Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Sollte ein Servicehund kastriert werden?
#1
Sheila wird von einer MS-kranken Frau geführt und soll zumindest nach derzeitiger Zielsetzung vor allem im Haus einige Arbeiten eines Servicehundes lernen. Sie ist gerade zum ersten Mal läufig und Frauchen merkt, dass es schwierig ist, Interessenten von Sheila fern zu halten.

Sie erwägen, ihr regelmäßig diese Spritze zu geben, dass sie nicht läufig wird.

Ich habe häufig schon gehört, dass diese Spritzen sehr umstritten sind und ein hohes Risiko für Tumore im Gesäugebereich mit sich bringen.

Da ich kein Kastrationsbefürworter bin, wollte ich fragen, wie mit diesem Thema bei Servicehunden üblicherweise umgegangen wird. Wie soll ich die Familie dahin gehend beraten?

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
Antworten
#2
Hallo Anja,
eine Familie ist immer gut beraten, wenn ihr der Eingriff und die damit verbunden Risiken verdeutlicht werden. Weiter ist eine Familie gut beraten, wenn ihr verdeutlicht werden kann dass es keine Vorteile durch eine Kastration gibt.

In Sheilas Fall, aber auch für alle Diensthunde sollte kein Gedanke darüber verschwendet werden, solange die Notwendigkeit nicht vorhanden ist.

Ob Sheila in den Dienst geht und in welchem Umfang, steht noch lange nicht fest und somit erübrigt sich im Moment die Überlegung.

Als Ausbilder ist es wichtig in der Zeit der Läufigkeiten zu arbeiten, so lernt der Hund die Prioritäten, die im Dienst anders sind als bei einem Wildhund. Das sind mit die wichtigsten Ausbildungs-/zeiten/einheiten.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
Antworten
#3
Thomas schrieb:In Sheilas Fall, aber auch für alle Diensthunde sollte kein Gedanke darüber verschwendet werden, solange die Notwendigkeit nicht vorhanden ist.
hi Thomas,
dieses Thema interessiert mich brennend, bezüglich Rettungshundearbeit/Mantrailer.
(Wenn diese Frage hier in diese Rubrik "Service/Assistenzhunde" nicht hinein passt, kannst Du sie gerne auch in ein eigenes Thema verschieben!)

Kurz zu mir:
nach einem Jahr Fläche/Trümmertraining bin ich mit unserer Hündin (geb. ca Mai 2006, unkastriert) zum Mantrailen gewechselt, wir trainieren mind. zwei mal wöchentlich seit April dieses Jahres.
In RH-Kreisen wird das Thema Kastration ja auch heiß diskutiert, ich bin in meinem Umfeld mehr von Befürwortern (auch einer frühen Kastration) umgeben als von Kritikern...

Nach der ersten Läufigkeit hatte Meggie eine akute Pyometra, die jedoch noch medikamentös behandelt werden konnte. Wir möchten gerne - wenn möglich - unsere Hündin ausreifen lassen, - oder gar nicht kastrieren. Natürlich wäre es bequemer gewesen gleich zu kastrieren, - Befürworter der frühen Kastration behaupten auch ein Frühkastrat kann ein ebenso hervorragender Arbeitshund werden oder sogar noch besser, weil die leidigen Hormone wegfallen (keine Ausfallzeiten wegen Läufigkeit, schwankende Leistungen durch die Hormone...)!?


Darum interessiert mich die Frage sehr,
welche positiven Auswirkung auf Charakterentwicklung, Ausbildung und Arbeitsleistung haben die Geschlechtshormone des Hundes?

Oder etwas provokativer gefragt:
Warum lohnt es sich aus Deiner Sicht als erfahrener Ausbilder von Diensthunden, all die Schwierigkeiten und Herausforderungen die die geschlechtliche Reifung den Hundes - Rüden wie Hündin - mit sich bringt in Kauf zu nehmen?
LG,
Ulrike.

[Bild: a010.gif] [Bild: a010.gif]
Antworten
#4
Danke Rike, Du hast mir mit Deinen Fragen viel Arbeit abgenommen, mich interessiert die Ansicht von Thomas zu diesem Thema auch noch tiefer gehend.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
Antworten
#5

*ganzvorsichtignachobenschieb* freuen freuen

LG,
Ulrike.

[Bild: a010.gif] [Bild: a010.gif]
Antworten
#6
Trailer schrieb:Darum interessiert mich die Frage sehr,
welche positiven Auswirkung auf Charakterentwicklung, Ausbildung und Arbeitsleistung haben die Geschlechtshormone des Hundes?

Oder etwas provokativer gefragt:
Warum lohnt es sich aus Deiner Sicht als erfahrener Ausbilder von Diensthunden, all die Schwierigkeiten und Herausforderungen die die geschlechtliche Reifung den Hundes - Rüden wie Hündin - mit sich bringt in Kauf zu nehmen?
Sorry, das habe ich wohl überlesen. schaemen
Während der Entwicklung darf Kastration einfach kein Thema sein, denn wie es auch heißt, der Hund entwickelt sich. Bei einer Kastration wird nicht einfach nur das Sexualverlangen beeinträchtig, es wird ein Eingriff in die Hormonregelung vorgenommen. Davon sind nicht nur Sexualhormone betroffen, sondern auch damit zusammenhängende Hormone und deren unterschiedlichen Funktionen und Aufgaben.

Zwei Sätze aus der Ethologie kommen dabei besonders in den Vordergrund.
Man kann nicht Nicht-Lernen!
Das sagt aus, dass der Hund, wenn er früh kastriert wurde, nicht Nicht-Lernt, sondern er lernt trotzdem in den dafür vorgesehenen Phasen. Fehlt die Motivation zum Lernen des Sexualverhaltens, werden andere Interessen gefunden, die entweder noch nicht dran sind, oder es werden anormale Verhaltensweisen erlernt.

Man kann sich nicht, Nicht-Verhalten!
Dieser Satz sagt aus, dass es bestimmte Verhaltensweisen eines Hundes gibt, die in unterschiedlichen Phasen erlernt werden. Z.B. das Sexualverhalten, beinhaltet nicht nur den Akt selbst sondern gibt für jeden Hund auch das Verständnis, wie sein Artgegenüber reagiert.
Trifft ein Rüde auf einen anderen Rüden und eine Hündin ist dabei, würde der Rüde, der in Begleitung seiner Hündin ist, sehr deutlich machen, dass er kein Kontakt wünscht. Ein Frühkastrat, ist verunsichert, kann das Verhalten nicht einschätzen und kann darauf auch falsch reagieren. Er verhält sich, wie er es kann, aber er verhält sich und dass kann Folgen haben.

Ein weiterer Punkt ist, dass sich in der Entwicklung auch die Körpersprache ändert, Hunde sind in dieser Phase aufrechter und motivierter.

Für mich persönlich ist es wichtig, das Verhalten in den unterschiedlichen Phasen zu beeinflussen. Ich lerne den Hunden, dass es wichtigeres als den Trieb gibt und sie lernen ein Markierverhalten, wie ich es bevorzuge.

Weiter stehen für mich noch neurologische Gründe in den Vordergrund, wie zum Beispiel die Änderung der Empfindlichkeit von Rezeptoren für Hormone, die Änderung der biochemischen Zusammensetzungen von Hormonen oder die Änderungen des Feinbaus endokriner Organe.

In den Entwicklungsphasen habe ich ganz gezielte Arbeitsweisen, die sehr intensiv auf das Verhalten ausgerichtet sind.
Das macht es später möglich, die Entscheidungen des Hundes auf andere Prioritäten zu lenken.


Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
Antworten
#7
hallo Thomas,

danke für Deine Antwort!
Thomas schrieb:Weiter stehen für mich noch neurologische Gründe in den Vordergrund, wie zum Beispiel die Änderung der Empfindlichkeit von Rezeptoren für Hormone, die Änderung der biochemischen Zusammensetzungen von Hormonen oder die Änderungen des Feinbaus endokriner Organe.
da musste ich mich jetzt erst mal kurz bei "Tante Wiki" über das endokrine System schlau machen ... lachen lachen
Wie äußern sich diese Unterschiede z.B. ganz praktisch bei einem frühkastriertem Hund im Vergleich zu einem intaktem Hund?


Welche Auswirkung hat eine frühzeitige Kastration auf die Lernfähigkeit und die Konzentrationsfähigkeit eines Diensthundes mit einer anspruchsvollen Tätigkeit?

Ich habe z.B. ein Buch über RH-Ausbildung/Mantrailing, da wird aus langjähriger Ausbildungserfahrung die Position bezogen, dass Hunde die frühzeitig kastriert werden in der Entwicklung ihrer Lern- und Konzentrationsfähigkeit unkastrierten Tieren gegenüber deutlich zurückbleiben.
Andere wiederum sagen dies wäre Blödsinn, auch Frühkastrate werden "erwachsen" im Kopf wenn auch u.U. etwas langsamer.

Welche Erfahrungen hast Du bezüglich Lernfähigkeit und Konzentrationsvermögen von früh- und nicht kastrierten Tieren?
LG,
Ulrike.

[Bild: a010.gif] [Bild: a010.gif]
Antworten
#8
Trailer schrieb:Wie äußern sich diese Unterschiede z.B. ganz praktisch bei einem frühkastriertem Hund im Vergleich zu einem intaktem Hund?

Trailer schrieb:Welche Auswirkung hat eine frühzeitige Kastration auf die Lernfähigkeit und die Konzentrationsfähigkeit eines Diensthundes mit einer anspruchsvollen Tätigkeit?
Hallo Rike,
vermutlich verstehe ich die Fragen wohl nicht, da ich aus dem wie ich die Fragen lese, auf mein obigen Beitrag verweisen würde.

Trailer schrieb:Ich habe z.B. ein Buch über RH-Ausbildung/Mantrailing, da wird aus langjähriger Ausbildungserfahrung die Position bezogen, dass Hunde die frühzeitig kastriert werden in der Entwicklung ihrer Lern- und Konzentrationsfähigkeit unkastrierten Tieren gegenüber deutlich zurückbleiben.
Andere wiederum sagen dies wäre Blödsinn, auch Frühkastrate werden "erwachsen" im Kopf wenn auch u.U. etwas langsamer.
Vielleicht vorab ein Infolink über Gründe von anderen Hundeschulen [url=http://www.pfotenlexi.de/forum/topic.php?id=148&page=1&#1644
]HIER[/url]
Über andere Hundetrainer werde ich mich nicht stellen, doch einen Hund kastrieren zu lassen, ohne medizinischen Grund, spricht für mangelnde Kompetenz eines Hundetrainers.
Sie machen sich anfangs die Ausbildung einfacher, beachten oder wissen jedoch nicht, dass die Entwicklung durch alle Entwicklungsphasen, sich positiv auf den Hund auswirkt.

Trailer schrieb:Welche Erfahrungen hast Du bezüglich Lernfähigkeit und Konzentrationsvermögen von früh- und nicht kastrierten Tieren?
Meine Erfahrungen dazu sind sehr eindeutig im Unterschied.
Frühkastrate brauchen bedeutend länger für räumliches Lernen, haben weniger Erkennungsvermögen und sind unsicherer in der Kommunikation mit Artgenossen.
Mein persönliches Empfinden ist nicht belegbar und resultiert nur aus meinen Erfahrungen.
Frühkastrate empfinde ich als unkonzentrierte, wenn sie konzentriert arbeiten, dann zeitlich weniger als unkastrierte Hunde.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
Antworten
#9
Vielen Dank für diese ausführliche weitere Erklärung.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
Antworten
#10
Hallo Thomas.
Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! freuen

Thomas schrieb:Hallo Rike,
vermutlich verstehe ich die Fragen wohl nicht, da ich aus dem wie ich die Fragen lese, auf mein obigen Beitrag verweisen würde.
vermutlich hatte ich Deinen obigen Beitrag noch nicht vollständig verstanden ... schaemen

Aufgrund meines bescheidenen Biologie-Wissens knabbere ich allerdings immer noch am Verständnis von diesem Absatz ... zwinkern
"Weiter stehen für mich noch neurologische Gründe in den Vordergrund, wie zum Beispiel die Änderung der Empfindlichkeit von Rezeptoren für Hormone, die Änderung der biochemischen Zusammensetzungen von Hormonen oder die Änderungen des Feinbaus endokriner Organe."
ich möchte dieses Thema allerdings nicht unnötig wissenschaftlich vertiefen.


Ich hoffe ich nerve nicht,
aber in welchen Alter ist aus Deiner Sicht die Entwicklung des Hundes weitgehend abgeschlossen?
Häufig hört man nach der ersten Läufigkeit (bzw. Geschlechtsreife des Rüden) wäre eine Kastration "sinnvoll" und nicht "zu früh".
Meggie war jetzt kürzlich zum dritten mal läufig, ich kann die Meinung nach der ersten Läufigkeit wäre der größte Reifungsschub vollzogen nicht recht nachvollziehen. Die Veränderungen (zum positiven!) von meiner Hündin im vergangenen Jahr mit der zweiten und dritten Läufigkeit waren erheblich!
LG,
Ulrike.

[Bild: a010.gif] [Bild: a010.gif]
Antworten


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Servicehund, was ist das? amazone 19 6.427 29.06.2009, 07:30
Letzter Beitrag: Susann



Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste