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beginnende Stereotypie?
#11
Anja schrieb:Habe seit der Welpengruppe einen Parson Russell unter meinen Fittichen. Vom Typus her ist er kein Haudegen, eher etwas sensibel und relativ leicht zu beeindrucken.
diese Beschreibung passt schonmal nicht zu einer Stereotypie!


Anja schrieb:Die Eltern der jungen Dame haben NULL Talent im Sachen Kommunikation mit dem Hund, die Besitzerin selbst schon eher, sie ist aber sehr schnell genervt und hat insgesamt wenig Ausdauer in Sachen Auslastung und Beschäftigung ihrer Tiere.
Das ist doch schon mal eine gute Basis


Anja schrieb:...seit einigen Wochen beobachten wir bei dem Hund ein erhöhtes Aggressionspotanzial in den Sozialgruppen, er musste einige Male entfernt werden, da er sich SOFORT wahllos auf den nächstbesten Hund stürzte, um massiv zu attackieren.
wahllos ist es aus Deiner Sicht, ob es wirklich so ist, oder doch eine Motivation gibt, müsste wirklich genau beobachtet werden, denn das ist von enormer Bedeutung!!!


Anja schrieb:Dem Hund sieht man an seinem kompletten Verhalten an, dass er
  • a) nicht ausreichend verstanden wird, man sich
  • b) nicht ausreichend verständlich machen kann,
  • c) Führung so aussieht, dass man wütend und genervt wird, anstatt klar zu kommunizieren und
  • d) sich niemand wirklich mir einer ansatzweise ausreichenden Beschäftigung auseinander setzt.
Da sind die Ansätze schon sehr deutlich!!!


Anja schrieb:Das arme Tier ist meiner Ansicht nach völlig unterfordert, und ich bin gewiss kein Befürworter von 24-Stunden-Bespaßung.
Nach der Beschreibung sehe ich das anders, denn alles was ich daraus lese, deutet darauf hin, dass dieser junge Hund sehr stark auf sich selbst gestellt ist und somit stark überfordert ist.


Anja schrieb:Langer Rede kurzer Sinn, ich hatte Frauchen beim letzten Hundeschulbesuch (vor einigen Wochen) etwas auf den Pott gesetzt und gesagt, was ich sehe, seither ward sie nicht mehr gesehen und begegnete Sandra auf Nachfragen mit der Aussage, ich hätte mich zu wenig um sie gekümmert.
Anja wir haben darüber schon mehrfach gesprochen und geschrieben.
Als Hundetrainer kann man nicht immer seine Art zu kommunizieren durchsetzen.
Besonders solche Leute brauchen niemanden, der sagt wie es geht, der sagt wie es nicht geht oder der sagt, was man alles ändern muss.

Diese Dame würde ich extrem neugierig machen und sie dann sitzen lassen. Ihr kurz zeigen, dass in nur wenigen Minuten etwas änderbar ist und sie dann wieder sitzen lassen.
Sie muss zu Dir kommen und nicht Du musst ihr hinterlaufen oder Dir Mühe geben, damit der Hund es mal besser haben wird.


Anja schrieb:Dieser Tage ließ sie nun nachfragen, was das zu bedeuten hätte, dass ihr Hund ständig an Decken, Tüchern, Textilien aller Art herum nuckelt... das würde nerven.
Bei mir sind nun die Alarmglocken angesprungen, weil ich fürchte, dass dies der Beginn einer steretypen Verhaltensstörung ist.
Mit einem Jahr ist das sehr unwahrscheinlich, auch wenn es sich hierbei um eine Form von Sucht/Zwang handeln kann, handelt, wenn es eine Verhaltensstörung sein soll, es sich vermutlich eher um Zwänge, die aufgrund von Überforderungen und Unsicherheit im eigenen Wesen kommen kann.
Auch bei Hunden können diese Zwänge kommen, wenn sie depressiv sind oder sich vernachlässigt fühlen.


Anja schrieb:Über diese habe ich gelernt, dass sie in 3 Stufen verlaufen und irgendwann zwischen 2 und 3 nicht mehr wirklich therapierbar sind, weil der Hund aus seinem Suchtverhalten nicht mehr raus kommt.
Therapierbar sind sie immer, doch die Frage steht immer offen, ob die Lebensjahre dafür noch ausreichen, die dafür benötigt werden würden.


Anja schrieb:...würde es im Anfangsstadium ausreichen, dem Hund sein persönliches Maß an Auslastung zukommen zu lassen?
Aus meiner Sicht nein, denn ich würde nach dem, was ich aus diesem Beitrag weiß, zunächst einen geregelten Tagesplan aufstellen.
Wenn ich mehr vom Hund und dessen Besitzer wüsste, würde ich diesen gern hier aufschreiben, aber zunächst währe der Schritt, die Besitzerin neugierig zu machen, damit sie in der Lage ist, auf diesen oder ähnliche Vorschläge einzugehen.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#12
ein toller Betrag Thomas, danke

wenn ich das jetzt so lese dann verstehe ich das auch als überforderung, hab da vorhin was überlesen sorry.

aber dann wird es doch trotzdem zum Stereotyp oder kann einer sein oder?

denke mal dieser hund such auch einfach nach grenzen und findet sie nicht oder?

denke dieses nuckeln ist da nur ein Hilfeeschrei, oder?

lg
tany
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#13
Vielen Dank Euch allen für Eure Gedanken. Vielen Dank Thomas für Dein Fachwissen.

Wenn ich von mangelnder Kommunikation und Führung spreche, dann ist für mich automatisch Überforderung mit Alltagsdingen eingeschlossen bei einem eher unsicheren Hund. Das habe ich gar nicht mehr extra erwähnt.

Mit Unterforderung meinte ich die körperliche und geistige Auslastung, die einem jungen Jagdgebrauchshund als Minimum zustehen sollte.

Ja das Neugierig machen... dazu bräuchte ich etwas mehr von Deinem Naturell, Thomas. Ich bin einfach der direkte Kommunizierer und denke mehr geradeaus als um die Ecke. Ich verstehe, was Du meinst, zweifele aber leider an der Motivation der Junior-Besitzerin.

Bin in jedem Fall schon mal etwas beruhigt, dass die Auffälligkeit in diesem Alter noch nicht sofort eine Stereotypie bedeuten muss. Dass hier keine Diagnose gestellt werden kann, ist mir vorab klar gewesen. Bin gespannt, ob ich weiter komme, ich lasse es Euch wissen...

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#14
kira puppy schrieb:aber dann wird es doch trotzdem zum Stereotyp oder kann einer sein oder?
sein nein! Werden, nicht unter den beschriebenen Gegebenheiten.


kira puppy schrieb:denke mal dieser hund such auch einfach nach grenzen und findet sie nicht oder?
Ich denke nicht, dass er sucht, sondern einfach nur falsch versteht und daraus ungewollte Motivationen entstehen.


kira puppy schrieb:denke dieses nuckeln ist da nur ein Hilfeeschrei, oder?
ja, oder wie es andere auch nennen könnten eine "Übersprungshandlung" lachen



Anja schrieb:Ja das Neugierig machen... dazu bräuchte ich etwas mehr von Deinem Naturell, Thomas. Ich bin einfach der direkte Kommunizierer und denke mehr geradeaus als um die Ecke. Ich verstehe, was Du meinst, zweifele aber leider an der Motivation der Junior-Besitzerin.
Nach wie vor denke ich, dass Dir diese Einstellung sehr im Weg steht und Du Dich einfach nur weigerst oder Dich diesem Hindernis nicht stellen möchtest.
Aus welchen Gründen auch immer, Du solltest es wenigstens versuchen, Dich darauf einzustellen, denn unterschiedliche Menschen wird es immer geben.

Du verstellst Dich nicht, wenn Du anders bist, sondern Du kooperierst, wenn Du die Möglichkeit hast, auf einen Menschen einzugehen, den Du sonst verlieren könntest.

Ich hätte sonst nie die Möglichkeit gehabt, mit bspw. Obdachlosen zu arbeiten.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#15
Das hier ist der von mir schon erwaehnt Border Collie bei seiner Lieblingsbeschaeftigung. Er ist der mit Abstand krankeste Hund den ich kenne.
Wenn man ihn laesst dann macht er das den ganzen Tag, wenn man ihn nicht laesst, dann sucht er etwas anderes aehnlich spassiges wie Wasser - dann geht er das Glitzern beobachten oder den Garten auf und ab rasen. traurig


Fuer alle die nicht wissen was er da tut
er springt auf der Stelle um Ameisen aus dem Boden zu treiben, die er dann beobachten kann
[Bild: 3218873.jpg]

das Maedchen im Hintergrund lacht nicht sondern kuckt ihn verwundert zu
[Bild: 3218874.jpg]

Kathi, Lu und Pai
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#16
Ach du liebe Zeit! Eine Freundin hatte mir mal erzählt das es bei den Bordern wohl schon Linien gibt die nicht mehr ganz normal sind, die hatten wohl mal beim Agility einen, mit dem könnte man eigentlich nix machen, der drehte ständig am Rad!
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#17
Kathi, was macht dieser Hund denn, wenn er keinen Rasen zur Verfügung hat, also im Haus ist?

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#18
Anja, ich mag deine Art. Wir hätten bestimmt ne Menge Spaß freuen Aber wenn die Dame nicht wollen würde, dann wäre sie ja gar nicht in die Hundeschule gegangen. Also ist ja ein Grundstein schonmal da.

Du mußt den Menschen auf Ihrer Ebene entgegenkommen. Was auch für mich manchmal schwer ist, da ich auch eher ein überschießender Mensch bin und meine Meinung gerne auch kundtue. Oft bin ich dann gegen eine Wand gerannt und habe das Gegenteil erreicht.

Viele Hundetrainer haben das Problem das sie mit den verschiedenen Menschen einfach nicht zurecht kommen. Das ist aber wichtig in diesem Beruf. Ich finde die Idee von Thomas wirklich gut. Gerade so ein Mensch reagiert vielleicht wenn er mal nicht alles in den A... geschoben bekommt. Und das ist auch nicht einfach immer everybodys Darling zu sein und alles zu bekommen was man will.

Und Du kannst nicht alle retten, auch wenn es bestimmt schwer ist.

Ist denn diese Verhaltenstörung ähnlich dem Zwingersyndrom von viele Zootieren oder dem Weben beim Pferd? Eine Zwangshandlung?
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#19
Anja schrieb:Kathi, was macht dieser Hund denn, wenn er keinen Rasen zur Verfügung hat, also im Haus ist?

Drinnen macht er solche Dinge nicht. Sein zwanghaftes Verhalten beschraenkt sich auf draussen.
Rasen braucht er auch nicht, auf Beton geht das genauso gut. Wenn er auf einem Spaziergang Wasser findet, dann ist er bis zu 2h beschaeftigt. Dann steht er im Wasser und macht das es herum fliegt und klaefft es an oder beobachtet es einfach.


Annette das liegt sicherlich nicht nur an einer bestimmten Linie oder Abstammung. Die meisten Huetehunde haben etwas Neurotisches im Charakter, die sind schneller in einer Abwaertsspirale als andere Rassen. Meiner Meinung nach kann man solche Rassen nicht sich selbst ueberlassen. Es kann nicht schaden immer einbisschen mit einem Auge zu kucken was sie tun, warum sie das tun und ob sie das weiter tun sollten, zumindest solange sie noch jung sind.
Nicht jeder kann und moechte das.


Jack war in seinem Junghundeleben sich selber ueberlassen, denn sein aelterer Besitzer war stark erkrankt und ist dann verstorben. Er war viel alleine im Garten und hat "Spiele" erfunden.
Pai hiess Jack bevor er zu mir kam. Und dieser Jack vom Foto ist der Grund warum ich pai umbenannt habe. Der Name ist mir mit zu viel Negativem verbunden.
Kathi, Lu und Pai
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#20
Pebbles07 schrieb:Ist denn diese Verhaltenstörung ähnlich dem Zwingersyndrom von viele Zootieren oder dem Weben beim Pferd? Eine Zwangshandlung?

Es ist eine Handlung, die durch ihre permanente Wiederholung Botenstoffe im Gehirn auslöst, die süchtig machen. Dopamine? Der Hund möchte dann davon immer mehr und beschäftigt sich immer häufiger mit der entsprechenden Handlung. Es gibt 3 Stufen davon, zumindest habe ich das so gelernt, wobei in der letzten Stufe der Hund quasi gar nicht mehr ansprechbar ist.

Was die Person anbetrifft, so ist es schon so, dass sie mehr oder weniger motiviert kam. Oft wurde auch die Mutter geschickt, meist war das Mädel reichlich abgenervt, dass sie da samstags einen Pflichttermin hatte.

Ich weiß es nicht, ob ich sie erreiche, und ich weiß auch nicht, auf welche Weise. Versuchen werde ich es jedenfalls, auch wenn ich mir mal vorgenommen habe, niemandem hinterher zu laufen. Also wird es zwangsweise kein Servieren meiner Gedanken auf dem Silbertablett sein, sondern eine Anregung, die sie wahrnehmen kann, oder eben nicht.

Ob das dann unter neugierig machen laufen würde... keine Ahnung. Auch wenn Du, Thomas so sehr von diesem Weg der Kundenkommunikation überzeugt bist, aber wir sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten und ich könnte Dich auch nicht von manchen Dingen überzeugen, die bei mir wunderbar funktionieren, mit denen ich erfolgreich bin, weil Du sie schlicht nicht rüber bringen könntest.

Mir hilft schon mal sehr, zu wissen, dass der Kleine kein beginnender Pflegefall ist, sondern im Moment "nur" um Hilfe ruft...

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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