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Unsere Gefühle VOR der Regenbogenbrücke
#31
Ich habe bisher nichts in dem anderen Thema geschrieben, weil ich etwas anderer Meinung bin.
Ich sehe es eher entgegen gesetzt der Meinung von Thomas. Wenn nichts mehr geht, dann ist definitiv der richtige Zeitpunkt, denn dann sollte sich keiner noch quälen müssen. Aber gehören Altern und Sterben nicht zum Leben dazu? Das sind ganz natürliche Sachen. Es gibt ja auch Sterbebegleitung. Sicher ist das schwer und man steckt nicht in dem Tier drin. Aber wer entscheidet, wann ein Leben nicht mehr lebenswert ist? Wann ist es das nicht mehr?
[Bild: IMG_0206.jpg][Bild: IMG_0792.jpg][Bild: IMG_0608.jpg][Bild: IMG_0318-1.jpg][Bild: IMG_0010-1.jpg]

Urteile nie über einen Menschen, bevor du nicht 10 Meilen in seinen Schuhen gelaufen bist...
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#32
(08.03.2013, 21:42)Paeuli schrieb: Wenn nichts mehr geht, dann ist definitiv der richtige Zeitpunkt, denn dann sollte sich keiner noch quälen müssen. Aber gehören Altern und Sterben nicht zum Leben dazu?

Hallo Sandra,
Leid und Schmerz gehören auch zum Leben dazu, doch muss man diesen deswegen aushalten?
Wenn sich mein Hund verletzt, dann gehe ich auch nicht erst zum Tierarzt, wenn er nicht mehr aufstehen kann.
Dem Tod in die Augen zu blicken kann nur dann schön sein, wenn man an ein Leben nach dem Tod glaubt, andernfalls beendet es alles, nicht ohne Grund gibt es den Willen zum Überleben, der Höchstleistungen hervorrufen kann.
Doch was rechtfertigt diesen aussichtslosen Kampf mit der Zeit?

Träumen nicht die meisten Menschen davon, nachts einzuschlafen und nicht mehr auf zu wachen?
Mir ist niemand bekannt, der sagt, "legt mich an die Maschinen und haltet mich wach!"

Diagnose "Sterben" und die Verhaltensweisen beim Menschen sowie bei Hunden sind gleich!
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#33
Hallo,

berufsmässig habe ich mich recht viel mit diesem Thema beschäftigt. Es gehört zum Alltag, auch wenn ich es selbst nach 15 Jahre nicht alltäglich empfinde.

Es ist ein sehr weites Feld, alleine zum "Wenn nichts mehr geht" gibt es so viele unterschiedliche Abstufungen der Wahrnehmung. Das "nichts geht mehr" von Herrn Müller unterscheidet sich vom "nichts geht mehr" von Frau Meier und ganz definitiv vom "nichts geht mehr" von mir.
Auch das Empfinden des Leides des Tieres ist sehr subjektiv.

Manchmal werden wir zu Tieren gerufen, um sie zu erlösen und ich lehne ab. Weil meiner Empfindung nach das Tier nicht leidet bzw das Leiden behoben oder gelindert werden kann, mit Mitteln, die ich als machbar empfinde. Manche Menschen sind dann froh einen Weg gezeigt zu bekommen, andere rufen den nächsten Tierarzt an.

Manchmal werden wir zu Tieren gerufen und sind schockiert, wie lange es aushalten musste und was seine Besitzer als "erträglich" erachten.

Manchmal werden wir zu Tieren gerufen, deren Leid ich noch erträglich empfinde, aber das Leid der Besitzer für nicht zumutbar halte.
Manchmal auch zu Tiere, die erlöst werden müssen, deren Besitzer aber ihr eigenes Leid nicht ertragen wollen. Diese müssen wir dann überzeugen.

Der Tod ist ein Teil vom Leben und nichts macht mich trauriger, als ein Tier, um das niemand trauert oder das sogar einfach alleine bei uns gelassen wird. Leidet das Tier, bin ich froh, wenn ich ihm helfen kann.

Fliege
Ein Experte ist eine Person, die jeden möglichen Fehler in einem sehr begrenzten
Arbeitsfeld schon einmal gemacht hat.
Niels Bohr
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#34
Alles, was ich nun schreibe, möchte ich bitte unabhängig zum aktuellen Fall und als meine persönliche Einstellung verstanden wissen.

(08.03.2013, 23:05)Anja schrieb: Ein alter Mensch, dem es schwer fällt, aus dem Sessel aufzustehen, um aufs Klo zu gehen, kann dennoch noch Lebensfreude und Lebenswillen haben.

Ohne Zweifel, ja, das kann er haben.
Aber ein Mensch hat unendlich viele Möglichkeiten Lebensfreude und - -qualität zu erleben.
Durch Bücher, Fernsehen, Gespräche mit lieben und unlieben Menschen, Beschäftigungen mit Hobbies uvm.
Das alles hat ein Hund nicht. Und hier stellt sich mir die Frage, wo wir die Lebensqualität eines Hundes festmachen.
Für mich gehört erheblich mehr dazu, als nur noch Notdurft verrichten und Fressen.

Die weitere Frage ist, was ich meinem Hund zumuten möchte.
Dieser Hund, der mich über Jahre hinweg begleitet hat, der lebensfrohe, vertrauensvolle und vielleicht auch stolze Partner,
muss er täglich auf`s Neue erleben, wie wenig von ihm noch übrig geblieben ist?
Dass die selbstverständlichsten Dinge nur noch unter absoluter Anstrengung, mit Hilfe oder gar unter Schmerzen zu bewältigen sind und viele überhaupt nicht mehr?

Die Frage nach den Schmerzen will ich gar nicht stellen. Fast jeder behauptet, er würde merken, wenn sein Hund Schmerzen hat.
Und wie viele irren sich da....

Ich möchte euch gerne Erzählen, wie es bei meinem ersten Hund Gustl war.
Mit 8 Jahren bekam sie einen nicht zu überhörenden Husten.
Eine Röntgenaufnahme zeigte, dass ihre Lunge zu ca. einem Drittel verkrebst war.
Wie immer bei wichtigen Dingen holte ich eine zweite Diagnose ein, die aber das gleiche Resultat erbrachte.
Ich ließ mir von meiner TÄ den Krankheitsverlauf beschreiben und nach einer schlaflosen Nacht
habe ich entschieden: NEIN, das mute ich meinem Hund nicht zu.

Sie wird nicht zunehmend an Atemnot leiden müssen, sie wird nicht den immer quälenderen Husten erleiden müssen
und besonders wird sie nicht, wenn ich zur Arbeit bin, allein daheim Erstickungsanfälle bekommen und vielleicht Todesängste haben müssen.

Also habe ich mir 2 Wochen Urlaub genommen, diese Zeit voll und ganz meinem Hund genossen und am Ende dieser Zeit
kam die TÄ zu uns und wir ließen Gustl gehen.
Sie litt noch nicht, sie hustete nur, doch es war eine Frage der Zeit, dass sie sich quälen würde.

Vielleicht sagt ihr jetzt, dass ich vorschnell war. Doch ich wollte, dass mein Hund in wirklicher Würde abtritt und nicht erst,
wenn nichts mehr geht.

Und zum Schluss noch ein Gedanke, für den mich manche steinigen werden.
Wie oft wird der Satz gesagt: Mein Hund wird mir sagen, wann er bereit ist zu gehen.
Dieser Satz ist für mich Feigheit vor der Entscheidung, die Verantwortung für den letzten Schritt zu übernehmen.
Es wird oftmals hinaus gezögert und hinaus gezögert, bis der Hund in vollkommener Würdelosigkeit gar nichts mehr hinbringt.
Dann ist er ganz sicher bereit.

Sorry, aber ich habe das schon so oft erlebt und immer hat es mir fast das Herz zerrissen.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#35
Ich kann mich da in jeder Zeile anschließen.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#36
Was Lebensqualität eines Hundes ist, sehe ich genau so sich verlagernd, wie ich es bei einem Menschen sehe.

Als junger Mensch ist es eine durchtanzte Nacht in der Disco bis zum Morgengrauen, im Alter ist es ein gemütlicher Abend bei einem gepflegten Glas Rotwein vor dem Kamin mit einem tollen Buch oder guten Gesprächen in angenehmer Runde.

Bär kann nicht mehr sein Be apportieren, aber er kann noch Zeitung lesen, er genießt das Schmusen sehr intensiv, was er früher kaum brauchte und wollte. Er freut sich über besondere Leckerbissen, was ihm nie so wichtig war. Er schläft viel mehr, was einen Tag völlig anders aussehen lässt.

Ich finde, man kann sehen, ob ein Tier zufrieden ist, oder nicht. Auch kenne ich Hunde, die jung und gesund sind, aber nicht zufrieden aussehen und nie strahlen.

Für mich findet bei der Entscheidung für oder gegen den Tod eines Lebewesens noch eine völlig andere Ebene Beachtung, für die mir hier nun sicher einige Menschen den Vogel zeigen werden. Die spirituelle Ebene. Aber ich stehe dazu, dass ich so ticke, und ich habe gelernt zu respektieren, dass diesbezüglich ein jeder einen anderen Reifegrad hat, auf dessen Basis er seine Entscheidungen treffen muss.

Deshalb ist für mich der Moment, an dem mein Hund bereit ist, zu gehen, nicht zwingend derjenige, wenn er gar nicht mehr kann, sondern derjenige, wenn er für sich so weit ist. Und ich bin davon überzeugt, dass er genau weiß, welche Möglichkeiten wir haben, ihm dabei zu helfen.

Ich könnte einen Hund niemals so vorausschauend einschläfern, wie Gerti das mit Gustl getan hat. Dennoch würde ich dieses Vorgehen auch nicht verurteilen. Jeder hat die Verantwortung für sein Tier alleine in den Händen. Und jeder muss mit dem, was er tut oder nicht tut, ein Leben lang umgehen. Das ist das Entscheidende, weswegen ich hier niemals werten wollen würde.

Dass jemand anders sieht, handelt, denkt als ich, bedeutet nicht, dass es besser oder schlechter ist. Es ist eben ANDERS.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#37
Aus aktuellem Anlass, möchte ich hier nochmal ein Thema aufgreifen.

(24.04.2013, 12:34)Anja schrieb: Ich bin der Meinung, Coffie sollte beim Einschläfern dabei sein. Es wird hier zuhause stattfinden. Aus meiner Sicht möchte ich ihm das erklären, und ich bin davon überzeugt, dass er das für sich selbst auch braucht, um zu verstehen, dass sein großer Bär ab Freitagnachmittag nicht mehr hier ist.

Mein Mann hat Bedenken, Coffie könnte das traumatisieren.

Wie würdet Ihr das entscheiden?

Offensichtlich bin ich wohl eher alleine mit meiner Meinung, was zwar nicht schlimm ist, aber ich Euch gerne meine Bewegnisse und Erfahrungen schildern möchte.

Unsere Hunde sind nahezu gleichberechtigt in unserer Familie intigriert. Es ist an einer Hand abzuzählen, wann unsere Hunde mal alleine bleiben müssen.
Sie freuen sich mit uns, aber sie leiden auch mit uns. Den Hunden wird oft vieles abgesprochen, oder er wird einfach in seiner sozialen Kompetenz unterschätzt.
Wenn ich mal traurig bin, dann verhalten sie sich anders. Sie sind als würden sie es einfacher machen wollen, zuvorkommender und spenden Trost.

Ist bei uns ein Hund verletzt, dann wird dieser nicht übergangen, oder gar versucht, sich Vorteile daraus zu machen. Ebenso verändert sind die anderen Hunde, wenn ein Hund krank ist.

Ich vermute ganz stark, dass Hunde auch unterschätzt werden, wenn es um Verluste geht.

Schmerzen machen stark, dass weiß jeder, der schon physische, oder psychische Schmerzen erleiden musste. Wie viel Hilfe und in welcher Form der einzelne benötigt, wäre ein anderes Thema.
Wir haben schon mit vielen Hunden gearbeitet, die mit dem Verlust nicht klar kamen, was natürlich auch unterschiedliche Gründe haben kann, aber grade deshalb denke ich auch, dass man, so wie man die Möglichkeit hat, seine(n) Hund(e) dazu holen sollte, wenn es für einen zur Erlösung kommt.


Berechtigt ist natürlich die Kritik, dass man diesen Moment allein dem Erlösenden widmen sollte, doch auch hier denke ich, dass unsere Hunde so stark zusammen gehören, dass der Erlösende Hund sich wohler fühlen würde, wenn die Familie komplett zusammen anwesend ist.

Aus über 40 Jahren Zucht, die ich miterlebte und selbst züchtete, schliefen uns 5 Hunde ohne Euthanasie ein. Einer davon war ein Einzelhund, die Hündin versteckte sich zum Sterben im 20.000 m² großem Garten.
Die anderen, die immer mit mehreren Hunden lebten, schliefen in ihren Betten ein.




Wie ein Hund damit umgeht, wenn ein anderer Hund aus der Familie einschläft, mag sehr unterschiedlich sein, für uns Menschen sehr verwirrend erscheinen, aber so eine Situation spricht für sich und es beinhaltet nun mal das Leben.


Meine Ausnahme für mich wäre dann gegeben, wenn es ein sehr junger Hund wäre, bzw. wenn ein Hund noch nicht so lange in unserer Familie lebt.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#38
Bei unseren 2 Hunden war es nur bei Scotty eine zeitliche Entscheidung. Skipper ging es schlecht, jede Minute war eine Qual, wir haben ihm Leid erspart und bei Scotty mussten wir selber den Zeitpunkt festlegen genau wie Anja.
[Bild: 5178377.jpg]

Liebe Grüße,
Jasmin und die spanische Bande!

Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht!
Heinz Rühmann




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#39
(03.04.2012, 21:44)Omi schrieb: Aber was ist, wenn der Hund in die Jahre zwar gekommen ist und wir wissen, rein biologisch haben wir mit unserem langjährigen Lebensgefährten vielleicht noch 1-2 Jahre, aber gesundheitlich keine altersbedingten weiteren Auffälligkeiten zu bemerken sind.

Das Fell glänzt, aber der Hund ist oft apathisch, ist es altersbedingt normal, oder ein Alarmzeichen?

Gefolgt von teilweise Appetitlosigkeit, unregelmäßigen Lösungsvorgängen ... alles normal altersbedingt, oder sind wir Besitzer an einem Punkt gekommen, an dem wir entscheiden müssen?

Es gibt viele tolle Mittelchen, für Mensch und auch Tier, bei denen der Schmerz unterdrückt wird und Lebensverlängerungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Aber will ich es bewusst für mein Tier?, oder sollte ich es einfach geschehen lassen , oder sollte ich/wir es befreien?

Oder doch alles normale ALTERSBEDINGTE Erscheinungen/Veränderungen?
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#40
Mit etwas Abstand kann ich hier nun sagen, dass ich keine der getroffenen Entscheidungen bereue.

Weder die Tatsache, dass Sherlock eine relativ lange Pflegezeit bekommen hat, während der er immer weniger konnte, während der wir ihn immer mehr unterstützen mussten, aber während der er aus unserer Sicht und auch auch der Sicht etwas weiter außen Stehender keine Einbußen in Sachen Würde und Stolz hatte.

Auch fühle ich mich nach wie vor auf der richtigen Seite damit, dass wir Coffie während der Zeit des Einschläferns im Auto warten ließen, und ihn erst danach dazu holten. Die Verbindung zwischen den beiden Hunden war distanziert, der Bär hat dafür gesorgt, dass Coffie sich an uns bindet und weniger an ihn. Daher können wir jetzt mit Coffie ganz normal weiter leben.

Hätten die Hunde länger zusammen gelebt als nur 8 Monate, wären sie eine engere Verbindung eingegangen, dann fände ich Thomas' Gedanken angebrachter.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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