Gefühl, dass Anjas Beschreibung nicht ganz das ist, was du meintest.

ABER: Nun schreibst du, dass angepflockt zu warten kaum eine Strafe ist. Andererseits hast du letzte Woche einem Hundebesitzer empfohlen, den Hund
bei gewissem Fehlverhalten (Ausrasten bei Hundebegegnungen) einfach an einen Baum zu binden und wegzugehen.
Könntest du mir bitte erklären, warum du einmal ablehnst, was du im anderen Fall vorschlägst?

@ Olivier

Tatsächlich würde ich einige Dinge genauso sehen wie du.
Aber hier liegt ja der Unterschied zwischen Konditionierung und dem Lernen durch Kognition.
Und hier geht es um die Kognition, die mit dem unmittelbaren Fleischwurstjackpot nicht viel zu tun hat.
Auch ich habe noch immer so meine Schwierigkeiten, die Methode von Thomas komplett zu durchblicken. Fakt ist einzig und allein, dass sie wohl funktioniert.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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