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Was ist eigentlich genau Jagdverhalten?
#11
Bei Sherlock habe ich die Beobachtung gemacht, dass das Greifen nur während des Hetzens vorkommt, wenn er eine Katze scheucht. Bleibt sie stehen, dreht er sofort ab.

Sein Ball wird aber durchaus gegriffen und getötet zwinkern .

LG Anja
[Bild: b18ft3cnd1u8rdgsa.jpg]
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#12
Wenn die Katze stehen bleibt weiß ich das nichts passiert. Allerdings weiß ich nicht wie das mit dem Adrenalin so ist wenn sie im hetzen die Mietz erwischen.... Bam Bam kann ich abrufen, meistens.... Er jagd einfach nicht wirklich
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#13
Hallo Anja,


Es gibt keinen Überlebenstrieb.

Was Organismen zeigen, ist eine Überlebenswille, der aber sehr unterschiedlich motiviert sein kann.

Von Trieben zu sprechen ist etwa so, als würdest du sagen, ich mache die Augen zu, und fahre kraft meiner Gedanken körperlich von Cux. nach Bad Homburg, du kämst nie hier an.

Ich habs schon öfters geschrieben, aus allem wurde ein Trieb gemacht, da niemand erklären und vor allem beweisen konnte, wie bestimmtes Verhalten zustande kommt.

Psychologen hatten sich mal die Mühe gemacht alle Triebe aufzulisten, nach ca. 4000 bis 5000 Tausend haben sie aufgegeben, da es reiner Unsinn war, was dabei herauskam.

Z. B. nehmen wir einmal den klassischen Hungertrieb, zu der Zeit als die Triebtheorie entwickelt wurde, war es noch unmöglich die körperlichen Abläufe des Hungers zu untersuchen, noch überhaupt zu erklären, was Hunger eigentlich ist. Das Einzige, was bekannt war, ist, das wir und auch Tiere Hunger verspüren.

Heute ist dass kein Problem mehr, aufzuzeigen wie Hunger physiologisch entsteht und das hat mit einem Trieb nichts zu tun.

Dazu gibt es z. B. Untersuchungen an Ratten, ich mache es kurz, denen bestimmte für Hungerunterdrückung wichtige Regulationsstoffe verabreicht wurden. Das Ergebnis war, das diese Ratten inmitten von Futter im Überfluss, verhungert sind.
Andere, denen man die Regulationsstoffe verabreichte, die keine Sättigung herstellten, fraßen sich buchstäblich zu Tode.

So ist es mit anderen ähnlich Trieben gegangen.

Nehmen wir einmal den Überlebenstrieb, den es auch nicht gibt und der deiner Meinung zu folge, das Jagdverhalten auslösen soll.

Als Beispiel nehme ich mal einige meiner Hunde, speziell die Schlittenhunde (Malamutes), die generell mit kleinen Ausnahmen, Jäger sind.
Ich war täglich mit ihnen im Wald, das Einzige, was sie gejagt haben war, sich untereinander im Spiel, und das nicht nur auf den Wegen.
Das erste Mal, als sie Wild verfolgten, mit ca. 1 Jahr waren das Hasen in der Ranz.
Die sie aber nicht aktiv gesucht haben, sondern durch Zufall sahen, erst dieser visuelle Reiz hat sie motiviert die Hasen zu verfolgen.
Also entfiel hier die Jagdsequenz „Suchen“. Suchen ist somit nicht unbedingt Voraussetzung oder nötig.

Denn wir können nicht einfach das Jagdverhalten von Wölfen, Dingos usw. auf unsere Hund übertragen, da diese von ihren Eltern/Rudel systematisch in der Jagd unterwiesen werden, sie müssen es lernen. D. h., zu den angeborenen Verhaltensweisen kommen immer auch Lernprozesse als entscheidende Faktoren hinzu.

Stellt sich nur die Frage was, ist angeboren, im Zusammenhang mit Jagen?
Dass Hunde sich beim Spiel gerne verfolgen, wissen wir alle, denn die Motivation zu Rennen ist ihnen sicherlich angeboren, lässt das darauf schließen das Jagen auch? Nein.

Wer schon einmal erlebt hat, wie eine Katz vor einem Hund flüchtet und sich dem Hund plötzlich stellt, kann in den meisten Fällen erleben, wie die Hunde Kleinbei geben. Sie haben Spaß am Verfolgen aber nicht zu kämpfen.
Wo bleibt hier dein Überlebenstrieb?

Noch einmal zu meinen Malamutes das sind Hunde vom Urtyp.

Sie haben nach kurzer Verfolgung von Wild in Schlagdistanz einfach die Verfolgung von sich aus abgebrochen.

Einmal hatten sie ein Schaf verfolgt das ausgebrochen war, und es in eine Ecke getrieben ohne das sie dem Tier auch nur ein Haar gekrümmt hatten.

Wir haben drei Straßenhunde von denen hat keiner Jagdmotivation.
Wo bleibt hier dein Überlebenstrieb?

Es ist kein überzeugendes Argument von einem „Überlebenstrieb“ zu sprechen der das Jagen motiviert.

Was will ich damit sagen?
Jagen ist multifaktoriell und komplexer, als das es sich mit intuitiven Argumenten einfach erklären lässt.


Zu den Genen, eine Anmerkung: Was ja auch fälschlich gerne für das Vorhandensein von „Trieben“ herhalten muss.
Z. B. der Beagle heißt es jagt gerne, das liegt in seinen Genen, stellt sich die Frage, stimmt das denn so?

Er muss sicherlich im Großen und Ganzen nicht viel Lernen ein Spur zu verfolgen, das ist genetisch bedingt, also sicherlich angeboren, ist das aber generell gleichzusetzen mit jagen?
Nicht unbedingt, es kann gut möglich sein das Beagle gerne Duftspuren folgen, ohne das dahinter erst einmal ein Zweck, wie das Jagen, die Motivation sein muss.
Es kann auch die Freude am reinen Suchen, egal was auch immer, der Auslöser sein.


LG Hans Georg


Der Mensch hat das Sozialverhalten von Hunden tief greifend verändert (D. U. Feddersen - Petersen).
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#14
Ich denke das bei einem Hund der immer genug zu fressen bekommt und ein zufriedenes Leben hat, es sicher nur ganz selten zum töten und fressen kommt.

Ich habe mich schon manchmal gefragt, ob unsere Hunde wirklich überleben könnten wenn sie sich ihr Futter jagen müssten! zwinkern

Benji hatte mal in einer Gartenanlage auf dem Weg dort sozusagen einen Hasen gefangen, als ich hinkam hatte er ihn komplett abgeleckt und der ausgebüxte Stallhase hatte sich zur Sicherheit tot gestellt. Obwohl Benji ja ein Mischling zwischen Jagdterrier und Münsterländer war hat er ihn nicht gefressen, er wusste sozusagen gar nicht was er nun mit dem Hasen anfangen sollte, also hat er ihn saubergeleckt wie unsere Katzenbabys! freuen

Sicher stecken die Triebe in allen Hunden drin, aber ich denke komplett ausgelebt werden sie in der Regel nicht!
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#15
amazone schrieb:Ich denke das bei einem Hund der immer genug zu fressen bekommt und ein zufriedenes Leben hat, es sicher nur ganz selten zum töten und fressen kommt.

Kann man so nicht sagen, finde ich. Ich kenne einige Hunde, die zufaellig uebergewichtig sind und immer genug zu fressen bekommen, die aber jeder Zeit einem Hasen nachhetzen und ihn toeten wuerden. Fressen dann sicher nicht, aber toeten schon.

Wer weiss schon ob die ganzen Trockenfutterhunde ein Hasen ueberhaupt noch als Essen ansehen wuerden?
Kathi, Lu und Pai
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#16
Ich denke schon auch, das es Hunde gibt die im Eifer des gefechts durch das Adrenalin zupacken. Gerade im Rudel.
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#17
Dafür ist aber nicht das Adrenalin zuständig, denn das Adrenalin bereitet den Körper nur darauf vor, Höchstleistung erbringen zu können.
Wenn die Sonne niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.



Liebe Grüße von der Mecklenburgischen Seenplatte
Thomas
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#18
Klar gibt es da auch ein paar Experten, die auch zupacken! Ich frage mich was Benji damals davon abgehalten hat..... er wurde auch mit rohem Fleisch gefüttert!

Was macht denn dann den Jagdtrieb, wenn nicht das Adrenalin?
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#19
Hallo amazone,


Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn du dir einmal Gedanken, für was das Adrenalin im Körper gebraucht wird, und in welchem Zusammenhang es mit der Jagd stehen könnte, machen würdest.
Damit kämst du deiner Frage wahrscheinlich näher, um sie selbst beantworten zu können.


LG Hans Georg


Der Mensch hat das Sozialverhalten von Hunden tief greifend verändert (D. U. Feddersen - Petersen).
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#20
Hallo amazone,


Weißt du das deine Themenfrage „was ist eigentlich Jagdverhalten“, auf den Hund bezogen, gar nicht so leicht und eindeutig zu beantworten ist.

Immer wieder führt Unkenntnis über das Wolfsverhalten leider zu der leichtfertig gemachten und falschen Behauptung, das bei unseren Hunden allgemein, das Jagen in den Genen liegt, somit angeboren sei und ohne Lernen auskommt.

Ein Hund, der einem flüchtenden Wild hinterher läuft, muss das nicht zwangläufig in jagdlicher Absicht tun.

Dass Wölfe ihren Jungen das Jagen beibringen, also durch Lernen über Beobachtung, oder selbst mitjagen, die Jungen angeleitet werden müssen, zeigt eindeutig das „das Jagen“ nicht Komplet angeboren ist. Es gibt allerdings angeborene Grundlagen, die für die Jungen das jagen Lernen vereinfachen und beschleunigen.
Z.B. kann ein Reiz wie das Weglaufen, das Verfolgen eines Geschwisters auslösen.
Wir sagen dann gerne sie jagen sich, das verführt zu der voreiligen Annahme, dass das schon Jagdverhalten sei.

Wenn junge Wölfe schon das Jagen lernen müssen, da es nicht Komplet angeboren ist, wie können wir da bei unseren Hunden, im Brustton der Überzeugen diese Behauptung, Jagen sei angeboren, aufstellen.

Das müsste uns doch zum kritischen Nachdenken darüber, ob das gerade bei unseren Hunden anders sein kann, anregen.

Dazu passen auch die neuen Erkenntnisse, über frei lebende Wölfe, die mit den vielen althergebrachten Behauptungen über deren Rudelleben aufräumen.


LG Hans Georg



Es ist leichter, ein Atom zu zertrümmern, als eine vorgefasste Meinung (A. Einstein).
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