Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Wieso ist der Husky an der Leine ?
#1
(18.08.2012, 17:51)Gerti schrieb: Ich hab`grad überlegt, aber tatsächlich kenne ich keinen Husky ohne Leine.
Jetzt würde mich aber schon interessieren, warum das so sein muss.

Kannst du vielleicht mal in einem separaten Thread was dazu erklären?


oft hört man hundehalter fragen wenn sie einen mit einem husky sehen:
können sie den denn nicht von der leine machen ? kopfkratz

nun, na klar kann man das...klar kann man einen husky so erziehen das er von der leine gelassen werden kann. es gibt einige die das sogar filmisch beweisen wie:





man beachte das ich das wort kann über dem video fett und unterstrichen geschrieben habe.


denn die regel ist dies aber nicht, es liegt auch nicht daran das huskybesitzer zu blöd dazu wären ihren husky so zu erziehen das man ihn frei laufen lassen kann.

nur eben ständig oft und viel kann man sie nicht laufen lassen. diesen umstand verdankt man ganz simpel der zucht und der selektion dieser rasse was nicht nur unbedinkt auf husky´s zutrifft sondern auf einige andere nordische rassen auch noch.

die selktion und zucht war nie auf einen perfekten gehorsam und zusammenarbeit mit dem menschen ausgerichtet sondern die schwerpunkte lagen eher in den gebieten des bewegungstrieben und dem jagdtrieb, der unempfindlichkeit gegen extreme wetterbedingungen im winter, genügsamkeit, sehr gute futterverwerter, eine gewisse härte und unempfindlichkeit gegen schmerzen.

jede hunderassen hat ganz bestimmte eigenschaften an sich die man ihm kaum beibringen muss sondern die viel mehr nur gelenkt werden müssen.
beim husky ist es das laufen respektive das ziehen, auch die entsprechenden komandos für die zugarbeit sind diesen hunden sehr schnell beizubringen. die stärke eines husky´s ist seine selbstständigkeit wobei er vor seinem menschen arbeitet und dabei nur die ohren bei seinem menschen hat.

der blickkontakt zum menschen, das dem menschen gefallen wollen sind dinge die einem husky völlig abgehen. dagegen stehen ein extremer selbstständiger jagdtrieb, ist er erst einmal in gang geraten ist er kaum noch abbrechbar und wird bis zum ende abgespuhlt.

dieser jagdtrieb und das nicht vorhanden sein dem menschen gefallen zu wollen verhindern nun die leichte flockige erziehung die aus einem husky einen hund machen die einem am bein kleben oder die man mal eben aus 50 meter entfernung am mauseloch abrufen kann.

ein husky besitzt keinen will to pleace, er hat den desire to go
der husky ist kein allrounder, er ist ein spezialist auf seinem gebiet. haltungsfehler führen schnell zum desaster und ein solcher hund entwickelt sich zum albtraum für den halter.

immer wieder tauchen hundehalter in foren auf mit der frage was muss ich tun um meinen husky freilauf gewähren zu können.
dann kommt es wie aus der pistole geschossen von fast allen: lass die leine dran !!!
nun könnte man meinen die menschen wäre alle zu blöd für eine vernüftige erziehung aber dem ist nicht so. der gehorsam im freilauf kollidiert ganz einfach mit den gegebenen eigenschaften der rasse.
der husky muss im freilauf ständig unter kontrolle gehalten werden damit er einem nicht von der stange geht. entlässt man ihn aus dem gehorsam geht er seiner eigenen wege und wird sich selbst beschäftigen. man darf gewiss sein das er etwas finden wird, die starke jagdleidenschaft lässt ihn auch in der ferne nach interessanten dingen suchen. hat er dabei einmal etwas gefunden was seine ganze aufmerksamkeit fesselt hört er nichts mehr um sich rum. dann ist es aber schon zu spät für den halter ihn jetzt noch zu kontrollieren...

diese lektionen lernen viele schon sehr früh, hundetrainer versuchen sich daran aber wenn die erfahrung fehlt ist dort aber genauso mit wenig erfolg zu rechnen.
viele huskybesitzer mussten diese erkenntnis schon teuer bezahlen, teilweise mit dem tod ihres hundes. (durfte ich erst letztens wieder erleben)

kontrollierter freilauf in passendem gelände mit vernüftiger erziehung als grundlage des freilaufs sind möglich. aber bitte nie denken weil man einen husky ohne leine sieht und der auch noch gut hört das wäre ganz und gebe bei dieser rasse. weit gefehlt, husky´s die hier super funktionieren sind eher als ausnahme anzusehen.
es ist wie immer...es gibt ausnahmen. nicht jeder hütehund ist auch ein guter hüter usw.
Antworten
#2
Danke für die ausführliche Erläuterung.
Das Ganze muss ich mir jetzt erstmal durch den Kopf gehen lassen.
Aber eins weiß ich schon jetzt: Nix für mich. mit Augen rollen
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
Antworten
#3
gerti, einen nordischen hund aufzunehmen heisst sich viel verantwortung aufzuladen. das gilt für viele nordische hunderassen.

es gibt aber noch andere hunderassen die einen ähnlichen status der besonderen verantwortung an den halter stellen, wie zum beispiel der coban köpegi oder die owtscharki. alles rassen die die sich nicht für jeden eignen lachen
Antworten
#4
Danke für den ausführlichen Bericht.

Ich habe mein Joschi darin wiedergefunden. Er ist zwar kein Nordischer, aber auch er war und ist ohne Leine nur schwer zu kontrollieren, da er durch sein Terrier Erbe sehr eigenständig ist und auch eben kein Hund der gefallen will.

Ich denke es gibt außer bei den Nordischen Rassen noch eine ganze Reihe weitere Rassen die man ohne Leine nicht laufen lassen kann, weil es ihre Rassetypische Veranlagung ist. Dazu zählen meiner Meinung nach auch die Windhunde und eben auch einige Terrier.
Es Grüßen Nicole
mit

[Bild: 9932221ukt.jpg]
Antworten
#5
und der Beagle ... lachen lachen

das größte Problem ist meiner Meinung nach,
dass viele Hundehalter sich einfach nicht schon VOR der Anschaffung des Hundes ehrlich mit den rassetypischen Eigenschaften und Bedürfnissen auseinandersetzen ... traurig
LG,
Ulrike.

[Bild: a010.gif] [Bild: a010.gif]
Antworten
#6
(20.08.2012, 09:55)Trailer schrieb: das größte Problem ist meiner Meinung nach,
dass viele Hundehalter sich einfach nicht schon VOR der Anschaffung des Hundes ehrlich mit den rassetypischen Eigenschaften und Bedürfnissen auseinandersetzen ... traurig

korrekt, oft endent es dann in der abgabe des hundes. rassetypischen verhaltensweisen eines hundes, bedingen überhaupt mit die meisten probleme im zusammenleben zwischen mensch und hund...
Antworten
#7
Ja Leider machen sich viele Hundehalter vor der Anschaffung eines Hundes zu wenig Gedanken um dessen Bedürfnisse und schauen bei Auswahl des Hundes viel zu sehr auf das äußere und wenig nach den Rasse spezifischen Eigenschaften. Und so endet die Mensch - Hund Beziehung oft in ein Desaster, wobei der Vierbeiner dann meist den kürzeren zieht und dann im Tierheim landet.
Es Grüßen Nicole
mit

[Bild: 9932221ukt.jpg]
Antworten
#8
Aus meiner Sicht gibt es viele Rassen, denen man ganz klar die Eigenschaft zusprechen muss, dass sie nicht unbedingt auf Kooperation mit dem Menschen selektiert wurden, sondern durchaus dafür, eigene Entscheidungen zu treffen.

Für mich gilt bei diesen Hunden eine ganz wichtige Erkenntnis: Der Mensch, der sie führen möchte, muss seinem Hund vom ersten Tage an viele gute Gründe liefern, warum es sich lohnt, sich an ihm zu orientieren. Wenn ich dann parallel dazu sehe, wie Menschen mit Welpen umgehen, wie sie mit Hunden umgehen, die aus zweiter oder dritter Hand neu zu ihnen kommen, dann sehe ich oft wenig Gründe für einen auf Eigenständigkeit selektierten Hund, seinem Menschen zu folgen.

Habe ich also einen Hund einer eigenständig denkenden Rasse ausgewählt, dann muss ich mir GLEICH überlegen, wie ich an die Erziehung heran gehe, und gerade in der ersten Zeit genau wissen, was ich tue und wie ich kommunizieren, um ausreichend respektiert zu werden, dass die eigenen Entscheidungen des Hundes nicht über meine gestellt werden.

Auch der Hovawart ist durchaus ein Hund, der dazu gemacht ist, nicht zu fragen, sondern zu handeln. Dennoch halte ich ihn im Bezug auf einen Husky oder einen Herdenschutzhund für durchaus kooperativ und im Verhältnis deutlich leichtführiger.

Komme gerade von der Arbeit mit einem 15 Monate alten Pyreneenberghund, der Samstag den Besitzer gewechselt hat. Habe mich seiner neuen Familie nachgerade aufgedrängt, gleich heute und nicht erst in einer Woche zu arbeiten, da ich schon ahnte, dass sie ihn erst mal "ankommen lassen" würden, um dann nächste Woche ein "Erziehungshalsband" (Stachelwürger mit Gumminoppen), das schon bestellt ist, drauf zu machen. Der im Haus befindliche Welpe wird schon mit einem "Erziehungsgeschirr" gassi geführt, das sind die Dinger, die sich unter den Achseln schmerzhaft zusammen ziehen und den Hund so zur Leinenführigkeit bewegen sollen.

Ich hoffe, dass ich diesen Menschen klar machen konnte, wie sie vorgehen sollten, um dem Hund zu kommuniziren, dass es sich für ihn lohnt, sich an ihnen zu orientieren, und dass es unangenehm wird, wenn Signale überhört werden.

Die ersten Minuten mit Menschen und Hund sahen dann so aus, dass gefühlte 100x der Hundename gesagt, gerufen, gebrüllt wurde, manchmal in Verbindung mit "hier", aber alles wurde überhört und blieb konsequenzenlos. Dann wurde er auf meine Ansage hin eingesammelt, und beim Wegführen vom Ort des Interesses wieder ständig hier gesagt und dabei am Halsband geruckt...

Ich hoffe, die starke Stunde, die ich dort war, konnte das Bewusstsein ändern, wie welche Kommunikation ankommt, und was der Hund daraus folgert. Und ich hoffe, dass das dämliche Erziehungshalsband wieder umgetauscht wird, und auch das Erziehungsgeschirr bei dem Welpen verschwindet. *grummel*

Diese Menschen haben früher Kuvacz gezüchtet. Das impliziert bei vielen "ich habe Ahnung, ich muss nichts mehr lernen". Deshalb war auch die Dame des Hauses bei unserer Arbeit mit dem Hund nicht dabei, obwohl sie anwesend war. Es gibt Dinge im Leben, die muss ich nicht verstehen.

Hier auf unserer Hundewiese läuft auch ein Husky frei. Er rennt permanent zu den vielen Hunden hin, die dort sind, Herrchen nutzt das Knistern einer Futtertüte, um ihn anzulocken, mal klappt es, mal nicht. Der Hund kommt dann, wenn er alles gecheckt hat, wenn er fertig ist. Der Bub ist verträglich, daher stört es kaum einen, aber erzogen ist er definitiv nicht. Ansonsten sehe ich auch hier alle Huskys an der Leine.

Ich frage mich immer, mit welcher Motivation schaffen sich Menschen Huskys an, wenn sie nicht wirklich Zughundesport betreiben, oder eben täglich stundenlang wandern gehen. Aber auch für letzteres gibt es aus meiner Sicht passendere Begleithunde, die für das hiesige Klima geeigneter sind, und deren Kooperationsbereitschaft für die Ansprüche der hiesigen Gesellschaft an die Erziehung eines Hundes adäquater sein könnte, als die eines Huskys.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
Antworten
#9
Danke Anja für deinen tollen Bericht. freuen

Hätte ich vor 14 Jahren das gewusst was ich heute weiß, dann hätte ich bestimmt es besser hin bekommen meinen Joschi den Freilauf zu ermöglichen. Leider hatte bei ihm weder eine private Hundetrainerin noch der Hundeplatz was genutzt. Ich bekam damals zu viele Unterschiedliche Anweisungen wie das machen sollte und stand letztendlich alleine mit dem Hund da.

Heute würde ich mir einen kompetenten Hundetrainer suchen, wenn ich nicht mehr weiter weiß und würde von Anbeginn mit viel mehr Kommunikation arbeiten.

Trotz den vielen Schwierigkeiten denke ich das Joschi und ich doch ein gutes Team geworden sind.
Es Grüßen Nicole
mit

[Bild: 9932221ukt.jpg]
Antworten
#10
Auch ich würde heute vieles anders machen, und ich wurde schon vor 10 Jahren Trainerin, als der Bär grad mal 1 Jahr alt war. Man lernt nie aus und ständig dazu, wenn man offen bleibt.

Leider kenne ich viele Leute, die schon X Hunde hatten, aber keinen von ihnen je verstanden haben geschweigen denn sich ihnen verständlich machen konnten und wollten. Fehler macht jeder, aber man sollte daraus lernen.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
Antworten




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste