Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Erwartungen von Privatpersonen an einen Diensthund (eführer)
#1
Möchte folgende Zitate von Susann gerne aus dem Thema "gewaltfreie Erziehung" heraus lösen, da Stahls Sporthunde für mich keine Diensthunde sind, und schon im Thema dort einiges vermischt wurde.

Susann schrieb:Ich habe schon so viele "Arbeitshunde" gesehen, von denen ich so enttäuscht bzw. entsetzt war, weil ich einfach mehr vorausgesetzt hatte. Nun ja, teilweise traf es durchaus zu, dass ein "Familienhund" mit Ausbildung mehr im "Gehorsam" stand, als die sogenannten "Arbeitshunde".
So waren Thomas und ich letztes Jahr z.B. bei einer Vorführung von Polizeihunden. Die Hunde haben teilweise nicht auf Kommando abgelassen, haben einfach wahllos in den Beißarm gebissen oder haben gar nicht erst verbellt. Da mache ich mir schon so meine Gedanken. Schließlich hätte das im Ernstfall auch ein unschuldiger Passant gewesen sein können und kein Helfer im Vollanzug.
Die Hunde durften sogar an Laternenpfähle markieren. Sie trugen alle Stachelwürger und wurden an der Flexi geführt. Sogar unsere Hunde am Rand beunruhigten die Hundeführer (Polizisten). Außerdem waren die Hunde hektisch und extrem gestresst...

Es war genau gestern, als ich endlich mal die Gelegenheit bekam, einen Diensthundeführer der Bundespolizei anzusprechen und mich über 2 Stunden rege mit ihm auszutauschen. Er legt häufig für seine Hunde Fährten in den Feldern rund um unseren Hundeplatz.

Sein privater Hund ist ein Rottweiler, sein Diensthund ist ein 4-jähriger Malinois Rüde.

Was er mir erzählte schockierte mich genau so, wie die von Susann und Thomas beobachtete Vorführung. Das, was Ihr dort gesehen habt, scheint völlig normal zu sein und auch (nach dem, was ich gestern erfuhr) gar nicht arg viel anders möglich.

1) Die Hunde, die in diese Dienste kommen, sind nicht aus hochleistungszuchten und sorgfälgit selektiert, sondern aufgrund des geringen Budgets, das sie für die Tiere zur Verfügung haben, buchstäblich das, was sozusagen übrig bleibt und keiner will. Von einem guten Züchter werden diese Hunde NIE gekauft. Sie nehmen sie von privat, wenn sie bereits mehrmals zugebissen haben, sie holen sie aus den Tierheimen, sie nehmen übrig gebliebene von Vermehrern, vollkommen egal, Hauptsache TRIEB.

2) Sie bekommen diese Hunde niemals vor einem Jahr. Die prägende Zeit, während der man die nicht wirklich nervenstarken Malinois vielleicht noch an Menschenmengen gewöhnen könnte, ist also vorbei.

3) Die Aufgabe dieses Schutzhundes bei dem besagten Hundeführer ist ausschließlich, IHN als Beamten im Dienst zu schützen. Und zwar OHNE Signal. Diese Hunde SOLLEN zupacken, wenn der Hundeführer attackiert wird, von sich aus, denn der Hundeführer könnte ja nicht mehr sprechen können aufgrund einer Verletzung.
Auf die Frage hin, was denn nun wäre, wenn ich versehentlich stolperte und in ihn hinein fiele, kam die ehrliche Antwort, vermutlich würde der Hund zubeißen. mit Augen rollen

4) Wild hetzen, weglaufende Menschen oder Kinder, ähnliche menschliche Flucht- oder Angriffs-Szenerien, die eben auch im Alltag ohne ernsten Hintergrund vorkommen könnten, SIND de facto ein Problem, da er nicht die Hand dafür ins Feuer legen kann, dass er den Hund abbrechen könnte. Es gäbe genügend Situationen, in denen er NICHT mehr einwirken kann.

5) Im Dienst werden diese Hunde grundsätzlich am Stachelhalsband geführt, weil sie trieblich nach Aussage des Hundeführers nicht anders kontrollierbar sind. In Extremfällen musste er mit dem Hund den Dienstort verlassen, weil selbst über massives Einwirken durch das Stachelhalsband keine Ansprechbarkeit mehr erreicht wurde.

6) Dieser Trieb wird bei diesen Hunden nicht geregelt sondern gefördert. Sie SOLLEN genau so sein, wie sie sind. Das Ruhige und Besonnene, das wir vielleicht suchen würden, den Hund, der auf Signal einen sauberen, ruhigen, kontrollierbaren Job macht, ist nicht gefragt. Oder nicht finanzierbar. Weder vom "Grundmaterial" her noch von der Ausbildungszeit, die vermutlich dafür nötig wäre.

Diese Extrakte eines langen Gespräches in Verbindung mit den Signalen, die MIR seitens dieses Hundes gesendet wurden, erzeugten sehr gemischte Gefühle und irgendwie herbe Enttäuschung. Ich dachte immer, Diensthundefüher haben immer und überall Kontrolle, ich glaubte, sie arbeiten auf Signal, sind perfekt abrufbar, abbrechbar, in jeder Situation souverän... tja... wohl getäuscht.


Susann schrieb:Weiterhin habe ich Hunde von Jägern kennengelernt, die teilweise jedes Zweite Mal alleine stiften gingen/gehen und Ewigkeiten weg waren, teilweise nicht auf den Rückruf des Jägers hörten, nur weil mein Hund und ich ca. 300 m entfernt spazieren gingen und der "super Arbeitsjagdhund" gucken wollte, was denn da für ein anderer Hund ist. Ich habe im Übrigen auch bisher LEIDER keinen Jäger kennenlernen dürfen, der keinen Teletakt verwendet.

Hast Du einmal bei den jeweiligen Jägern nachgefragt, ob sie die Hunde selbst ausgewählt und ausgebildet haben?

Die meisten, mit denen ich bisher gesprochen habe, bezahlen 3000,- Euro und bekommen einen fertigen Hund mit den entsprechenden Prüfungen.

Das kontrollieren der Jagdmotivation am Wild oder an der Spur ist für MICH nach MEINEM Hundeverständnis eine der höchsten Weihen der Hundeausbildung. Diese ist aus meiner Sicht nur auf 2 Wegen zu erreichen.
a) über die Persönlichkeit des Hundeführers
b) über das Brechen der Persönlichkeit des Hundes durch massive Gewalteinwirkung und den anschließenden neuaufbau einer Hundepersönlichkeit, wie sie sich an solvente Jagdpächter verkaufen lässt

a) ist ein A... voll Arbeit, auch an sich selbst, wenn man mit entsprechenden Hunden WIRKLICH auf das Arbeiten mit Hilfsmitteln über Schmerzreize verzichten möchte.

b) ist ein schneller Weg, um Hunde zu versilbern, der allerdings seine Sicherheitslücken aufweist. Ist der Käufer so ahnungslos, dass er im täglichen Umgang mit dem Hund trotz gebrochener Hundepersönlichkeit nicht ansatzweise ernst genommen werden kann, verliert sich mit der Zeit auch die Schmerzkonditionierung und die Ohren gehen auf Durchzug, die Motivation wird ausgelebt bzw. häufig beobachte ich bei diesen Hunden eine Arrgenossen-Aggresion vom Allerfeinsten.

Bisher habe ich noch keinen Jäger gesprochen, gesehen, erlebt, der seinen Hund so führt, dass ich davon angetan gewesen wäre.

Mit selbigem Pudlich, der hier vor 1,5 Jahren kurzfristig im Forum schrieb, hatte ich einen interessanten Gedankenaustausch begonnen, der sich jedoch nach einem tieferen Einblick in die Persönlichkeit des Menschen nicht fortsetzen ließ. Von einem Gebrauchshundeführer erwarte ich ein Mindestmaß an emotionaler Kontrolle, was für mich die Grundvoraussetzung für eine solide Arbeit mit Hunden und Menschen ist. Ein Punkt, an dem auch ich schon viel lernen durfte und musste. Nur wenn man sich als Mr. Hundeausbilder schlechthin präsentiert, sollte die Arbeit DARAN bereits erfolgreich in der Vergangenheit liegen.

So viel zu meinen Einddrücken bzgl. Schutzhunden im Dienst der Polzei und ausgebildeten bzw. jagdlich geführten Jagdgebrauchshunden.

Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
Antworten
#2
Wow, das hätte ich nie gedacht Anja.

Also ich kenne mich zwar in dieser Materie nicht aus aber das was Du beschreibst und auch Susann angedeutet bzw. erzählt hat, ist in meinen Augen
ein echtes Unding.
[Bild: 5178377.jpg]

Liebe Grüße,
Jasmin und die spanische Bande!

Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht!
Heinz Rühmann




Antworten
#3
puhhh ... mit Augen rollen

da gibt es aber sicher auch große Unterschiede
in welchem Bereich der Diensthund arbeitet...

Man denke nur an die Suchhunde,
die würden so nervös und durchgeknallt niemals eine brauchbare Leistung bringen können ...

LG,
Ulrike.

[Bild: a010.gif] [Bild: a010.gif]
Antworten
#4
Genau diese meist fehlene Vorausbildung der Polizeihunde macht mein Bekannter, leider ist es nicht üblich und die Hunde werden oft sonnstwo gekauft! Er macht das schon seit Jahren Hunde aussuchen die für den Polizeidienst taugen, er zieht sie auf und macht sie sozusagen gesellschaftsfähig und gibt ihnen ne Grundausbildung, er selbst verdient selbst max. 500 Euro daran! Da eben die Bullerei nur ne bestimmte Summe ausgeben darf! Also kann man die Sache schon fast Ehrenamtlich nennen die er da tut! zwinkern So übrigens ist Rowdys Schwester auch zur Polizei gekommen!
Antworten
#5
Ich musste, nach einem Einbruch, mal einen Polizeihund in den Laden lassen.

Als der Führer kam hat er auch erst die Lage gepeilt, mir gesagt welchen Abstand ich halten soll und ist dann mit dem Hund los.

Diese Berichte bestätigen meinen Eindruck.
Aber ich kann mir vorstellen, dass es wirklich Branchenabhängig ist wie die Hunde gehändelt werden.

Kein Wunder das es mit dem Tierschutzgesetz nicht vorwärts geht- der Staat würde sich ja ins eigene Fleisch schneiden.
Antworten
#6
So kannte ich das bisher nicht. Aber ich frage mal meine Hundetrainerin. Die ist bei der Polizei und kennt sich vielleicht auch aus. Ich glaube Dir das auf jeden Fall, aber vielleicht ist das auch eher Bereichs abhängig.
Antworten
#7
Noch mal ganz klar, bei meiner Erzählung handelt es sich um einen SCHUTZHUND. Also kein Spürhund oder Ähnliches.

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
Antworten
#8
also ich kann nur bestätigen was anja schreibt.

lg
tany
Antworten
#9
Das ist ja traurig. Die Schutzhunde habe ich nie in Aktion gesehen. Allerdings ist mir schon oft am Flughafen aufgefallen, das die auf allen vieren hinterhergezogen wurden als sie Betty gesehen haben. Und geweint haben weil sie hin wollten.

Was passiert denn mit diesen Hunden nach Ihrer Dienstzeit?
Antworten
#10
Hey Anja



Sicherlich liegst du hier im Großen und Ganzen richtig.

Ich kenne einige Jäger und wenn man von deren glaubwürdigen Aussagen hochrechnet, sind gewisse Zwangsmittel nicht gerade selten, eher im Gegenteil.

Bei den Diensthunden scheint es auch nicht besser zu sein.

Vor Kurzem hat einer seinen Mali an die Polizei abgegeben, Hintergrund, der war gewollt zu aggressiv geworden.

Als er den Mali bekam, durfte er munter um sich beißen und sein Halter war stolz darauf, als er seine Freundin, dann seinen Vater biss, Schluss mit lustig war, als er selbst von ihm gebissen wurde.

Nun soll ihn die Polizei haben.




LG Hans Georg






Der wahre Egoist kooperiert.
Antworten


Möglicherweise verwandte Themen...
Thema Antworten Ansichten Letzter Beitrag
  Die Unterschiede zum Diensthund Thomas 19 4.762 05.04.2010, 21:34
Letzter Beitrag: kira puppy



Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste