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Das Hundetrainer Lexikon
#11
(28.06.2011, 14:21)Gerti schrieb: Führung

...

Für mich bedeutet Führung nicht, die permanente "Befehlsgewalt" auszuüben. Es bedeutet für mich eher, dass ich durch Kompetenz, Vertrauen, Sicherheit u.v.m., dem Hund die Gewissheit gebe, dass es für ihn vorteilhaft ist, sich an mir zu orientieren.

Ich würde Deiner Beschreibung auch noch eine Portion Konsequenz hinzufügen. Ansonsten sehe ich es ähnlich.

Bei unseren Hunden ist es beispielsweise so, dass Thomas da ganz klar die besseren Qualitäten hat.

Die Hunde sind bei uns beiden gern.
Gehen Thomas und ich aber auf einem neutralen Feld in zwei verschiedene Richtungen ohne die Hunde zu manipulieren, dann würden sie wohl eher mit mir kommen.
Sind wir aber beispielsweise in der Stadt o.ä. ziehen sie eindeutig Thomas vor und fordern es fast ein, an seiner Seite zu gehen.







Schöne Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Susann


Wende Dein Gesicht der Sonne zu und Du lässt die Schatten hinter Dir.


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#12
Der Beschreibung von Gerti kann ich mich voll anschließen.

Konsequenz ersetze ich gerne durch Beharrlichkeit.

Meinen Kunden rate ich von diesen "er muss immer, er darf nie" Geschichten ab und motiviere sie aber, das, was sie im jeweiligen Moment wollen oder nicht wollen, in jedem Fall durchzusetzen, sofern es fair und angebracht ist bzw. der Hund es kann.

Würde gerne mal ein besseres Wort für Führung finden. Dominanz ist es für mich nicht. Ein reines Anleiten ist es auch nicht. Es ist eher eine Mischung aus vielem. Vor allem ist es für mich ganz offensichtlich, dass jemand, der wirklich führt, für vieles einen Plan hat bzw. sehr spontan planen bzw. auch umplanen kann.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#13
Für mich hat Führung eine Menge mit Klarheit zu tun. Jemand, der seinen Hund permanent vollblubbert, macht ihm beispielsweise die Orientierung an seiner Sprache völlig unmöglich. Wenn dies - was ich häufig beobachtet habe - gleichzeitig noch mit körperlichem Rumgehampel bzw. Rumgefingere am Hund einhergeht, fällt damit auch noch die Orientierung an der Körpersprache flach.

Ich habe in meinen Trainingsstunden oft erst mal daran gearbeitet, den Leuten das (Dauer-)Reden abzugewöhnen. Für viele Hundebesitzer, die ihren Vierbeiner als Partner verstehen, ist es unglaublich schwer, sich im Umgang mit ihm von dem Bedürfnis zu lösen, sich mit ihm wie mit einem Menschen unterhalten zu wollen.

Ebenfalls relevant für Führungsqualität ist nach meiner Überzeugung das eigene Selbsbewusstsein. Ein Mensch, der sich seiner selbst sicher ist, der weiß, was er kann und wer er ist, muss im Umgang mit dem Hund weder rumbrüllen (wie oft auf Schutzdienstplätzen zu beobachten) noch wird es ihm schwer fallen, von seinem Hund die Ausführung von Anweisungen einzufordern. Wer unbewusst Angst davor hat, die Zuneigung seines Hundes zu verlieren, wenn er etwas von ihm fordert, wird kaum ausreichend klar und konsequent agieren können, um die Umsetzung beim Hund zu erreichen.

In meinen Augen beantwortet das auch die Frage nach dem Maß an Führung, die ein Hund benötigt. Wer (selbst-) unsicher ist, neigt nach meiner Erfahrung stärker dazu, alles kontrollieren zu müssen, was der Hund tut. Sich darauf verlassen, dass der Hund auch im Stande ist, bestimmte Dinge selbst zu regeln, setzt sowohl Zutrauen in den Hund selbst als auch Zutrauen in die eigenen erzieherischen Qualitäten und die eigene Stärke voraus.

Jutta

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#14
Hallo Jutta


(05.07.2011, 10:24)Jutta schrieb: Ebenfalls relevant für Führungsqualität ist nach meiner Überzeugung das eigene Selbsbewusstsein.


Heißt das im Umkehrschluss für dich, dass ein Mensch mit mangelndem Selbstbewusstsein, niemals in der Lage sein wird, seinem Hund eine angemessene Führung zu geben? Gibt keine Beispiele, die das Gegenteil belegen?

(05.07.2011, 10:24)Jutta schrieb: In meinen Augen beantwortet das auch die Frage nach dem Maß an Führung, die ein Hund benötigt. Wer (selbst-) unsicher ist, neigt nach meiner Erfahrung stärker dazu, alles kontrollieren zu müssen, was der Hund tut. Sich darauf verlassen, dass der Hund auch im Stande ist, bestimmte Dinge selbst zu regeln, setzt sowohl Zutrauen in den Hund selbst als auch Zutrauen in die eigenen erzieherischen Qualitäten und die eigene Stärke voraus.

Ich würde jedoch behaupten, dass sich das Maß an Führung auch noch an der Individualität des Hundes selbst (z.B. rassebedingte Eigenschaften, unsicherer/ souveräner Hund uvm) festmachen sollte. Sprich: das Zutrauen in den Hund begründet sich nicht ausschließlich in den eigenen Fähigkeiten.
Hier ist wohl einiges an Fingerspitzengefühl gefragt.


Schöne Grüße

Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#15
Bin zwar nicht Jutta, aber ich kann auch ihren Text unterschreiben.

Menschen, die von Haus aus selbstbewusst sind, KÖNNEN es leichter haben mit Hunden und der Führung, weil sie oft eine völlig andere Ausstrahlung haben, als jemand, der eher unsicher ist. Dennoch beobachte ich auch häufig das Phänomen, dass gerade Menschen, die im Berufleben sehr gut und souverän führen müssen, in der Freizeit mit ihrem Hund genau das Gegenteil haben wollen. So frei nach dem Motto, führen muss ich ja schon im Job, mit dem Hund will ich einfach nur Kumpel sein.

Unsichere Menschen, die sich auf meine Arbeit einlassen können, lernen über die Kommunikation mit dem Hund zuweilen, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen auch im Alltag ohne Hund aufzubauen und zu leben. Bei manchen habe ich den Eindruck, sie haben den Hund deshalb bekommen, um genau daran zu arbeiten. Es fällt deutlich leichter, diesen Bereich mit einem Hund zu trainieren, als mit Menschen. Wenn es denn dann erst mal im Kopf klick gemacht hat.

Man sollte zunächst einmal wollen wollen. zwinkern

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#16
Hallo Gerti,

(05.07.2011, 10:24)Jutta schrieb: Ebenfalls relevant für Führungsqualität ist nach meiner Überzeugung das eigene Selbsbewusstsein.
(05.07.2011, 10:24)Gerti schrieb: Heißt das im Umkehrschluss für dich, dass ein Mensch mit mangelndem Selbstbewusstsein, niemals in der Lage sein wird, seinem Hund eine angemessene Führung zu geben? Gibt keine Beispiele, die das Gegenteil belegen?

Nicht zwingend. Nach meiner Erfahrung hängt der Erfolg stark davon ab, wie gut sich Leute reflektieren. Sobald jemand sich selbst zugesteht, dass er nicht der geborene Leitwolf ist, kann er nämlich ganz bewusst an bestimmten Fähigkeiten arbeiten. Und ernsthafte Arbeit zeigt immer Erfolg. Und wie in der Schule ist es auch im Führen von Hunden so, dass die besseren Leistungen nicht unbedingt von den begnadeten Genies erbracht werden, sondern von denen, die sich ihr Wissen erarbeiten müssen.

Schwierig wird es, wenn jemand von seinen (angeborenen) Führungsqualitäten überzeugt ist, ohne sie zu haben. Das ist ein wenig so, wie wenn jemand, der am Liebsten lesend auf der Couch hockt, sich eine Rasse zulegt, die ausgiebig Bewegung braucht. Auch hier ist primär der Wunsch der Vater des Gedanken, und mit dem Kauf eines bewegungsintensiven Hundes glaubt/hofft/wünscht man unbewusst, auch selbst in Bewegung zu kommen freuen

Zitat:Ich würde jedoch behaupten, dass sich das Maß an Führung auch noch an der Individualität des Hundes selbst (z.B. rassebedingte Eigenschaften, unsicherer/ souveräner Hund uvm) festmachen sollte. Sprich: das Zutrauen in den Hund begründet sich nicht ausschließlich in den eigenen Fähigkeiten.
Dem stimme ich teilweise zu. Ein südeuropäischer Straßen-Galgo wird sich anders zeigen als ein russischer Herdenschutzhund. Dennoch werden beide gleichermaßen (wenn auch jeder auf seine eigene Art und Weise) darauf reagieren, ob sie jemand führen kann oder nicht. Hätschel-Tätschel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso scheitern, wie Kasernenhof-Umgang. Konsequenter, klarer Umgang wird hingegen bei beiden Hunden Efolge zeigen.

Jutta

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#17
Hallo Jutta

Mit meinem letzten Zitat zielte ich eigentlich mehr in die Richtung des "den Hund selber regeln lassen", wie du es ausdrücktest.

Hier denke ich, dass es ungemein wichtig ist, Führung den Fähigkeiten des Hundes anzupassen.
Wenn ich bei einem stark ängstlichen Hund sage, er soll gewisse Situationen mal schön alleine regeln (ich denke da z.B. an Konflikte bei neuen, bedrohlich wirkenden Situationen oder auch mit anderen Hunden), könnte das doch der falsche Weg sein. Anders bei einem gut sozialisierten Hund, den ich bedenkenlos in Hundebegegnungen entlassen kann.
Wie sieht es mit den Raufern aus? Soll ich die solche Dinge allein regeln lassen oder lieber die Führung übernehmen?

Solche Geschichten meinte ich mit meiner Anmerkung und wollte ausdrücken, dass ich schon sehr genau abwägen muss, welche Dinge ich meinen Hund regeln lassen kann und welche nicht, wie groß mein Zutrauen in den Hund sein kann.

Jedenfalls empfinde ich persönlich schon einen sehr krassen Unterschied, wenn ich daran denke, dass ich zuvor einen super sicheren und souveränen Hund hatte und daran, wie es jetzt ist.
Da setzte ich Führung komplett anders ein.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#18
Hallo Gerti,

jetzt versteh' ich, was du meinst und stimme dir zu. Analog zum innerartlichen Rudelverhalten macht da ja auch nicht jeder immer alles, sondern handelt situations- und fähigkeitsangepasst. Die Kunst für den Hundeführer ist eher, realistisch einzuschätzen, was sein Hund selbstständig regeln kann und womit er überfordert ist.

Und hier erlebt man häufig die beiden Extreme von Hundebesitzern, gut zu beobachten bei Hundebegegnungen: Die einen, die ihre Hunde in bestimmten Situationen machen lassen, was sie wollen und darauf vertrauen, dass die das schon regeln werden. Und die anderen, deren eigene Angst vor Beißereien sie jegliche Kontaktaufnahme unterbinden lässt. Meist machen die Hunde der ersten Kategorie denen der zweiten das Leben schwer freuen.

Jutta
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#19
(28.06.2011, 14:58)Susann schrieb: Bei unseren Hunden ist es beispielsweise so, dass Thomas da ganz klar die besseren Qualitäten hat.

Die Hunde sind bei uns beiden gern.
Gehen Thomas und ich aber auf einem neutralen Feld in zwei verschiedene Richtungen ohne die Hunde zu manipulieren, dann würden sie wohl eher mit mir kommen.
Sind wir aber beispielsweise in der Stadt o.ä. ziehen sie eindeutig Thomas vor und fordern es fast ein, an seiner Seite zu gehen.

Warum?
Kathi, Lu und Pai
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#20
Hey @all

“Gerti“ schrieb:Hans Georg scheint Führung ja komplett abzulehnen. Ich selbst bin im Moment sehr im Umbruch.
Das bedeutet für mich jedoch nicht, dass ich denke, ein Hund brauche prinzipiell keine Führung.

Nein, das nicht, aber das was in der Hundeerziehung/Hundeausbildung, als Führung angesehen wird, hat meist wenig mit Führung zu tun.

Es wird wahrscheinlich einen Aufschrei geben und möglicherweise als Provokation empfunden, gibt aber nur meine Überzeugung wider.

Ich habe Anja nur kurz kennengelernt, sodass ich nicht ihre gesamten menschlichen Facetten kennen kann, deshalb kann ich mich nur auf ihre Beiträge über längere Zeit beziehen.
Sie hat sich neulich selbst mal in einem Text, als autoritär in der Hundeerziehung/Hundeausbildung bezeichnet.
Dazu wollte ich schon das eine oder andere Mal etwas schreiben, habe es mir aber verkniffen, da ich es noch überspitzter ausgedrückt hätte.

Anja und Kamalii haben auch des Öfteren schon angemerkt, das sie ähnliche Anschichten teilen, was sich meiner Ansicht nach auch in ähnlichen Erziehungs-/Ausbildungs-Stilen zeigt.
Auch Gerti würde ich hier mit einbeziehen.

Was hat das von mir geschriebene, mit Führung zu tun?

Es gibt Menschen die, wie man so schön sagt, von Natur aus Führungspersönlichkeiten sind.

Schaut man sich nun aber mal an, was unter Führung alles verstanden wird, fällt eines besonders ins Auge, das konsequent „durchkonditionierte Hunde“, darunter verstanden werden.

Mit anderen Worten, es sind Lehr-Lern-Erziehungsstile die die Hunde zu dem machen was unter Führung verstanden werden soll, das aber mit Führung nicht wirklich viel zu tun hat.
Man macht sich da nur etwas vor, da es so von bestimmten Gruppen verbreitet wird.

Ich schreibe das nicht als Kritik und möchte diesen Erziehungs-/Ausbildungs-Stil nicht bewerten, denn das soll jeder so halten wie er/sie es möchte und für angebracht hält.
Ich will nur aufzeigen, wo für mich die Diskrepanz, zwischen geglaubtem Führen und dem tatsächlich stattgefundenem Konditionieren liegt.





Der wahre Egoist kooperiert.

lg hansgeorg
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