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Antijagdtraining über Clicker
#1
Hallo

Auch auf die Gefahr, euch schon am 2. Tag mit meiner Clickerei zu nerven....

Ich hatte bislang nie einen Hund, der Jagdambitionen hatte und war auf dieses Thema garnicht vorbereitet. Und dann kam Trudel. mauer

Jeder Spaziergang barg das Risiko, dass sie lospreschte. Nie weit, höchstens 100m hinterher, aber immerhin etwas, das ich nicht tolerieren konnte. Beim Radfahren war es so heftig (mein Schlaumeier kapierte sehr rasch, dass ich auf dem Fahrrad nicht so schnell reagieren konnte), sie sprang einfach mal prophylaktisch in jedes Gebüsch, weil sich ja vielleicht etwas darin aufstöbern lässt. In meiner Verzweiflung habe ich es sogar mit einem Sprayhalsband versucht. Weil: Ein Hund, der jagt, geht bei mir garnicht. Aber auch hier war das Ergebnis eher mager.
Im letzten Frühjahr stand nun jeden morgen auf unserer Runde ein Reh mit 2 Kitzen auf dem Feld neben dem Weg. Das war für mich der Moment, den Clicker in Einsatz zu bringen.
Trudel an die Leine,stehen bleiben und Rehe beobachten. Jeder Ansatz vom Hund, sich zu setzen wurde beclickert. Nach einigen Tagen ging die Leine ab und es gab nur noch ein "hier bei mir" - Kommando. Nach einem Monat waren wir so weit, dass Trudel sich, wenn ein Reh in Sicht war, ohne Aufforderung hinsetzte. Und so ist es immer noch. Schon lange gibt es keinen Click mehr, nur eine verbale Bestätigung und ab und zu ein Leckerchen. Ich kann mit Trudel nun überall unangeleint spazierengehen, ohne Gewinde im Hals, weil Trudel mir durch ihr Hinsetzen zeigt, dass ein Reh da ist. Dank des Clickers.
Z.Zt. übrigens verclickere ich dem Hund einer Bekannten, dass man keine Radfahrer jagen darf. Auch hier sind die Ansätze schon sehr positiv.

Viele Grüße
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#2
freuen Cool lachen Gratulation. Was machst du dann wenn sie Rehe anzeigt?

Ich muss sagen ich bin skeptisch - ich kann mir nicht vorstellen das man einen echten Vollblutjaeger so umerziehen koennte. Ein Hund der nur mittelmaessig dringend jagen muss, laesst sich so bestimmt gerne zu Alternativerhalten ueberreden. Aber bei einem echten Jaeger, der Jahre lang jagen 'durfte'?
Auch bezweifle ich das der grosse Teil der Hundehalter die noetige Aufmerksamkeitsspanne, Timing und Konsequenz haette um Aehnliches zu erreichen. Ich kann mir auch vorstellen das bei einem Hund, der sich durch das verbotene Hetzen, lange Zeit so widersetzt und entzogen hat, das da die Beziehung zwischen Hund und Besitzer nicht stimmt und sie aus diesem Grunde erstmal so nichts erreichen koennten. Verstehst du was ich meine?
Ohne euch zu kennen vermute ich das du eine sehr gute Beziehung zu Trudel hast und sie zu dir. Wahrscheinlich moechte sie mit dir zusammen arbeiten. Ohne die positive Verbindung zu dir wuerde sie wahrscheinlich noch immer Rehe, durchs loszischen, anzeigen.
Kathi, Lu und Pai
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#3
Hovis sind normalerweise aber auch keine wirklichen Jäger oder?

Ich denke das ist so wie mit den Hunden, die zwar einen Trieb haben, der aber eben nicht so ausgeprägt ist wie bei einem Jagdhund und sich somit auch noch gut ablenken bzw. steuern läßt.

Luca z.B., der ist kein Jagdhund, hat aber schon einen Trieb.
Dieser Trieb ist aber anders als bei Sunny.
[Bild: 5178377.jpg]

Liebe Grüße,
Jasmin und die spanische Bande!

Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht!
Heinz Rühmann




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#4
Hallo

Also, bislang dachte ich auch, dass Hovawarte nicht wirklich jagen. Aber Trudel hat sich das Wild ja regelrecht gesucht. Und da ich die Sache anfangs nicht so recht in den Griff bekam, sollte man nicht unterschätzen, dass sie fast 3 Jahre ein selbstbelohnendes Verhalten gezeigt hat. Also hatte sich das Ganze schon recht gut verfestigt.
Natürlich gehört auch bei der Gegenkonditionierung mit dem Clicker ein konsequentes und vor allen Dingen aufmerksames Verhalten des HF dazu. Deshalb bin ich in der Übungszeit keinerlei Risiko eingegangen und habe ihr jegliche Möglichkeit zum Abhauen genommen. Sprich: mein Mann durfte in dieser Phase nicht mit ihr gehen und wildgefährliche Gegenden nie mit einem anderen Hund zusammen. Jetzt ist weder das Eine, noch das Andere ein Problem.
Was ich tue, wenn sie Wild anzeigt? Nun zunächst freue ich mir natürlich einen Ast und lobe sie. Dann sage ich immer in ganz ruhigem Ton die gleichen Worte, wie damals, als ich dies zu clickern begann: "Ja, das sind die Rehlein. Die sind Pfui!" Dann gibt es mal ein Leckerchen, mal ein Spiel und manchmal auch garnichts weiter. Ich glaube, dass auch gerade die variable Belohnung die Spannung im Hund aufrechterhält.
Und : Ja! Trudel arbeitet sehr gerne und ich glaube, ihre Bindung zu mir ist sehr gut.

Viele Grüße
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#5
(21.05.2010, 12:54)kamalii schrieb: Ich muss sagen ich bin skeptisch - ich kann mir nicht vorstellen das man einen echten Vollblutjaeger so umerziehen koennte. Ein Hund der nur mittelmaessig dringend jagen muss, laesst sich so bestimmt gerne zu Alternativerhalten ueberreden. Aber bei einem echten Jaeger, der Jahre lang jagen 'durfte'?
Kati das hängt immer von der Motivation des Hundes ab und kann je nach Motivation auch so funktionieren.

Da es jedoch kein Antijagdtraining gibt, stand hier vermutlich eine andere Motivation im Vordergrund.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#6
(21.05.2010, 15:16)Thomas schrieb: Da es jedoch kein Antijagdtraining gibt, stand hier vermutlich eine andere Motivation im Vordergrund.

Hallo Thomas

Würdest du bitte mal genauer erläutern, was du damit meinst?

Viele Grüße
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#7
Hallo Gerti,
die Jagdmotivation ist nach der Fortpflanzungsmotivation mit einer der stärksten Motivationen für den Selbsterhalt eines Lebewesens.
Das bedeutet, dass man es nicht abgewöhnen kann, sondern nur kontrollieren kann.

Deinen Erfolg möchte ich dabei weder anzweifeln noch abwerten, denn es ist unabhängig davon, um welcher Art der Motivation es auch geht, eine beachtliche Leistung. Sollte es sich dabei jedoch wirklich um eine Jagdmotivation handeln und nicht wie angenommen um eine eingehende Hierarchie / Staten bezogenen Motivation, dann kann der Erfolg nicht auf Dauer bleiben, da nach Deiner Beschreibung nicht mit kontrollierten Jagdverhalten gearbeitet wurde, sondern nur mit einem Alternativverhalten, das unter einem bestimmenden Einfluss, konditioniert wurde.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#8
Hallo Thomas

Danke für die Erläuterung.

Was denkst, wie man (eindeutig?) feststellen kann, um welche Form der Motivation es sich bei einem Hund handelt? Dies nur an der genetischen Disposition einer Rasse festzumachen, wäre ja wohl in jedem Fall zu einfach.
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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#9
(21.05.2010, 16:40)Trudel schrieb: Was denkst, wie man (eindeutig?) feststellen kann, um welche Form der Motivation es sich bei einem Hund handelt?
Indem man selbst eine unbefangene Anamnese über das Verhalten des Hundes erstellt.
Das würde beinhalten, wann ein Hund welches Verhalten unter welchen Einflüssen zeigt.
Die Schwierigkeit liegt darin, dass man, wenn man es selbst herausfinden möchte, sich selbst dabei abschalten muss.

Das Problem dabei ist, dass es bei dieser Anamnese nicht darum geht, wie man sich mit dem Hund arrangiert und sich gegenseitig akzeptiert und toleriert, sondern wirklich objektiv bewertet.

Das bedeutet z.B. dass ein Hund bspw. seinen Menschen anspringen darf und im Gesicht lecken darf und man es nicht als unerwünscht einstufen würde und somit dieser wichtige Fakt außenvor gelassen werden könnte, der bei einer solchen Anamnese jedoch von Bedeutung wäre.

Es geht also nicht darum, was man selbst akzeptieren und tolerieren kann, sondern wirklich das tatsächlich Verhalten dabei beurteilt.

Nur dann wird es eindeutig.


(21.05.2010, 16:40)Trudel schrieb: Dies nur an der genetischen Disposition einer Rasse festzumachen, wäre ja wohl in jedem Fall zu einfach.
Die genetische Disposition einer Rasse nicht, jedoch die genetische Disposition des Verhaltens.

Das Bedeutet, hat man bspw. einen Hund, dessen Eltern bereits auffälliges Verhalten zeigten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieses Verhalten in der "Veranlagung" weitergegeben werden kann.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#10
(21.05.2010, 17:19)Thomas schrieb: Das Bedeutet, hat man bspw. einen Hund, dessen Eltern bereits auffälliges Verhalten zeigten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieses Verhalten in der "Veranlagung" weitergegeben werden kann.

Hm... ja genau. Hier ist eine Baustelle, die ich mit Trudel noch zu erledigen habe, es aber wohl nie richtig schaffen werde. Ich schreibe mal an anderer Stelle darüber.

Eigentlich ist es dann ja aber so gut wie unmöglich, den Ursprung eines Verhaltens seines Hundes allein zu analysieren. Wer ist schon in der Lage - auch wenn er weit davon entfernt ist, sich seinen Hund schönzureden - die eigene Mensch/Hund Beziehung komplett emotionslos und objektiv zu beurteilen? Und meinst du nicht, dass selbst ein unabhängiger Fachmann hier über einiges hinweggetäuscht werden kann? Es sei denn, er würde über längere Zeit hinweg mit Hund und Mensch zusammen leben?
Gerti und Trudelinschen


Unvergessen Olga und Gustl
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